28. Oktober 2022

„Kraft des Stadions für nächsten Schritt nutzen!“

RWE-Cheftrainer Christoph Dabrowski vor Duell mit FSV Zwickau.

"Kraft des Stadions für nächsten Schritt nutzen!" – Rot-Weiss Essen
Christoph Dabrowski: „Haben uns Luft nach unten verschafft.“ (Foto: Endberg)

Mit dem Heimspiel gegen den FSV Zwickau endet für Rot-Weiss Essen nach dem emotionalen 2:1-Auswärtserfolg beim SV Waldhof Mannheim und dem Niederrheinpokal-Achtelfinale beim Nachbarn ETB Schwarz-Weiß die vorletzte „Englische Woche“ des Fußballjahres 2022. RWE-Cheftrainer Christoph Dabrowski will mit seinem Team das Duell mit den Westsachsen vor einer erneut großen Kulisse erfolgreich gestalten, um den Aufwärtstrend fortzusetzen. Vor dem Anpfiff stand Christoph Dabrowski wie gewohnt ausführlich Rede und Antwort.

Hallo Dabro! Beim SV Waldhof Mannheim, der zuvor sämtliche sechs Heimspiele in dieser Saison gewonnen hatte, landete RWE mit dem 2:1 den zweiten Auswärtssieg hintereinander. Die lange Busfahrt nach Essen hat Spaß gemacht, oder?
Christoph Dabrowski: Das kann man so sagen. (lacht) Es macht immer Spaß zu gewinnen, die Stimmung war entsprechend gut. Hinzu kam noch, dass es ein sehr emotionales Duell bei einer Top-Mannschaft war. Es war ein hartes Stück Arbeit, den Vorsprung ins Ziel zu bringen, aber wir haben uns verdientermaßen für unseren Einsatz belohnt.

Jede Menge Emotionen gab es schon in der Anfangsphase, als zwei Mannheimer Spieler zusammenprallten und Ron Berlinski den Ball zum 1:0 ins leere Tor schoss. Wie sehr hat Euch das in die Karten gespielt?
Christoph Dabrowski: Ein so frühes Tor tut dem Gegner immer weh. Und um die mögliche Frage gleich vorwegzunehmen: Ron war in dieser Szene absolut kein Vorwurf zu machen. Der Mannheimer Abwehrspieler hat seinen eigenen Torhüter mit dem Knie getroffen und dadurch letztlich das Gegentor verursacht. Da gab es aus meiner Sicht auch gar nichts zu diskutieren. Geholfen hat uns die frühe Führung natürlich schon, zumal Ron nur wenige Minuten später einen weiteren Abwehrfehler eiskalt ausnutzen konnte.

Wie fällt insgesamt Dein Fazit aus?
Christoph Dabrowski: Es war ein Mentalitätsspiel, in dem wir uns die drei Punkte hart erkämpft haben. Wir haben nicht nur wegen der beiden schnellen Treffer sehr gut begonnen, den Gegner unter Druck gesetzt. In dieser Phase hätten wir vielleicht sogar noch das dritte Tor nachlegen müssen. Ärgerlich war, dass wir dann nach einem eigenen Eckball in einen Konter gelaufen sind und dadurch den unnötigen Anschlusstreffer kassiert haben. In der Schlussphase der ersten Halbzeit und nach der Pause hat Jakob Golz den Sieg überragend festgehalten. Aber auch alle anderen Spieler haben alles reingeworfen.

Mustafa Kourouma, der erst im Sommer aus der U19 aufgerückt war, gab nach drei Kurzeinsätzen sein Startelf-Debüt, ersetzte den rotgesperrten Andreas Wiegel auf der rechten Abwehrseite. Wie stehen seine Chancen, jetzt auch gegen den FSV Zwickau aufzulaufen?
Christoph Dabrowski: Musti hat eine stabile Leistung gezeigt, war defensiv sehr zuverlässig. Das war für mich aber auch keine Überraschung. Ich habe ja schon einige Wochen zuvor gesagt, dass er ganz nah dran ist. Er hat seine Chance definitiv genutzt.

In der Schlussphase wurde Meiko Sponsel eingewechselt, der nach einer längeren Verletzungspause erst wenige Trainingseinheiten mit dem Team absolviert hatte. War da auch ein wenig Risiko dabei?
Christoph Dabrowski: Wir hatten zuvor darüber gesprochen, was er sich schon zutraut. Demnach sprach nichts gegen einen Kurzeinsatz, denn sein Knie ist stabil. Meiko hat dann auch mitgeholfen, den Vorsprung über die Zeit zu bringen. Wir werden ihn jetzt behutsam an höhere Belastungen und längere Einsatzzeiten heranführen.

