4. März 2023

„Jeder bei uns ist sensibilisiert!“

RWE-Chef-Trainer Christoph Dabrowski vor Aufsteigerduell gegen SpVgg Bayreuth. 

Rot-Weiss Essen Chef-Trainer Christoph Dabrowski vor der Partie gegen Bayreuth.
Dabrowski: „Spiel für uns entscheiden und die Marke von 30 Punkten knacken.“ (Fotos: Endberg)

Zur ungewöhnlichen Anstoßzeit um 13.00 Uhr empfängt Rot-Weiss Essen am Sonntag den Mitaufsteiger SpVgg Bayreuth im Stadion an der Hafenstraße. Vor dem 25. Spieltag in der 3. Liga haben sich die Gäste aus Oberfranken dank eines Aufwärtstrends nach der Winterpause ein Polster von vier Punkten auf die Gefahrenzone zugelegt. Zuletzt gelangen in Osnabrück (3:2) und gegen den FSV Zwickau (5:3) erstmals zwei Siege hintereinander. Ein „Kunststück“, das RWE zuletzt durch den späten Ausgleich zum 1:1-Endstand beim FC Ingolstadt 04 knapp verpasst hatte. Vor dem Anpfiff steht RWE-Chef-Trainer Christoph Dabrowski ausführlich Rede und Antwort. 

Hallo Dabro! Zum Abschluss der ersten „Englischen Woche“ in diesem Jahr gastiert die SpVgg Bayreuth im Stadion an der Hafenstraße. Der Mitaufsteiger gehört mit zwölf Punkten aus sieben Partien zu den erfolgreichsten Teams nach der Winterpause in der 3. Liga. Wie sehr überrascht Dich das? 
Christoph Dabrowski: „Es zeigt sich immer wieder, dass in dieser Liga nahezu alles möglich ist. Sicherlich läuft Bayreuth für viele Beobachter ein wenig unter dem Radar, belegte über weite Strecken der Saison einen Abstiegsplatz. Es war allerdings schon zuvor zu erkennen, dass die Mannschaft nicht bereit ist, sich aufzugeben, sondern für ihre Chance auf den Klassenverbleib alles investiert. Das Team marschiert extrem und ist im Umschaltspiel sehr gefährlich. Das haben zuletzt einige Mannschaften zu spüren bekommen.“ 

Beim VfL Osnabrück, der seit Wochen einen Lauf hat, gelang sogar nach einem 0:2-Rückstand noch ein 3:2-Auswärtserfolg. Das sollte Warnung genug sein, oder? 

„Absolut. Ich denke, jeder bei uns ist sensibilisiert und niemand wird den Fehler machen, den Gegner auf die leichte Schulter zu nehmen. Wir benötigen eine sehr gute Leistung, um das Spiel für uns zu entscheiden und die Marke von 30 Punkten zu knacken. Das ist ganz klar unser Ziel. Wenn wir an die Leistung des letzten Heimspiels gegen die U23 von Borussia Dortmund anknüpfen können, dann bin ich auch sehr zuversichtlich.“ 

Während Bayreuth während der Woche spielfrei hatte, war RWE noch am Mittwoch im Niederrheinpokal beim Wuppertaler SV im Einsatz. Könnte das ein Nachteil sein? 
„Das glaube ich nicht. Zum einen ist es für uns die erste „Englische Woche“ in diesem Jahr, zum anderen hatten wir durch den Rhythmus Samstag-Mittwoch-Sonntag jeweils drei freie Tage zwischen den Partien. Von daher sollte das kein Problem sein. Klar ist aber auch, dass wir im Training zwischen den Spielen die Belastung schon ein wenig dosieren mussten.“ 

"Jeder bei uns ist sensibilisiert!" – Rot-Weiss Essen
Am Mittwoch jubelte Rot-Weiss noch im Niederrheinpokal. Mit 1:0 schlug RWE den Wuppertaler SV.

