5. Juli 2022

3. Liga-Gegnercheck: Wiedersehen mit altem Bekannten

3. Liga-Gegnercheck: Viktoria Köln
(Illu: RWE / Viktoria Köln)

Rot-Weiss Essen stellt im „3. Liga-Gegnercheck“ auf der Homepage in den kommenden Wochen bis zum Saisonstart alle aktuellen Drittligisten vor. Viktoria Köln ist der zweite Heimspielgegner und gleichzeitig der nächste Verein in dieser Serie.

Nach dem Derby gegen den MSV Duisburg am 2. Spieltag steht für Rot-Weiss Essen nur wenige Tage später (Dienstag/Mittwoch, 9./10. August) im Rahmen der ersten englischen Woche der Saison 2022/2023 erneut ein Duell mit einem (noch gut bekannten) NRW-Klub auf dem Programm. Zu Gast im Stadion an der Hafenstraße ist dann der FC Viktoria Köln mit einem ehemaligen Rot-Weissen auf der Trainerbank. Seit Anfang 2021 ist Olaf Janßen wieder für die sportlichen Geschicke der Domstädter verantwortlich.

Der 55-jährige Janßen war von 2005 bis 2008 Sportlicher Leiter an der Hafenstraße, phasenweise auch Interimstrainer. In dieser Zeit gelang unter anderem der bislang letzte Aufstieg in die 2. Bundesliga (2006). Im Anschluss an seine Essener Zeit agierte der Ex-Profi häufig als Co-Trainer, unter anderem von Berti Vogts bei der Nationalmannschaft von Aserbeidschan, unter Jos Luhukay beim VfB Stuttgart, unter Ewald Lienen beim FC St. Pauli oder unter Bruno Labbadia beim VfL Wolfsburg und bei Hertha BSC. Für das Engagement in Wolfsburg hatte Janßen seinen erstmals im Januar 2018 angetreten Cheftrainer-Posten bei der Viktoria nach nur 18 Begegnungen verlassen. Im Februar 2021 folgte dann die Rückkehr in die rheinische Metropole, in der er schon als Profi des 1. FC Köln den Großteil seiner aktiven Karriere verbracht hatte (1985 bis 1996). Außerdem war der gebürtige Krefelder noch für Eintracht Frankfurt und AC Bellinzona (Schweiz) am Ball.

Die abgelaufene Saison endete für die Viktoria, die zwischenzeitlich um den Klassenverbleib bangen musste, auf Rang 13 – und mit einem Paukenschlag im Pokal. Denn das 2:0 im Verbandspokal-Finale am Mittelrhein gegen den Stadtrivalen Fortuna Köln bescherte dem Klub aus dem Stadtteil Höhenberg nicht nur die Qualifikation für den DFB-Pokal, sondern dort auch ein Duell mit dem deutschen Rekordmeister FC Bayern München (31. August).

Die Partie gegen die Bayern um Superstar-Neuzugang Sadio Mané dürfte zu einem Höhepunkt der Kölner Vereinsgeschichte werden. „Wenn der Anpfiff erfolgt, werden wir endgültig realisieren, dass wir tatsächlich ein Pflichtspiel gegen den Rekordmeister und -pokalsieger bestreiten“, sagt Olaf Janßen. „Das können nicht viele Vereine außerhalb der Bundesliga von sich behaupten. Die Umstände der Partie werden ebenfalls nicht alltäglich sein. Die Vorfreude ist entsprechend groß.“

Ein RWE-Vereinsmitglied wird den Bayern-Schlager nicht mehr auf Seiten von Viktoria Köln erleben. Anfang Mai hatten die Viktoria und Andreas Rettig, der bis dahin Vorsitzender der Geschäftsführung war, nach knapp einem Jahr die Trennung bekanntgegeben. Aufgrund „unterschiedlicher Auffassungen über die zukünftige Ausrichtung und Strategie“ beendete der 59-Jährige, der seit dem 1. Juni 2021 im Amt war, seine Tätigkeit.

Eine wichtige Rolle bei Viktoria Köln spielt bereits seit 2011 Sportvorstand Franz Wunderlich. Der 58-Jährige begleitete den Klub damit aus der NRW-Liga bis in die 3. Liga (Aufstieg als Meister der Regionalliga West im Sommer 2019). In dieser Zeit kam es zu zahlreichen Duellen mit Rot-Weiss Essen. Wunderlichs Sohn Mike dürfte den meisten RWE-Fans noch aus der Saison 2009/2010 bestens bekannt sein, als er an der Hafenstraße als offensiver Mittelfeldspieler überzeugte. Über den damaligen Zweitligisten FSV Frankfurt ging es für ihn anschließend zur Viktoria, die er als Leistungsträger und Torjäger zu Erfolgen führte. Im Sommer 2021 wechselte der 36-Jährige dann überraschend zum 1. FC Kaiserslautern und schaffte mit den „Roten Teufeln“ in der Vorsaison den Sprung in die 2. Bundesliga.

Davon war die Viktoria in der abgelaufenen Spielzeit als damaliger Ligakonkurrent der Lauterer weit entfernt. Für Cheftrainer Olaf Janßen ist die Entwicklung des Vereins aber noch längst nicht am Ende. Kein Wunder also, dass er seinen Vertrag im Februar 2022 – mitten im Abstiegskampf und noch unter Mitwirkung von Andreas Rettig – vorzeitig verlängerte. „Ich habe noch nicht fertig! Ich freue mich aus mehreren Gründen auf die weitere Zusammenarbeit“, so Janßen. „Viktoria Köln ist für mich das aktuell spannendste Projekt in der 3. Liga, deshalb bleibe ich gerne an Bord. Ich will als Cheftrainer das Team weiterentwickeln, junge Spieler einbauen und in den nächsten Jahren meinen Part dazu beitragen, dass der Klub sportlich erfolgreich ist. Ich bin in der glücklichen Lage, sagen zu können, dass totales Vertrauen zwischen Trainer und den Verantwortlichen herrscht. Das fühlt sich einfach gut an. Und: Köln ist schon seit vielen Jahren meine Heimatstadt.“

Gleiches gilt auch für Ex-Bundesligaprofi Marcel Risse (32), der sogar in der Domstadt geboren wurde und ebenfalls sehr lange für den „Effzeh“ gekickt hatte. Seit August 2020 ist der Außenbahnspieler für die Viktoria am Ball, zunächst auf Leihbasis, inzwischen fest verpflichtet und zum Kapitän befördert. Auch „Cello“ Risse hängt mindestens noch eine weitere Saison im Sportpark Höhenberg dran. „Ich freue mich, den Weg der Viktoria weiter mitzugehen und ein Teil der Entwicklung unseres Teams und unseres Vereins zu sein“, erklärt Marcel Risse. „Das letzte Jahr war sehr intensiv. Ich bin froh, dass der große Kern der Mannschaft zusammenbleibt. So haben wir das Fundament für die nächsten Schritte geschaffen, bei denen ich sehr gerne mit dabei bin.“