21. Oktober 2022

Wiedersehen macht Freude

Heimtabellen-Primus Mannheim empfängt Essen.

Nach dem Spiel gegen Dynamo Dresden, trifft RWE auf Waldhof Mannheim.
Favoriten geärgert: Am Samstag luchste RWE Dynamo Dresden einen Zähler ab, gleiches Unterfangen soll nun in Mannheim gelingen. (Foto: Höft / Frontalvision)

Trotz deutlich gesteigertem Trend, zeigt die 3. Liga Rot-Weiss Essen ihr wahres Gesicht. Die Enge, mit der es zugeht, macht die vom Deutschen Fußball-Bund (DFB) ausgerichtete Spielklasse berühmt berüchtigt. Zum letzten Tabellenplatz sind es für RWE derzeit vier Punkte, zur neunten Position zwei Zähler. Und überhaupt: Betrachtet der geneigte Zuseher die letzten fünf Partien, gibt es fünfzehn Teams, die nur zwei Spiele oder gar weniger gewinnen konnten. Auch wenn dieses Zahlenspielchen auf den Waldhof Mannheim zutrifft – Essens Gegner am 13. Spieltag würde sich davon am liebsten Lossagen. Ausgesprochenes Ziel war schließlich der Zweitliga-Aufstieg! Dass man den Erwartungen hinterher hinkt, liegt auch an einer kuriosen Statistik: Während Mannheim die Heim-Tabelle anführt – im Carl-Benz-Stadion verschenkte man noch keinen Zähler -, leuchtet die Laterne auswärts knallrot – dort bekleiden die Kurpfälzer den allerletzten Platz. Alles Wissenswerte zur Partie gegen den Waldhof Mannheim (Sa., 14.00 Uhr), erfahren Essener im Duellcheck.

Die Ausgangslage:

Hart erkämpft – doch ärgerlich alle Male! In letzter Minute musste Rot-Weiss Essen am vergangenen Wochenende den 1:1-Ausgleichstreffer gegen den Vorjahres-Zweitliga-16. Dynamo Dresden hinnehmen. Ein Zähler statt drei „Big Points“, die das sichere Tabellenmittelfeld bedeutet hätten. Grenzenlos unzufrieden war man in Essen mit der Ausbeute keinesfalls (Christoph Dabrowski: „Dresden ist eine Top-Mannschaft und jeder Punkt ist wichtig für den Weg, den wir eingeschlagen haben“); gehadert wurde mit dem Ausgleich jedenfalls schon (Jakob Golz: „Am Ende fühlt es sich mehr wie eine Niederlage an“).

Knackpunkt der Partie: Eine rote Karte für Andreas Wiegel. Schiedsrichter Tom Bauer erkannte nach taktischem Foul des Dresdener Jonathan Meiers versuchtes Treten und Schlagen vom Außenbahnspieler, stellte den 31-Jährigen vom Platz. Der DFB donnerte Wiegel eine Zwei-Spiele-Sperre auf, auch wenn er akzeptierte, war der Rot-Weisse mit der Schiedsrichter-Entscheidung nicht gerade zufrieden: „Ich will mich losreißen – wenn ich ihn treffe, ist keine Absicht dabei“, so Wiegel unmittelbar nach Abpfiff.

Bitter: In Mannheim muss Essen auch auf Felix Götze verzichten. Der Leistungsträger der vergangenen Wochen hatte gegen Dresden im sechsten Spiel den fünften gelben Karton gesehen. Dass der gebürtige Dortmunder Mittelfeldspieler in 21 Drittliga-Partien zuvor keinmal einen Karton gesehen hat, ist zwar lobenswert – schützt ihn aber keinesfalls vor der Tribüne im Carl-Benz-Stadion.

