28. Juni 2022

Felix Bastians: „Die Hütte wird voll!“

Abwehrspieler in seinem 18. Karrierejahr über seinen bisherigen Werdegang und die Aufgaben in der 3. Liga.

Felix Bastians bei der Aufstiegsfeier
Inmitten jubelnder Rot-Weisser: Felix Bastians ist in seiner Hafenstraßen-Premieresaisons auf Anhieb aufgestiegen. (Foto: Endberg)

Als Felix Bastians für den englischen Traditionsklub Nottingham Forest erstmals in seiner Karriere die Herren-Fußballschuhe schnürte, war Rot-Weiss Essen gerade Zweitliga-Absteiger, Uwe Neuhaus Hafenstraßen-Trainer und ein Abschied vom Georg-Melches-Stadion längst noch keine Realität. Der 34-jährige Abwehrmann, einst U21-Nationalspieler an Seite von Toni Kroos, Marco Reus und Mats Hummels, geht in seine 18. Saison als Profifußballer. Wie hat sich der Fußball verändert, was rät Felix Bastians jüngeren Kickern und wer war sein hartnäckigster Gegenspieler? Der RWE-Routinier im Interview.

Felix Bastians! Du gehst in Deine 18. Saison als Fußballprofi. Welchen Moment hast du als Intensivsten in Erinnerung?
Felix Bastians: Den Aktuellsten! Beim Aufstieg hier an der Hafenstraße war die Stimmung einmalig. Denke ich nur daran, bekomme ich sofort Gänsehaut – schau mal! Das war pure Erleichterung. Ich habe kurz vor Abpfiff nach links geschaut: ‚Herze‘ war am Heulen, Luca vor mir hatte schon Tränen in den Augen. Ich wollte aber unbedingt bis zum Schluss die Konzentration oben halten, auch wenn es 2:0 stand – ich habe die Jungs angeschrien. Dann ist ein letzter langer Ball bei mir runter gekommen und ich habe den meterweit hochgejagt. Durch all die Emotionen konnte ich auch den Nasenbeinbruch aus der ersten Halbzeit besser verschmerzen (lacht).

Ganz an den Anfang Deiner Karriere: Dein Debüt hast du als 17-Jähriger in England gegeben. Erinnerst Du Dich an die ersten Schritte als Profifußballer?
Felix Bastians: Ich habe das Spiel geliebt. Schon mit 16 bin ich ins Ausland gegangen und zu den Profis gekommen. Es war eine extreme Erfahrung, als jüngster Spieler in eine Seniorenmannschaft zu stoßen – immerhin waren es andere Zeiten und es gab einen anderen Umgang mit unerfahrenen Spielern. Es hat aber nicht geschadet, ganz im Gegenteil, es hat mich eher geprägt.

Wie hat sich der Fußball mit den Jahren verändert?
Felix Bastians: Alles ist moderner geworden, es gibt viel mehr technische Hilfsmittel – auch im Trainingsalltag.

Felix Bastians: "Die Hütte wird voll!" – Rot-Weiss Essen
Bastians war schon in der 1. und 2. Bundesliga sowie in China, der Schweiz und Belgien am Ball. (Foto: Heidelberg / Breilmannswiese)

Der Blick zurück ist immer aufschlussreich: Würdest du dem 18-jährigen Felix Bastians aus heutiger Sicht raten, Profifußballer zu werden?
Felix Bastians: Ja! Die Erfahrungen, die ich machen durfte, habe ich durch den Fußball erlebt. Vier Jahre England, Schweiz, Freiburg, Hertha, Kapitän in der Heimat, China, Belgien und jetzt wieder vor der eigenen Haustür spielen. Auch für die Leute, die ich kennengelernt habe, bin ich dem Fußball sehr dankbar. Ich durfte zudem reisen, dadurch andere Städte und Kulturen erleben.

