30. März 2023

Fleischer: „Partie zum Kampfspiel machen“

28-jähriger A-Lizenz-Inhaber ist bereits seit 2017 Trainer bei Rot-Weiss Essen. 

Rot-Weiss Essens Co-Trainer Lars Fleischer: “Gegen Freiburg das abrufen, was dafür gesorgt hat, dass wir zu Hause elfmal nacheinander unbesiegt geblieben sind.”
Fleischer: “Gegen Freiburg das abrufen, was dafür gesorgt hat, dass wir zu Hause elfmal nacheinander unbesiegt geblieben sind.” (Fotos: Endberg) 

Erst 28 Jahre alt, aber schon seit Juli 2017 ein fester Bestandteil von Rot-Weiss Essen: Neben Assistent Carsten „Erle“ Wolters (53/seit Juli 2016) und Torwart-Trainer Manuel Lenz (38/seit Januar 2016) gehört auch Lars Fleischer bei RWE zum Stab von Chef-Trainer Christoph Dabrowski. Nach fast zwei Jahren im Nachwuchsbereich bei der U19 und der U17 rückte der gebürtige Mülheimer im Januar 2019 zur ersten Mannschaft auf. Vor dem Heimspiel am Samstag, 14.00 Uhr, gegen die U23 des SC Freiburg nahm sich Lars Fleischer Zeit für ein Interview. 

Hallo Lars! Im Alter von gerade einmal 28 Jahren bist Du bereits seit Januar 2019 als Co-Trainer der RWE-Profis tätig. Was bedeutet Dir das? 
Lars Fleischer: Es ist nicht so, dass ich mir selbst täglich auf die Schulter klopfen würde. (lacht) Das Tagesgeschäft spannt mich so ein, dass ich gar nicht zu sehr über meine Position nachdenke. Ich bin schon seit 14 Jahren mit großer Leidenschaft im Trainerbereich tätig und gehe den Aufgaben weiterhin sehr gerne nach. Für mich ist es eine super Geschichte bei RWE tätig zu sein, weil ich auch einen persönlichen Bezug zum Verein habe. Ich war früher oft als Fan im Stadion. 

Wann hast Du gemerkt, dass Du Trainer sein willst? 
Das war schon relativ früh. In der U15 der DJK Blau-Weiß Mintard war ich Ersatztorhüter. Da wurde mir schon bewusst, dass es mit dem Traum von der Fußballer-Karriere nichts werden würde. Zu dieser Zeit hatte der Verein einen Trainer für die F-Jugend gesucht. Ein Kumpel und ich hatten uns dazu bereit erklärt. Ich habe schnell gemerkt, dass mir das fast noch mehr Spaß macht, als selbst auf dem Platz zu stehen. Relativ schnell wurde ich auch von unserem U19-Trainer gefragt, ob ich ihn nicht bei den A-Junioren unterstützen möchte. In all den Jahren habe ich auch nie angezweifelt, ob ich weiterhin Trainer sein will. 

Für Rot-Weiss Essen bist Du sogar schon seit Sommer 2017 tätig. Welche Erinnerungen hast Du an Deine Anfänge? 
Ich hatte mit der U17 der DJK Arminia Klosterhardt ein gutes Jahr hinter mir, als Rot-Weiss Essen ein neues Trainerteam für die U19 in der Niederrheinliga zusammengestellt hat. Ich bin dann Co-Trainer von Damian Apfeld geworden. Mit dem Aufstieg in die Staffel West der A-Junioren-Bundesliga hätte der Einstieg nicht besser laufen können. Umso schwieriger war dann aber die Situation in der folgenden Saison als Cheftrainer der U17. Wir mussten in der B-Junioren-Bundesliga in einem relativ kurzen Zeitraum viele negative Erlebnisse wegstecken. Aber auch das gehört zu meinem Weg und meiner Entwicklung als Trainer dazu. 

Wie überrascht warst Du, als kurz nach dem Ende Deiner Tätigkeit bei der U17 der Sprung zu den Profis in Aussicht stand? 
Nachdem sich die Wege getrennt hatten, war ich mit meiner Beurlaubung noch einige Zeit lang beschäftigt. Umso mehr habe ich mich dann gefreut, als der damalige Sportdirektor Jürgen Lucas auf mich zukam, weil ein weiterer Co-Trainer für die erste Mannschaft gesucht wurde. 

Bei den Profis hast Du mit Karsten Neitzel, Christian Titz, Christian Neidhart und jetzt Christoph Dabrowski schon einige Chef-Trainer erlebt. Welche besonderen Erfahrungen hast Du dabei gemacht? 
Unter Karsten Neitzel durfte ich zahlreiche Abläufe einer Herrenmannschaft erst einmal kennenlernen. Ich habe viel beobachtet und auch kleinere Aufgaben übernommen. Christian Titz ist im positiven Sinn vom Fußball besessen. Von ihm konnte ich viele Eindrücke für die eigene Spielidee sammeln. Die Zusammenarbeit mit Christian Neidhart war sehr eng. Ich habe die Möglichkeit bekommen, eigene Ideen einzubringen. Das ist jetzt bei Christoph Dabrowski nicht anders. Ich kann von seiner langjährigen Erfahrung als Profi sehr viel lernen. 