Verzichten muss Essen zudem auf Simon Engelmann, Moritz Römling, Michel Niemeyer, Cedric Harenbrock und Thomas Eisfeld. Luca Wollschläger fällt zusätzlich mit einem Infekt aus. Das Lazarett ist also picke-packe-voll. Keine Frage schmerzhaft, keineswegs spielentscheidend: Was möglich ist, zeigten die ersatzgeschwächten RWEler schon gegen Dynamo. Außerdem könnte Meiko Sponsel auf den Platz zurückkehren – „das müssen wir Freitag entscheiden, ob er mitfahren kann“, gibt Dabrowski auf der Spieltags-Pressekonferenz bekannt.

Wiedersehen macht Freude – Rot-Weiss Essen
Unter Umständen könnte Meiko Sponsel nach etwa zweimonatiger Verletzungsunterbrechung wieder eine Option für den rot-weissen Kader sein. (Foto: Endberg)

Das Ziel ist entsprechend in Mannheim klar – möglichst Zähler sammeln, um sich vom engen Tabellenkeller loszusagen. Am kommenden Spielwochenende könnte dieses Unterfangen besonders lukrativ sein, schließlich spielen einige direkte Konkurrenten gegeneinander. Die elftplatzierten Höhenberger von Viktoria Köln treffen auf den zwölftplatzierten MSV Duisburg. Fünfzehnter Borussia Dortmund reist zum Tabellen-Sechzehnten SV Meppen (beide Sa., 14.00 Uhr), der Klassement-Neunte SC Verl bittet die neunzehntplatzierten Veilchen aus Aue zum Duell (So., 14.00 Uhr) – beide Teams trennen nur fünf Punkte -, am Montagabend, 19.00 Uhr, trifft der Achtzehnte Hallescher FC auf den Zwanzigsten SpVgg Bayreuth.

Rein rechnerisch ist für Essen der Sprung bis vor auf die neunte Position möglich, auch wenn dafür einiges optimal laufen müsste.

Der Gegner:

Und so geht es bei all der Enge, mit der es zugeht, auch für den Waldhof Mannheim darum, nicht in die untere Tabellenhälfte zu rutschen. Noch sind es vier Punkte für den Achtplatzierten zum SC Verl – die sind aber bei all der Formschwäche, die der Waldhof gerade an den Tag legt, schnell Geschichte. Aus den letzten fünf Partien wurden nur zwei gewonnen (1:0 gegen Wiesbaden und Saarbrücken). Spiele gegen Ingolstadt (0:1), Osnabrück (0:5) und Freiburg (2:3) gingen verloren.

Besonders hart: Schon zweimal in diesem Fußballjahr hagelte es für die Kurpfälzer echte Klatschen. Neben den fünf Gegentreffern in Osnabrück, musste der SV07 ein 2:6 in Meppen hinnehmen. Harter Tobak: Mit 21 Gegentreffern ist der Waldhof die Mannschaft mit den meisten gefangenen Hütten der ersten Tabellenhälfte – nur Bayreuth und Meppen haben überhaupt in der 3. Liga mehr Gegentore kassiert (22).

Und überhaupt: Die Zielsetzung der Mannheimer sieht ganz anders aus. So sprach man vor Saisonstart durchaus vom Aufstieg. „Ich bin nicht gekommen, um im Tabellenmittelfeld zu landen“, gab sich Chef-Trainer Christian Neidhart bei Dienstantritt durchaus selbstbewusst. Doch der 54-jährige Fußball-Lehrer wusste auch einzuordnen: „Klar ist aber auch, dass mindestens sieben oder acht andere Vereine dieses Ziel ebenfalls verfolgen. Eine Garantie gibt es aber für niemanden. Dafür sind Konkurrenz und Leistungsdichte in der 3. Liga einfach zu groß.“

Stichwort Neidhart: Eine Kurz-Trainervorstellung ist an dieser Stelle wohl nicht nötig. Der Niedersachse stand bis Mai an der Hafenstraßen-Seitenlinie, hatte als Trainer in 36 Saisonspielen erheblichen Anteil am rot-weissen Aufstieg. Seine Rede an die Fans nach der verpassten Meisterschaft 2020/21 („Wir haben ein geiles Fundament!“) hallt heute bei jedem Fan wohl noch durch das Ohr. Samstag wird das erste Wiedersehen des Coaches mit RWE, auch wenn Neidhart im September als Tribünengast Essens Spiel gegen den 1. FC Saarbrücken verfolgte. Eins ist sicher: Es wird ein emotionales Unterfangen.