…und wenn es mit dem Profifußball nicht geklappt hätte?
Felix Bastians: Ich habe Sportjournalismus studiert – das wäre eine Möglichkeit gewesen. Mittlerweile habe ich außerdem mein Sportmanagement-Studium abgeschlossen. Dennoch hat es sich bei mir ja schnell herauskristallisiert, dass es mit dem Fußball etwas werden würde.

Zoran Tosic war unfassbar. Der wurde beim 1. FC Köln von Manchester United ausgeliehen.

Bastians über seine stärksten Gegenspieler.

In Deiner Karriere hast Du auch gegen Weltstars gekickt. An welchen Gegenspieler erinnerst Du Dich besonders?
Felix Bastians: Robben, Klose, Hulk, oder Raúl sind ja Spieler, wo die Qualität bekannt war. Um mal einen Spieler zu nennen, der nicht bei jedem auf dem Schirm ist – Zoran Tosic, damals beim FC Köln! Der war unfassbar, wurde von Manchester United ausgeliehen. In der Bundesliga war die Qualität natürlich generell hoch.

Wagen wir den Blick nach vorn. Du bist ein routinierter Abwehrspieler. Was glaubst du: Wie groß werden die Unterschiede zwischen 3. Liga und Regionalliga sein?
Felix Bastians: Ich war selbst noch nie in der 3. Liga am Ball. Absolviere ich dort mein Spiel, dann habe ich die ersten vier deutschen Ligen durch. Dennoch weiß ich: Wir werden nicht mehr in nahezu jeder Partie großer Favorit sein. Der größte Vorteil für uns, aber viel mehr für unsere Fans ist wohl, dass wir fast ausschließlich in wirklichen Stadien spielen. Außerdem ist 3. Liga richtiger Profifußball. Ob bei 1860 oder Dresden, da ist die Hütte richtig voll.

Felix Bastians: "Die Hütte wird voll!" – Rot-Weiss Essen
In seiner Karriere absolvierte Felix Bastians beinahe 400 Pflichtspiele. (Foto: Endberg)

Auf welche Partie der nächsten Saison freust Du Dich am meisten?
Felix Bastians: Auf wirklich jedes Heimspiel! Zuhause ist für mich am Schönsten! Ich habe die Familie da, selbst meine Oma kommt noch auf dem Krückstock zur Hafenstraße. Es wird voll sein und brennen, am Anfang wird uns die Aufstiegseuphorie tragen – das müssen wir aufsaugen.

Selbst meine Oma kommt auf dem Krückstock zur Hafenstraße.

Bastians über rot-weisse Heimspiele.

Den Weg in die 3. Liga gehen auch einige junge Spieler mit. Welchen Tipp gibst Du den Jungs mit all Deiner Erfahrung?
Felix Bastians: Immer alles raushauen! Vor allem im Ruhrgebiet wollen die Leute sehen, dass du alles gibst. Zerreißt Du Dich, akzeptieren die Fans auch Fehler. Ich würde ihnen auch raten, die Wucht von Rot-Weiss Essen aufzusaugen. Ich meine…3.000 Zuschauer beim Trainingsauftakt sprechen eine deutliche Sprache.

Vorhin hast du von Liebe zum Fußball gesprochen. Existiert die immer noch?
Felix Bastians: Definitiv, sonst würde ich nicht mehr spielen. Gerade in dieser Region, hier in der Heimat, wo ich mich mit den Werten identifiziere, ist RWE eine ganz besondere Herausforderung.

Stichwort Herausforderung: Was möchtest Du noch erreichen?
Felix Bastians: Meine Motivation war es, dem Verein beim Aufstieg zu helfen. Jetzt wächst RWE sehr schnell, auch infrastrukturell. Diese Entwicklung weiter begleiten zu können und den Verein zu unterstützen, sich im Profifußball zu etablieren wird zwar knackig – da freue ich mich aber drauf. Wir haben ein super Umfeld!

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