Die Partie gegen die SpVgg Bayreuth wird zur bislang eher ungewöhnlichen Anstoßzeit um 13.00 Uhr angepfiffen. Sorgt das für veränderte Abläufe? 
„Die Vorbereitung am Spieltag beginnt halt auch etwas früher als sonst, das war es aber auch schon. Wir haben in dieser Saison bisher einmal um 13.00 Uhr gespielt und dabei in Oldenburg 5:3 gewonnen. Wenn das ein gutes Omen sein sollte, hätte ich nichts dagegen.“ 

Wird es nach dem Wuppertal-Spiel zahlreiche Veränderungen im Team geben? 
„Das Pokalspiel gegen den WSV war für uns genauso wichtig wie jede Partie in der Meisterschaft. Deshalb sind wir dort auch mit der bestmöglichen Mannschaft angetreten, haben im Vergleich zur Partie in Ingolstadt nicht viel gewechselt. Wie es jetzt zum Ende der Woche aussieht, hängt auch von den letzten Trainingseindrücken und von der Personallage ab. Für die Begegnung in Wuppertal standen uns mit Lawrence Ennali, Meiko Sponsel, Luca Wollschläger, Moritz Römling und Torhüter Felix Wienand gleich fünf Spieler krankheitsbedingt nicht zur Verfügung. Dafür waren Thomas Eisfeld und Isaiah Young wieder gesund. Für mehrere Wochen fällt aktuell nur Felix Götze aus.“ 

Beim jüngsten Ligaspiel in Ingolstadt musste RWE fast in letzter Minute den 1:1-Ausgleich hinnehmen und gab damit nicht zum ersten Mal in der Schlussphase wertvolle Punkte aus der Hand. Was hat Dich dabei am meisten geärgert? 
„Wir hatten die große Chance, zum ersten Mal in dieser Saison zwei Meisterschaftsspiele in Folge zu gewinnen. Dass wir dann bei einem eigenen Einwurf am gegnerischen Strafraum den Ball verlieren und in einen Konter laufen, darf nicht passieren. Da müssen wir uns einfach cleverer verhalten, das Spiel notfalls noch einmal unterbrechen und vor allem die Schnittstelle schließen. Vorher wären wir mit einem Unentschieden bei einem ambitionierten Gegner wie Ingolstadt sicherlich zufrieden gewesen. So fühlte es sich blöd an.“ 

Unter dem Strich war die Leistung aber ganz in Ordnung, oder? 
„Das stimmt. Wir hatten sehr viel investiert, um das Spiel zu kontrollieren. Nachdem wir in der Anfangsphase ein wenig Probleme hatten, lief es nach der schnellen Umstellung von einer Dreier- auf eine Viererkette deutlich besser. Dadurch haben wir vor allem gegen den Ball mehr Zugriff bekommen. Das hat einmal mehr gezeigt, dass wir inzwischen sehr flexibel sind und ein Gefühl der Stabilität erreicht haben, unabhängig vom Spielsystem. Das ist schon gut.“ 

Bei seinem ersten Einsatz seit vielen Monaten gelang Cedric Harenbrock nur wenige Minuten nach seiner Einwechslung der Führungstreffer – und das mit dem Knie! 
„Mit welchem Körperteil er trifft, ist mir egal. (lacht) Es war auf jeden Fall ein sehenswertes Tor und hat mich für ihn auch sehr gefreut. Cedi ist ein super Junge, der keine einfache Zeit hinter sich hat. Es ist klar, dass er zuvor gefrustet war. Es wäre aber auch schlimm, wenn er mit seiner Situation zufrieden wäre. Auf diese Art und Weise kann er seinen Frust gerne rauslassen.“ 

Wegen des Ausfalls von Thomas Eisfeld gehörte Kevin Holzweiler zum ersten Mal seit eineinhalb Jahren zur Startformation. Wie war Dein Eindruck? 
„Holz hat aus meiner Sicht einen ordentlichen Auftritt hingelegt, sich gut in den Halbräumen bewegt. In der einen oder anderen Szene würde ich mir noch mehr Zielstrebigkeit in Richtung Tor wünschen. Das gilt aber nicht nur für ihn, sondern auch für andere Spieler.“ 

Genau wie zuvor schon gegen den BVB, als er vom gesamten Stadion gefeiert wurde, kam Michel Niemeyer erneut in der Schlussphase als Einwechselspieler auf den Platz. Wird er bald auch eine Option für längere Einsätze sein? 
„Wenn er weiter so arbeitet und seinen Rückstand nach und nach aufholt, wird er definitiv eine Option sein. Für ihn war es zunächst einmal ein Super-Moment, wieder auf dem Platz zu stehen. Es zeichnet ihn aus, dass er nie den Glauben an sich verloren hat. Von daher wird er auch alles dafür tun, um schon bald eine echte Alternative für die Startelf zu sein.“ 

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