4. Februar 2023
Ruhrpott-Derby auf Augenhöhe
Duellcheck: RWE und MSV trennt lediglich ein Punkt in der Tabelle.

Der Gedanke an das Hinspiel (2:2) zwischen Rot-Weiss Essen und dem MSV Duisburg weckt bei jedem Fußballfan mit Sicherheit Erinnerungen an einen emotionalen und hitzigen Abend in der 3. Liga. Flutlicht, vier Tore, tolle Stimmung und ein ausverkauftes Stadion, so in etwa lässt sich die Partie im August letzten Jahres beschreiben. Am 21. Spieltag müssen RWE-Fans auf das Flutlicht verzichten, wenn es als Entschädigung einen Heimsieg gibt, wird wohl kein Rot-Weisser etwas dagegen einzuwenden haben. Am Sonntag (14.00 Uhr) empfängt Rot-Weiss Essen die „Zebras“ zum Duell an der Hafenstraße. Alles Wissenswerte zum Ruhrpott-Derby erfahren Zuschauer im Duellcheck!
Die Ausgangslage:
Die erste Halbzeit in Elversberg hatte es in sich. Rot-Weiss Essen spielte mutig, war griffig und stellte den Spitzenreiter der 3. Liga vor große Herausforderungen. Einzig das Tor sollte nicht fallen. Die Qualität der SV Elversberg deutete sich im zweiten Durchgang an. Ein trockner Abschluss von Manuel Feil ins linke untere Eck brachte die Führung für die Saarländer. „Das 1:0 hat Elversberg dann auf die Siegerstraße gebracht. Während beim Gegner der Glaube an den Sieg immer stärker wurde, ließ er bei uns nach. Unter dem Strich müssen wir die Niederlage akzeptieren, nach vorne schauen und weitermachen“, analysierte RWE-Chef-Trainer Christoph Dabrowski das Spiel im Nachgang.

„Nach vorne schauen“ ist ein gutes Stichwort. Am Sonntag trifft Rot-Weiss Essen im Ruhrpott-Derby auf den MSV Duisburg. Vor ausverkauften Haus im Stadion an der Hafenstraße soll bestmöglich der dritte Heimsieg eingefahren werden. Essen und die „Zebras“ trennt in der Tabelle lediglich ein Punkt. Das Dabrowski-Team, mit 24 Zählern auf der Habenseite, rangiert somit denkbar knapp hinter den Duisburgern auf dem 13. Tabellenplatz. Mit einem Sieg am Sonntag kann RWE den MSV überholen. Im Falle einer Niederlage bleibt der aktuelle Platz bestehen.
Mit sechs Treffern ist Felix Bastians der beste Torschütze in den Reihen von Trainer Christoph Dabrowski. Der Abwehr-Routinier weiß besser als jeder andere, auf was es in diesen Ruhrpott-Duellen ankommt: „Wir müssen Einsatzbereitschaft, Laufbereitschaft und Kampfbereitschaft zeigen. Die Grund-Tugenden des Fußballs auf den Platz bringen, dann werden wir erfolgreich sein.“ Bastians selbst traf in seiner Karriere fünfmal auf den MSV Duisburg und verlor dabei kein einziges Spiel. Ein gutes Omen also für die Partie am Sonntag.
Am Montag wurde Rot-Weiss Essen, nach den Abgängen von Daniel Heber (1. FC Magdeburg), Sascha Voelcke (Leihe 1. FC Bocholt) und Erolind Krasniqi (Leihe Teutonia Ottensen), selbst auf dem Transfermarkt aktiv. Mit Torben Müsel verpflichtet RWE einen flexibel einsetzbaren Mittelfeldspieler von Bundesligist Borussia Mönchengladbach. Der 23-Jährige unterschrieb einen Vertrag bis 2024. „Torben ist ein sehr variabler Spieler, der uns in der Offensive noch einmal mehr Möglichkeiten gibt. Er sucht viele spielerische Lösungen, hat dabei aber auch immer Zug zum Tor. Ich bin überzeugt davon, dass Torben uns gefährlicher machen und weiterhelfen wird“, sagt Chef-Trainer Christoph Dabrowski über den Neuzugang.

