9. April 2022

Aufstiegskampf gegen Abstiegsangst!

Zwei Gefühlswelten beim Traditionskracher zwischen Essen und Aachen.

Felix Herzenbruch trifft gegen Aachen nach Ecke zum 2:1.
Moment, an den sich Rot-Weisse gern erinnern: Felix Herzenbruchs Hinspiel-Treffer zum 2:1.. (Foto: Endberg)

Aufstieg- gegen Abstiegskampf, Rot-Weiss Essen gegen Alemannia Aachen. Der Schauplatz „Tivoli“ wurde 2009 als modernes Prunkstück der West-Stadien eröffnet, bietet Platz für über 30.000 Fans. Heute empfangen die Kaiserstädter 3.917 im Durchschnitt und füllen so nur rund zehn Prozent ihrer Arena. Es gab schon bessere Zeiten für den sechzehntplatzierten Traditionsverein – auch sportlich. Und jetzt kommt mit RWE am Sonntag, 14.00 Uhr, ausgerechnet eine Mannschaft in die Grenzstadt, für die es in der Tabellenkonstellation womöglich um jedes Tor gehen kann.

Die Ausgangslage:

Sieben Spiele muss das Team von Chef-Trainer Christian Neidhart in der Saison 2021/22 noch ausspielen. An der Tabellenspitze liefert sich RWE einen unerbittlichen Kampf mit Preußen ​Münster. Jedes Tor kann im finalen Klassement wichtig sein! Weiter am laufenden Band trifft Simon Engelmann. Der 33-Jährige besorgte mit seinem siebten Erfolgserlebnis im sechsten Spiel das 1:1-Remis gegen RW Oberhausen.

An Alemannia Aachen erinnert sich „Engel“ nichtsdestotrotz nicht gut zurück: Die ersten 15 Duelle gegen die Kaiserstädter endeten allesamt Remis oder mit Niederlagen, nur in einem von 17 Spielen war der Essener gegen das „Tivoli“-Team erfolgreich. Höchste Eisenbahn für Engelmann, am Sonntag etwas nachzuholen!

Zufrieden waren die Essener nach der Punkteteilung im Revierderby am Dienstagabend übrigens keinesfalls (Daniel Heber: „Mit einem einzigen Schuss macht RWO das 1:0 – das war zu einfach und ärgert uns“), nichtsdestotrotz zeigte sich Fußball-Lehrer Neidhart mit der bisherigen Gesamtausbeute seiner Schützlinge gegen Köln II (2:0) und schließlich RWO nicht ganz unzufrieden: „Schließen wir diese Englische Woche nach einem Aachen-Sieg mit sieben Punkten ab, ist alles okay!“

Gefährdet für eine Gelbsperre sind nach wie vor Felix Herzenbruch, Felix Bastians, Luca Dürholtz und Engelmann, allesamt mit vier Verwarnungen in der Saison.

Das Hinspiel:

Augenzwinkernd könnte man sagen: Der 2:1-Erfolg vor 11.250 Zuschauern Ende Oktober kostete RWE-Fans wohl einiges an Lebenserwartung. Lange Zeit sah es nach dem Führungstreffer von Zlatko Janjic und dem darauffolgenden Ausgleich von Hamdi Dahmani nach einer Punkteteilung aus. Doch dann kam Herzenbruch in Nachspielzeitminute fünf: Der Verteidiger hielt seine Rübe in einen Dürholtz-Eckball von der linken Seite. Mit dem ersten Regionalliga-Treffer seit mehr als acht Jahren besorgte Essen wichtige Zähler.

RWE-Trainer Neidhart war nach dem Spiel sichtlich euphorisch: „Aachen hat probiert, das 1:1 über die Zeit zu bringen. So bitter das für die Alemannia ist, umso geiler sind diese Siege, wenn man mit purem Willen und drei, vier Eckbällen hintereinander den Treffer macht.“ 

Der Gegner:

Im letzten Spiel krebste sich das Team, das mitten in der Saison vom „neuen alten“ Fuat Kilic übernommen wurde, zu einem Verlängerungs-Pokalsieg gegen Oberligist Borussia Freialdenhoven (3:1).

