10. Juli 2022

3. Liga-Gegnercheck: Wiedersehen mit „Doc“ Welling an der Bremer Brücke

3. Liga-Gegnercheck: Wiedersehen mit "Doc" Welling an der Bremer Brücke – Rot-Weiss Essen
(Illu: RWE / VfL Osnabrück)

Rot-Weiss Essen stellt im „3. Liga-Gegnercheck“ auf der Homepage in den kommenden Wochen bis zum Saisonstart alle aktuellen Drittligisten vor. Heute im Portrait der VfL Osnabrück.

Keine Frage, den beiden Spielen gegen seinen Ex-Verein Rot-Weiss Essen am 8. und 27. Spieltag dürfte Dr. Michael Welling, Geschäftsführer Wirtschaft beim VfL Osnabrück, ganz besonders entgegenfiebern. Der „Doc“, wie er von den RWE-Fans häufig nur genannt wurde, war bekanntlich von 2010 bis 2018 geschäftsführender 1. Vorsitzender an der Hafenstraße. Über die Station beim 1. FSV Mainz 05 (Direktor Marketing und Vertrieb) ging es für den Familienvater vor rund eineinhalb Jahren zum VfL an die Bremer Brücke. Genau dort steht im Rahmen des 8. Spieltages auch das RWE-Gastspiel auf dem Programm.

Die Region Osnabrück ist Welling bereits aus der Vergangenheit vertraut. Er wurde im August 1971 in der Grafschaft Bad Bentheim geboren und wuchs im Emsland auf. Nach seinem Abitur studierte er zunächst in Osnabrück Sport, Soziologie und Literaturwissenschaften, entschied sich dann aber für ein Studium der Wirtschaftswissenschaft an der Ruhr-Universität in Bochum und an der University of Strathclyde in Glasgow. Der Diplom-Ökonom arbeitete später im Controlling für einen Sportartikelhersteller in Herzogenaurach als auch im amerikanischen Portland. Nach seiner folgenden Tätigkeit als wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Ruhr-Universität in Bochum, wo er promovierte, arbeitete Welling als Assistent des Vorstands beim VfL Bochum – sein Einstieg in den professionellen Fußball.

Von 2007 bis 2010 stand er bei einem Sportrechtevermarkter unter Vertrag, ehe es ihn als geschäftsführenden 1. Vorsitzenden zu Rot-Weiss Essen zog. Wenige Monate später gelang unter der Regie des damaligen RWE-Cheftrainers Waldemar Wrobel (jetzt stellvertretender Vorsitzender des Aufsichtsrates) der direkte Wiederaufstieg aus der NRW-Liga in die Regionalliga West. Der Versuch, die Rot-Weissen in den folgenden Jahren zu einem weiteren Aufstieg zu führen, missglückte jedoch. Das schaffte erst Wellings direkter Nachfolger an der Hafenstraße, Marcus Uhlig.

Die erste Saison als VfL-Verantwortlicher endete für Michael Welling ebenfalls mit einer sportlichen Enttäuschung. Als Tabellendrittletzter der 2. Bundesliga mussten die Niedersachsen in die Relegation gegen den damaligen Drittliga-Dritten FC Ingolstadt 04. Das Hinspiel in Ingolstadt ging 0:3 verloren. Damit reichte im Rückspiel auch ein 3:1-Heimsieg nicht, um in der Klasse zu bleiben. Die abgelaufene Saison in der 3. Liga schloss Osnabrück unter der Regie des neuen Cheftrainers Daniel Scherning (38) auf Rang sechs ab, fünf Zähler von Relegationsrang drei entfernt.

Das Gesicht der Mannschaft veränderte sich in den zurückliegenden Wochen deutlich. Sportdirektor und Ex-Profi Amir Shapourzadeh (früher anderem Sportfreunde Lotte) legte Welling ein Dutzend Verträge zur Unterschrift vor. Einer der Neuen ist ein ausgesprochener Routinier. Mit der Erfahrung vom 136 Erst- und 107 Zweitligaspielen wechselte Robert Tesche vom Bundesligisten VfL Bochum in die 3. Liga. „Ich habe richtig Lust auf den VfL Osnabrück. Ich will nicht nur meine Erfahrung weitergeben, sondern mit Leistung überzeugen“, so der 35-jährige Mittelfeldspieler, der in Bochum unter anderem zusammen mit den beiden RWE-Profis Felix Bastians und Thomas Eisfeld am Ball war.

Ausgebildet wurde Robert Tesche in Osnabrücks Nachbarschaft, im Leistungszentrum von Arminia Bielefeld, in dem er sämtliche Juniorenteams durchlief, den Sprung zu den Profis schaffte und 2007 in der Bundesliga debütierte. Er empfahl sich und wechselte 2009 zum Hamburger SV, wo er mit zwölf Einsätzen in der UEFA Europa League unter anderem auch internationale Luft schnuppern konnte. Nach einer Leihe zu Fortuna Düsseldorf zog es den Mittelfeldspieler, der in Wismar geboren wurde, in das „Mutterland des Fußballs“. In England machte er Station bei Nottingham Forest sowie Birmingham City und absolvierte in der dortigen 2. Liga („Championship“) insgesamt 82 Spiele. 2017 wechselte Robert Tesche zurück nach Deutschland und schloss sich dem VfL Bochum an, wo er bis zuletzt unter Vertrag stand.

Der letzte Vergleich zwischen RWE und dem VfL Osnabrück liegt schon eine ganze Weile zurück. In der Regionalliga Nord-Saison 2005/2006 gastierte Rot-Weiss am 31. Spieltag an der Bremer Brücke – und gewann nach Doppelpacks von Arie van Lent und Danko Boskovic 4:1. Wenig später stand der (bis heute letzte) Essener Aufstieg in die 2. Bundesliga fest.