Wiedersehen macht Freude – Rot-Weiss Essen
Ihn kennt man in Essen! Christian Neidhart (l.) war zwei Jahre Übungsleiter in Bergeborbeck. (Foto: Endberg)

Doch vor dem Waldhof ist trotz der derzeitigen Lage Vorsicht geboten. Das bewies der SV unter der Woche im DFB-Pokal. Mit einem unglücklichen Eigentor von Gerrit Gohlke besiegte sich der Neidhart-Klub am Dienstagabend gegen den Zweitligisten 1. FC Nürnberg selbst. So wusste der Mannheim-Trainer auf der an das 0:1 anschließende Pressekonferenz: „Das war ein ausgeglichenes Spiel über die gesamte Spielzeit!“

Noch obendrein ist der Waldhof das heimstärkste Team der Liga: Im Carl-Benz-Stadion verschenkte man noch keinen einzigen Punkt. Sechs Spiele, sechs Siege, zehn Treffer – und nur drei Gegentore. Das hat keiner geschafft. Die Kehrseite der Medaille: Mannheim ist auch das auswärtsschwächste Team der Liga. In der Ferne wurde noch kein Spiel gewonnen, einzig ein Remis schlägt zu Buche.

Vorsicht geboten ist besonders vor Dominik Martinovic. Der 25-jährige Mittelstürmer erzielte drei Tore selbst, legte zwei weitere auf und ist somit Top-Torjäger der Mannheimer in dieser Drittliga-Saison. Ergänzt wird die Offensive von sturmerprobten Zweitliga-Profis wie Daniel Keita-Ruel (33 / ehem. Greuter Fürth und SV Sandhausen), Marc Schnatterer (36 / ehem 1. FC Heidenheim) oder Bentley Bexter-Bahn (25 / ehem. Teamkollege von Björn Rother bei Hansa Rostock). Auf das Feld wird der Waldhof vom 28-jährigen Marcel Seegert geführt.

Das Stadion:

Keine Frage: Das Carl-Benz-Stadion gehört zu den größeren Arenen der 3. Liga. Mit mehr als 25.000 Zuschauern ist der Waldhof-Heimspielort im Osten der Stadt drittgrößter Spielort der Klasse. Eröffnet wurde das nach dem weltbekannten Auto-Ingenieur benannte Stadion 1994.

Vom Gesamt-Kontingent erhielt RWE 3.000 Eintrittskarten – der Stehplatz-Bereich des Gästeblocks ist vollständig ausverkauft.

Vorherige Duelle:

Die Partie gegen den Waldhof gab es bislang 14-mal, wobei die Bilanz leicht für Rot-Weiss spricht. Während Essen sechs Spiele für sich entscheiden konnte, gewann Mannheim viermal. Vier Partien endeten zudem Remis.

Zuletzt trafen beide Teams in der Regionalliga West in ihrer Form bis 2012 aufeinander. Am 07. Mai 2010 besiegte Rot-Weiss die Kurpfälzer mit 3:1 – es trafen Mike Wunderlich und Robert Mainka, David Szabo erzielte obendrein ein Eigentor.

Das Hinspiel im Carl-Benz-Stadion entschied RWE durch einen Doppelpack von Sascha Mölders 2:0 für sich. Kurios: Damals verfolgten das Spiel nur 3.777 Zuschauer.

Das Wetter:

Trikotwetter! Am Samstag werden es sonnige 19 Grad.

Übertragung:

Das Spiel zwischen Rot-Weiss Essen und dem SV Waldhof Mannheim wird ab 13.45 Uhr auf MAGENTA SPORT übertragen. Philip Konrad ist Kommentator, moderiert wird die Sendung von Tobi Schäfer. Zudem überträgt der SWR die Partie ab 14.00 Uhr.

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