Für den gelbgesperrten Felix Götze rückte Clemens Fandrich neu in die Startformation. Wie bewertest Du seine Leistung?
Christoph Dabrowski: Für Clemens war die Situation nicht ganz leicht. Vor dem Saarbrücken-Spiel war er wegen eines Infekts acht, neun Tage raus. Weil die Mannschaft gut gespielt hatte, musste er danach in den sauren Apfel beißen und kam dreimal erst spät von der Bank. Dadurch fehlt ihm natürlich ein wenig der Rhythmus. Er hat seine Sache dennoch ordentlich gemacht und eine solide Leistung geboten – logischerweise mit Luft nach oben.

Felix Götze steht gegen Zwickau wieder zur Verfügung, dafür muss Björn Rother jetzt wegen einer Gelbsperre passen!
Christoph Dabrowski: Da können sich die beiden ja die Klinke in die Hand geben. (lacht) Aber Spaß beiseite: Björn hat bei seiner Gelben Karte in der Nachspielzeit mit Mannheims Kapitän Marcel Seegert sicherlich nicht an eine mögliche Sperre gedacht. Er wollte in diesem Moment einfach nur helfen, dass wir den Vorsprung über die Zeit bringen. Das spricht für seine Einstellung.

Kapitän Daniel Heber scheint nach einem Formtief und einer verletzungsbedingten Pause wieder in sehr guter Verfassung zu sein. Oder täuscht der Eindruck?
Christoph Dabrowski: Seine beiden herausragenden Rettungstaten in der zweiten Halbzeit sprechen für sich. Man spürt, dass Daniel wieder voller Selbstvertrauen ist. Das ist sehr positiv für das Team.

Flügelstürmer Oguzhan Kefkir musste in der zweiten Halbzeit angeschlagen ausgewechselt werden. Droht ein Ausfall?
Christoph Dabrowski: Davon gehe ich nicht aus. Ötzi hatte Probleme mit dem Fußgelenk. Es war aber nichts Gravierendes.

Nach dem 13. Spieltag erreichte Rot-Weiss Essen mit dem zehnten Rang die bisher beste Platzierung. Dokumentiert das den Aufwärtstrend?
Christoph Dabrowski: Die Tabelle besitzt nach mehr als einem Drittel der Saison zweifellos schon eine gewisse Aussagekraft. Ich sehe uns deshalb aber noch nicht sicher in der oberen Tabellenhälfte. Es ist richtig und wichtig, dass wir uns durch die positiven Ergebnisse ein wenig Luft nach unten verschafft haben. Nicht mehr, aber auch nicht weniger. Daran wollen wir in den nächsten Wochen arbeiten und die nächsten Schritte machen.

Was könnten die nächsten Schritte sein?
Christoph Dabrowski: Zunächst einmal wäre es eine schöne Sache, auch mal zwei Spiele hintereinander in der Liga zu gewinnen. Das ist uns bisher noch nicht gelungen. Außerdem wird wichtig sein, wie wir die kommenden Partien gegen drei Gegner angehen, die aktuell im unteren Tabellendrittel rangieren. Nur weil wir zuletzt gegen einige Spitzenmannschaften sehr gut abgeschnitten haben, soll niemand glauben, dass es plötzlich von alleine geht.

Wie schätzt Du den FSV Zwickau ein?
Christoph Dabrowski: Es kommt nicht von ungefähr, dass sich der Verein schon seit Jahren in der 3. Liga behauptet. Wir treffen auf eine sehr robuste und zweikampfstarke Mannschaft, die alles versuchen wird, um sich aus ihrer Situation zu befreien. Der FSV Zwickau agiert viel mit langen Bällen, hat mit Ronny König einen brandgefährlichen Mittelstürmer vorne im Zentrum. Das wird für uns wieder eine Herausforderung.

Was habt Ihr Euch vorgenommen?
Christoph Dabrowski: Wir freuen uns sehr auf die Atmosphäre an der Hafenstraße und wollen die Kraft des Stadions nutzen, um den Gegner zu beeindrucken, defensiv möglichst wenig zuzulassen und im Spiel nach vorne Akzente zu setzen. Wenn uns das gelingt, stehen die Chancen gut, drei Punkte in Essen zu behalten und erstmals in dieser Saison in der 3. Liga zweimal in Folge den Platz als Gewinner zu verlassen.

mehr von der hafenstraße: