15. Juli 2022

3. Liga-Gegnercheck: Wiedersehen mit Christian Neidhart

3. Liga-Gegnercheck: Wiedersehen mit Christian Neidhart – Rot-Weiss Essen
(Illu: RWE / SV Waldhof Mannheim)

Rot-Weiss Essen stellt im „3. Liga-Gegnercheck“ auf der Homepage in den kommenden Wochen bis zum Saisonstart alle aktuellen Drittligisten vor. Heute ist der SV Waldhof Mannheim im Portrait.

Dieses Wiedersehen dürfte emotional werden. Wenn Rot-Weiss Essen am 13. Spieltag (vorletztes Oktober-Wochenende) beim SV Waldhof Mannheim antritt, dann wird auf der anderen Seite mit Christian Neidhart der direkte Vorgänger des neuen RWE-Cheftrainers Christoph Dabrowski an der Seitenlinie stehen. Zum 1. Juli heuerte der 53-jährige Neidhart, der Rot-Weiss von Sommer 2020 bis Mai 2022 mit großem Erfolg betreut hatte, beim ehemaligen Bundesligisten SV Waldhof an.

Gleich in seiner ersten Saison 2020/2021 hatte Neidhart mit RWE die Vizemeisterschaft mit herausragenden 90 Punkten hinter der (noch einen Tick stärkeren) U23 von Borussia Dortmund (93 Zähler) geholt. Außerdem stand der sensationelle Einzug in das Viertelfinale des DFB-Pokals zu Buche. Auf diesem Weg wurden bekanntlich Arminia Bielefeld (1:0), Fortuna Düsseldorf (3:2) und Bayer 04 Leverkusen (2:1 nach Verlängerung) ausgeschaltet, ehe Holstein Kiel mit einem 3:0-Erfolg an der Hafenstraße die märchenhafte Pokalreise der Rot-Weissen beendete.

In der abgelaufenen Aufstiegssaison legte Rot-Weiss unter Christian Neidharts Regie den Grundstein für den späteren Meistertitel und den Aufstieg. Der Niedersachse, der mit RWE in insgesamt 89 Pflichtspielen nur neun Niederlagen hinnehmen musste, erlebte nur die letzten beiden Spieltage – Sportdirektor Jörn Nowak und der damalige U19-Trainer Vincent Wagner übernahmen interimsweise zusammen mit dem verbliebenen Trainerteam – nicht mehr von der Seitenlinie mit. Wenige Tage vor der Trennung war RWE beim Ligakonkurrenten Wuppertaler SV (1:3) im Halbfinale aus dem Niederrheinpokal ausgeschieden. „Zugegeben: Dass die Verantwortlichen diese Entscheidung so getroffen haben, war für mich eine große Enttäuschung, nachdem wir zwei Jahre lang als echte Einheit überragend zusammengearbeitet hatten“, so Neidhart rückblickend. „Ich habe mich aber für den gesamten Verein und für die Fans total gefreut, dass es im Endspurt mit dem Aufstieg geklappt hat. RWE ist eine absolute Bereicherung für die 3. Liga und wird das auch beweisen.“

Für das Engagement in Mannheim löste Neidhart seinen durch den Aufstieg automatisch verlängerten Vertrag in Essen auf – und will jetzt im Süden der Republik noch weiter nach oben. „Nur an die deutlich höheren Temperaturen im Vergleich zu meiner norddeutschen Heimat muss ich mich noch ein wenig gewöhnen“, scherzt der gebürtige Braunschweiger. „Ich wurde aber bestens aufgenommen. Der SV Waldhof ist ebenso wie Rot-Weiss Essen ein Arbeiter- und Malocherklub. Das ist Fußball pur und gefällt mir sehr.“

Nur in der 3. Liga dabei zu sein, das reicht Neidhart nicht. „Ich bin nicht gekommen, um im Tabellenmittelfeld zu landen. Das ist nicht mein Ding. Den Aufstieg in die 2. Bundesliga anzustreben, ist grundsätzlich das Ziel des Vereins. Das deckt sich aber auch mit meinen Zielen“, lautet die offensive Vorgabe für das Team rund um die bekannten Routiniers Marc Schnatterer und Marco Höger. „Deshalb haben wir uns vorgenommen, das mutig anzugehen. Klar ist aber auch, dass mindestens sieben oder acht andere Vereine dieses Ziel ebenfalls verfolgen, auch wenn sie es vielleicht nicht immer sagen. Wir stellen uns dieser großen Aufgabe und Herausforderung. Eine Garantie gibt es aber für niemanden. Dafür sind die Konkurrenz und die Leistungsdichte in der 3. Liga einfach zu groß.“

Zu den größten Konkurrenten gehören für Neidhart unter anderem die drei Zweitliga-Absteiger Dynamo Dresden, FC Erzgebirge Aue und FC Ingolstadt 04 sowie der TSV 1860 München, der VfL Osnabrück, der SV Wehen Wiesbaden und der 1. FC Saarbrücken.

Osnabrück ist dabei ein weiterer Verein, für den Neidhart als Spieler schon einmal aktiv war. Gleiches gilt für den Neuling VfB Oldenburg. Beim SV Meppen stand Neidhart von 2013 bis 2020 an der Seitenlinie. Die Norddeutschen führte er als Trainer und Sportlicher Leiter zur Meisterschaft in der Regionalliga Nord und zum Aufstieg in die 3. Liga. „Ich kehre zu all meinen ehemaligen Klubs gerne und mit einem guten Gefühl zurück“, sagt er.

Besonders freut sich Neidhart aber auf die Duelle mit RWE: „Obwohl das Spiel erst im nächsten April stattfinden wird, brenne ich schon jetzt darauf, bei der geilen Atmosphäre an der Hafenstraße anzutreten. Ich bin mir auch sicher, dass die RWE-Fans meine geleistete Arbeit und meinen Beitrag zum Aufstieg honorieren und mich entsprechend empfangen werden.“ Zunächst aber empfängt Neidhart die Rot-Weissen im Oktober in Mannheim.