20. Juli 2022

3. Liga-Gegnercheck: Duell bei „altem Bekannten“ SC Verl

3. Liga-Gegnercheck: Duell bei "altem Bekannten" SC Verl – Rot-Weiss Essen
(Illu: RWE / SC Verl)

Rot-Weiss Essen stellt im „3. Liga-Gegnercheck“ auf der Homepage bis zum Saisonstart alle aktuellen Drittligisten vor. Heute an der Reihe der SC Verl.

Die Fans des SC Verl staunten nicht schlecht. Niemand geringeres als Arjen Robben und Daniel van Buyten waren im Verler Stadion an der Poststraße in Aktion zu sehen. Die beiden ehemaligen Spieler des FC Bayern München, gemeinsam im Jahr 2013 Champions League-Sieger mit dem deutschen Rekordmeister, stehen aber nicht unmittelbar vor einem Comeback bei den Ostwestfalen. Der 38-jährige Niederländer Robben und der 44-jährige Belgier van Buyten waren mit von ihnen trainierten Junioren-Mannschaften bei einem in Verl ausgerichteten Jugendturnier zu Gast. Besonders Arjen Robben musste an der Poststraße zahlreiche Autogramme schreiben.

Von einer titelreichen Karriere, wie sie Arjen Robben und auch Daniel van Buyten hingelegt haben, träumen wohl die meisten Kicker. Der SC Verl gehört zu den Vereinen in der 3. Liga, der für junge Talente ein Sprungbrett auf dem möglichen Weg nach ganz oben sein kann. Der Verein aus der 25.000 Einwohner-Stadt zählt in Liga drei sicher nicht zu den Finanz-Schwergewichten, muss also verstärkt auf die Jugend setzen.

Beim Blick auf die Zugänge, um die sich in Verl in erster Linie Vorstandsvorsitzender (und Ex-Trainer) Raimund Bertels, der Sportliche Leiter (und Ex-Torhüter) Sebastian Lange sowie Trainer Michél Kniat kümmern, spiegelt sich eben jenes „Jugend forscht“ wider. Der überwiegende Teil der neuen Spieler kommt aus unteren Ligen und ist nicht älter als 23 Jahre. Fündig wurden die Verler vor allem in der näheren Umgebung. Vom SC Paderborn 07 II, bei dem Kniat zuvor über mehrere Jahre gearbeitet hatte, fanden nicht weniger als ein halbes Dutzend Spieler den Weg in das nahe gelegene Verl.

Unter den Zugängen ist auch ein ehemaliger Junioren-Nationalspieler. Leon Bürger wechselte aber nicht aus Paderborn, sondern vom Nordost-Regionalligisten FC Carl Zeiss Jena an die Poststraße. Die 3. Liga kennt der 22-jährige Mittelfeldspieler bereits aus seiner Zeit bei Eintracht Braunschweig (2018 bis 2021). „Leon passt ideal zu unserer Philosophie“, so Sportdirektor Lange. „Er ist ein sehr gut ausgebildeter Fußballer, außerdem sehr laufstark und dynamisch. Bei Jena hat er eine sehr starke Saison gespielt und kann hier bei uns nun den nächsten Schritt gehen.“

Bei der Integration der Neuen dürfte dem erfahrenen Daniel Mikic eine tragende Rolle zukommen. Der 29-jährige Führungsspieler und Co-Kapitän hat seinen auslaufenden Vertrag um ein weiteres Jahr verlängert. Damit geht der Innenverteidiger bereits in seine zehnte Saison beim Sportclub. Mikic war im Sommer 2013 aus der zweiten Mannschaft von Arminia Bielefeld nach Verl gewechselt und kennt beim SCV nahezu jeden Stein. Ein paar neue Steine kommen allerdings gerade dazu. Die „Sportclub Arena“ an der Poststraße wird für einen Millionen-Betrag modernisiert, damit die Schwarz-Weißen so bald wie möglich dort auch wieder ihre Heimspiele austragen können. Zu Saisonbeginn müssen die Verler noch ins benachbarte Paderborn umziehen.

Der SC Verl nimmt in der Saison 2022/2023 seine dritte Spielzeit in Folge in der 3. Liga in Angriff. Gleich nach dem Aufstieg stand ein starker siebten Platz in der Endabrechnung zu Buche, die zweite Saison – die als besonders schwer gilt – schloss Verl auf Rang 16 ab. Erst am letzten Spieltag stand nach einem 1:1 gegen den MSV Duisburg der Klassenverbleib fest. Ein erneutes Zittern bis zum Schluss wollen sich die Ostwestfalen diesmal ersparen.

RWE und der SC Verl sind über viele Jahre so etwas wie „alte Bekannte“ geworden. Die Wege kreuzten sich in den letzten Jahrzehnten häufig, seit 1994 gab es 37 Duelle. Von denen gewann Rot-Weiss 14. Für den SCV stehen 13 Siege stehen in der Bilanz, der Rest der Begegnungen endete Unentschieden.

Das bisher letzte Aufeinandertreffen datiert vom 29. September 2019. Damals gewann Verl an der Essener Hafenstraße 4:1. Am Ende der (corona-bedingt abgebrochenen) Saison stand Rang zwei zu Buche, zwei Zähler vor RWE. Da Tabellenführer SV Rödinghausen auf den Aufstieg verzichtete, durfte Verl die Aufstiegsspiele gegen den Nordost-Meister 1. FC Lok Leipzig bestreiten – und setzte sich nach zwei Remis (2:2/1:1) dank der Auswärtstorregel durch. Durch den Aufstieg von RWE wird die Duell-Reihe zwischen beiden Klubs jetzt erstmalig in der eingleisigen 3. Liga fortgesetzt. Der erste Vergleich steht zum Ende der Hinrunde am 19. Spieltag in Verl auf dem Programm. Wegen der Winter-WM in Katar geht die Partie erst im Januar 2023 über die Bühne.