Kein gutes Vorzeichen für die Aachener: Von 37 Pflichtspielen in diesem Jahr kassierte RWE nur fünfmal mehr als ein Gegentor. Alemannia hingegen zählt mit nur 34 Treffern aus 30 Spielen zu den schwächsten Offensiven der Liga.

Vielleicht liegt das am ausbleibenden Goalgetter-Glück in dieser Saison. Mittelstürmer Jannik Mause kommt zwar auf sieben Treffer in 18 Matches, gehörte allerdings im Anschluss an Verletzungsprobleme länger nicht zum Kader. Nach dem Youngster folgt Tim Korzuschek mit vier Toren. Der Ex-Essener Hamdi Dahmani erzielte drei Tore, darunter eins an der Hafenstraße.

Aufstiegskampf gegen Abstiegsangst! – Rot-Weiss Essen
Hamdi Dahmani war in der Saison 19/20 an der Hafenstraße heimisch. (Foto: Endberg)

An zu wenig Qualität in den eigenen Reihen kann es keinesfalls liegen: Dahmani war Fortuna Kölns Drittliga-Spielführer, Selim Gündüz – gegen Essen gelbgesperrt – einst Zweitliga-Stammkraft bei Ruhrpott-Klub VfL Bochum. Mergim Fezullahu ist ein etablierter Regionalliga-Kicker.

Um die Katastrophe und die Fünftklassigkeit zu verhindern, ist die Ausgangslage noch in Ordnung. Zwar steht das Kilic-Team mit 31 Zählern auf dem 16. Tabellenplatz und somit einer Abstiegsposition, allerdings haben die Alemannen zwei Spiele weniger als der fünfzehntplatzierte Bonner SC (34 Punkte) und eins weniger als Borussia Mönchengladbach (34). Das Restprogramm könnte aus Kaiserstadt-Perspektive dennoch wohl einfacher sein: Aus den Top 6 tritt das Kilic-Team noch gegen RWE, Fortuna Köln, den Wuppertaler SV und den 1. FC Köln II an. Auch die Aufgaben Ahlen und Fortuna Düsseldorf II dürften nicht unbedingt einfach werden.

Acht Spiele sind es  noch im Aachener Abstiegsfinale! Die Schwarz-Gelben müssen sich zusammenreißen – sonst tritt ein Verein die Reise in die Tiefen des Amateurfußballs an, der seit eh und je eigentlich mindestens drittklassig spielt. Schon der Abstieg in die Regionalliga 2013 war historisch.

Das Stadion:

Der Tivoli wurde 2009 als Nachfolger des traditionsreichen „Alten Tivoli“ erbaut. Mit einem Fassungsvermögen von über 32.000 Zuschauern ist er das größte Stadion in der Regionalliga West – kaum vorstellbar, in solch einer Arena Oberliga-Spiele zu bestreiten.

Am Dreiländereck besteht für Rot-Weiss Essen Nachholbedarf. Erst ein Spiel gewann der Bergeborbecker Traditionsklub in der Kaiserstadt – 2:1 im Oktober 2017.

Vorherige Duelle:

Dagegen steht: Seit nunmehr drei Jahren ist Rot-Weiss Essen gegen Alemannia Aachen ungeschlagen. Seither trafen beide Mannschaften viermal aufeinander, dreimal siegte RWE, einmal trennten sich beide Teams Unentschieden.

Bis heute blicken RWE und die Alemannia auf das zuschauerreichste Regionalliga-West-Spiel zurück. 2015 versammelten sich für das Aufeinandertreffen beider Mannschaften ganze 30.313 Zuschauer am „Tivoli“. RWE unterlag damals 0:1.

Der Schiedsrichter:

Die Partie pfeift Timo Gansloweit. Der Dortmunder Referee leitete als letztes Spiel mit rot-weisser Beteiligung den furiosen 3:2-Erfolg bei Preußen Münster.

Leonidas Exuzidis (26, Castrop-Rauxel) und Claas Steenebrügge (41, Bochum) stehen ihm zur Seite.

Das Wetter:

Für das Gastspiel in Aachen sind sonnige 10 Grad vorausgesagt.

Übertragung / Tickets:

Zum Preis von 5,99 Euro überträgt sporttotal.tv die Partie. Ab 12.30 eröffnen die Tageskassen am Tivoli.