Neben Müsel steht Christoph Dabrowski für das Duisburg-Spiel Felix Götze nach überstandener Verletzungspause zur Verfügung. Der Mittelfeldspieler kehrte am Donnerstag zurück ins Mannschaftstraining. Nicht mit von der Partie ist weiterhin Sandro Plechaty (Muskelbündelriss).
Der Gegner:
Der MSV Duisburg ist nicht optimal ins Pflichtspieljahr 2023 gestartet. Dabei sah nach der Auftaktpartie zum Restrundenstart alles gut aus. Mit 3:2 (2:0) schlugen die „Zebras“ in der Fremde Aufstiegsaspirant 1. FC Saarbrücken. Was danach folgten, waren jedoch ernüchternde Spiele aus Sicht der Duisburger. Der MSV ging in den letzten beiden Partien als Verlierer vom Platz (1:2 gegen VfL Osnabrück und 1:3 gegen Waldhof Mannheim). Kein Grund zur Sorge, findet Duisburg-Trainer Torsten Ziegner: „Unsere Lage ist in Ordnung und nicht wesentlich anders als während der Winterpause. Der Abstand nach unten ist unverändert, die Zahl der noch ausstehenden Begegnungen geringer geworden. Es ist aber nicht so, als würden wir nach jedem Spiel auf die Tabelle schauen. Wir konzentrieren uns darauf, die Leistung, die wir zeigen wollen, auch auf dem Platz zu bringen. Wenn uns das über die kompletten 90 Minuten gelingt, werden wir auch wieder erfolgreich sein.“
Trainer Ziegner spricht sie an, die „kompletten 90 Minuten“, der MSV Duisburg scheint in dieser Saison Probleme damit zu haben, über die komplette Spiellänge konzentriert zu sein. Fünf Tore haben die Blau-Weißen in der letzten Viertelstunde bereits hinnehmen müssen. Hinzukommt, dass der MSV selbst nur zu einem Tor in der Schlussviertelstunde kommt. Ein Fakt, der mit Sicherheit eine Rolle in einem zu erwartenden Kampfspiel gegen Rot-Weiss Essen spielen wird.
Mehr als einmal genetzt hat in dieser Spielzeit Duisburg-Kapitän Moritz Stoppelkamp. Der 36-Jährige war in dieser Saison bereits fünfmal selbst vor dem Tor erfolgreich und legte zudem zehn weitere Treffer auf. Der Routinier ist mit dieser Statistik sowohl bester Torschütze als auch bester Scorer im Team des MSV. Dass Mittelfeldmann Stoppelkamp trotz seines gehobenen Fußballeralters auf solch eine Statistik kommt, wundert Trainer Torsten Ziegner keinesfalls: „Ich sehe täglich, wie hart er arbeitet. Er ist meistens der Erste auf dem Trainingsgelände und häufig einer der Letzten, die gehen. Moritz investiert auch neben dem Platz viel in seinen Körper.“
In Sachen Transfers hat der MSV Duisburg einen ruhigen Winter hinter sich. Einzig Stürmer Gordon Wild verließ die „Zebras“ in Richtung 1. FC Bocholt in die Regionalliga West. Ansonsten verzeichnete der MSV keine weiteren Abgänge, aber auch keine Neuverpflichtungen.
Mit einem Blick auf die Personalsituation des MSV Duisburg wird der Fokus wieder auf das morgige Ruhrpott-Duell gegen Rot-Weiss Essen gelegt. Nicht zur Verfügung werden den Duisburgern dann Alaa Bakir (Aufbautraining), Vincent Gembalies (Kniereizung), Benjamin Girth (Wadenverletzung), Vincent Müller (Schulterverletzung) sowie die gelbgesperrten Sebastian Mai (10. Gelbe Karte) und Marvin Senger (5. Gelbe Karte) fehlen.

Das Hinspiel:
„Wir haben einen fantastischen Fußballabend mit einer tollen Kulisse gesehen. Das war ein richtiges Derby“, resümierte Christoph Dabrowski nach dem 2:2-Unentschieden beim MSV Duisburg. Rot-Weiss Essen bewies an diesem Tag Moral. Dass das nicht selbstverständlich war, zeigte der Spielverlauf.
Die „Zebras“ gingen bereits in der 6. Spielminute durch einen Kopfball von Marvin Bakalorz in Führung. Wie schon am ersten Spieltag gegen die SV Elversberg musste RWE einen frühen Gegentreffer schlucken. Als Moritz Stoppelkamp nach der Halbzeitpause auf 0:2 erhöhte, war die Ernüchterung groß und die zweite Saisonniederlage schien zu diesem Zeitpunkt nur noch eine Frage der Zeit. Was aber folgen sollte, war eine Definition des Wortes „Moral“, wie es im Duden nicht besser zu finden ist.
Binnen vier Minuten kommt Rot-Weiss Essen beim MSV Duisburg zum Ausgleich. Routinier Simon Engelmann, als Joker für Niklas Tarnat in die Partie gekommen, netzt und verkürzt auf 2:1. Der zweite RWE-Treffer sollte nicht lange auf sich warten lassen, Lawrence Ennali erläuft einen Steilpass von Thomas Eisfeld und schiebt die Kugel an Torwart Vincent Müller vorbei und erzielt so gleichzeitig sein erstes Profi-Pflichtspieltor. 2:2! In der Nachspielzeit hatte Abwehrmann Felix Bastians gar das Führungstor auf dem Fuß oder besser gesagt auf dem Kopf, doch der 34-Jährige scheiterte an MSV-Keeper Vincent Müller. So stand am Ende ein 2:2-Remis und Rot-Weiss Essen sammelte den ersten Punkt der Drittliga-Saison 2022/23.

Vorherige Duelle:
Gegen keinen anderen Verein der 3. Liga spielte Rot-Weiss Essen in seiner Geschichte häufiger als gegen den MSV Duisburg. Dabei mussten Fans beider Klubs bis zum Hinspiel der diesjährigen Saison knapp fünf Jahre auf das Ruhrpott-Duell warten. 2017 trafen Rot-Weiss Essen und der MSV Duisburg im Finale des Niederrheinpokals aufeinander. RWE musste sich damals mit 0:2 (0:1) geschlagen geben.
Die beiden letzten Partien reihen sich ein in eine aus Essener Sicht negative Serie. Keines der letzten fünf Duelle konnte Rot-Weiss Essen für sich entscheiden (1 Remis, 4 Niederlagen). Auch in der gesamten Historie haben die „Zebras“ die Nase vorn. 15 RWE-Siegen stehen 14 Remis und 22 Niederlagen gegenüber.
Dafür stellt der Hafenstraßen-Klub den erfolgreichsten Torschützen der direkten Duelle zwischen Rot-Weiss Essen und dem MSV Duisburg. Willi „Ente“ Lippens schoss insgesamt neun Tore gegen den MSV.
Das Wetter:
Echtes Hafenstraßen-Wetter erwartet RWE-Fans am Sonntag. Leichter Regen bei sieben Grad.
Übertragung:
MAGENTA SPORT überträgt den das Ruhrpott-Duell ab 13.45 Uhr. Kommentiert wird die Partie von Christian Straßburger, Thomas Wagner leitet als Moderator durch die Sendung.