Fleischer: "Partie zum Kampfspiel machen" – Rot-Weiss Essen
Heute Dabros rechte Hand. 2017 startete der 28-jährige A-Lizenzinhaber seine RWE-Karriere im Nachwuchsleistungszentrum an der Seumannstraße.

Während der Aufstiegssaison durftest Du die Mannschaft zwischenzeitlich auch schon mal als „Chef“ an der Seitenlinie betreuen, weil Christian Neidhart krankheitsbedingt passen musste. Wie war das für Dich? 
Ich habe schon von klein auf den Wunsch, irgendwann als Cheftrainer tätig zu sein. Daher hatte ich mir eigentlich schon immer Gedanken darüber gemacht. Nicht alle Dinge laufen dann so, wie man sich das im Vorfeld ausgemalt hat. Es war sehr lehrreich, in einer wichtigen Phase in dieser Rolle zu sein. Mit dem Spiellabbruch gegen Preußen Münster war es eine sehr herausfordernde Situation. Im Niederrheinpokal-Achtelfinale konnten wir uns dann noch 9:1 beim VfR Fischeln durchsetzen. 

Was sind aus Deiner Sicht Deine wichtigsten Aufgaben als Co-Trainer? 
Ein wesentlicher Aspekt meiner Arbeit ist ein Teil der Videoanalyse. Ich habe dabei verstärkt ein Auge darauf, wie wir unsere eigene Spielidee auf den Platz umsetzen. Ich will Chef-Trainer Christoph Dabrowski eine Hilfe sein, indem ich versuche, einen anderen Blickwinkel einzunehmen. Die Zusammenarbeit mit dem gesamten Trainerstab ist richtig gut. Dass bei einem Profiklub schon so lange in einer Konstellation gearbeitet wird, ist nicht selbstverständlich. Wir sind ein eingeschworener Haufen. 

Fleischer: "Partie zum Kampfspiel machen" – Rot-Weiss Essen
Fleischer gibt Angreifer Ron Berlinski im Spiel gegen die SV Elversberg letzte Anweisungen mit auf den Weg.

Bis zum zurückliegenden Sommer hast Du noch selbst für die zweite Mannschaft von RWE auf dem Platz gestanden. Warum ist das mittlerweile nicht mehr der Fall? 
Neben der Tätigkeit als Trainer hatte ich einfach Lust darauf, in der Freizeit selbst auf dem Platz zu stehen. In der gesamten Jugend war ich Torhüter. Im Amateurbereich habe ich dann als Feldspieler noch einmal ein paar neue Erfahrungen gesammelt. Leider habe ich mir bei der zweiten Mannschaft einen Kreuzbandriss zugezogen. 

Erst vor einer Woche musstet Ihr Euch an der Hafenstraße dem SV Wehen Wiesbaden 1:3 geschlagen geben. Wie bewertest du das Spiel rückblickend? 
Alles in allem war es eine verdiente Niederlage gegen einen reifen und robusten Gegner. Unsere Leistung war in Ordnung und gegenüber dem 0:3 beim 1. FC Saarbrücken ein Schritt nach vorne. Gegen den SV Wehen Wiesbaden ist vor allem der zweite Gegentreffer – nur wenige Sekunden nach unserem Ausgleich – zu einem sehr ungünstigen Zeitpunkt gefallen. Wir müssen dagegen derzeit einen sehr großen Aufwand betreiben, um zu Torchancen zu kommen. Der Kopfball von Simon Engelmann hätte dem Spiel vielleicht noch einmal eine Wende geben können. Gegen ein Spitzenteam muss einfach viel passen. 

Ist es umso besser, dass gleich das nächste Heimspiel bevorsteht? 
Spiele an der vollen Hafenstraße sind immer wieder Höhepunkte. Wir wollen erneut das abrufen, was vor der Niederlage gegen den SV Wehen Wiesbaden dafür gesorgt hat, dass wir zu Hause elfmal nacheinander unbesiegt geblieben sind. Dass wir für Topteams ein unangenehmer Gegner sein können und uns nicht verstecken müssen, hatten wir beispielsweise schon beim 1:1 gegen den VfL Osnabrück unter Beweis gestellt. 

Wie schätzt Du die U23 des SC Freiburg ein, die als Tabellenzweiter in Essen gastiert? 
Ich erwarte, dass die Freiburger mehr Ballbesitz haben werden als es für uns noch gegen den 1. FC Saarbrücken oder den SV Wehen Wiesbaden der Fall war. Das sollte unserem Spiel entgegenkommen. Gegen Nachwuchsmannschaften geht es darum, die Partie mit einer intensiven Spielweise und der Unterstützung von den Rängen zu einem Kampfspiel zu machen. 

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