7. April 2023

Kräftemessen der Zuschauermagneten

Essen Karsamstag bei formstarkem Dynamo Dresden zu Gast.

Kräftemessen der Zuschauermagneten – Rot-Weiss Essen
Schlammschlacht ins Glück: Die drei Punkte aus der Freiburg-Partie lassen RWE mit gutem Gefühl nach Dresden reisen. (Foto: Höft)

Das Oster-, ne, noch besser, das nächste Spieltagswochenende steht an! Und das ist mit Sicherheit eines, was sich Rot-Weiss Essen-Fans mit einem dicken Kringel im Kalender vermerkt haben. Karsamstag (14.00 Uhr) ist RWE im berühmt-berüchtigten Rudolf-Harbig-Stadion bei Dynamo Dresden zu Gast. Die schwarzgelben Sachsen haben, wie so ziemlich alle letzten Gegner von RWE einen ziemlichen Lauf. Dass Christoph Dabrowski und seine Rot-Weissen Top-Team-Serien beenden können, bewiesen sie jedoch jüngst gegen den SC Freiburg. Außerdem machte sich der Hafenstraßen-Trupp im Hinspiel gut. Knackt Rot-Weiss Essen jetzt mit Zweitliga-Absteiger Dynamo die nächste harte Nuss und geht so den nächsten Schritt Richtung Klassenerhalt? Alle Infos zum Spiel der beiden Klubs mit dem höchsten Zuschauerschnitt der Liga vor der Partie im Duellcheck!

Die Ausgangslage:

Es gibt so Spiele, die können das Zünglein an der Waage sein. Eins davon war die Rot-Weiss Essen-Partie gegen die so formstarke SC Freiburg-Reserve, die zuvor 12-mal in Folge ungeschlagen blieb. Ohne Zähler am letzten Samstag wäre die Gefahrenzone nur noch vier Punkte entfernt gewesen. Aber nicht nur der Volksmund, sondern auch der RWE-Fan denkt sich: „Hätte, hätte – Fahrradkette!“

Eine wahre Schlammschlacht gegen die Freiburger endete 2:0. Auf der LED-Anzeigetafel tickte die 72 Spielminute, als sich Ron Berlinski auf Höhe der Mittellinie nach einem hohen Kopfball in den Ball schmiss. Nach gefühlten fünfzehn Metern des Rutschens auf Hafenstraßen-Schlamm endete die satte Grätsche im Seitenaus. All das gab Berlinski, der mit seinem Treffer zum mit Felix Bastians geteilten besten Torschützen der bisherigen Drittliga-Saison (6 Tore) wurde, damit Freiburg-II-Gegenspieler Mika Baur bloß nicht ans Leder kommt. Was tosenden Beifall von den Essener Rängen erntete, war sinnbildlich für den Fußballmittag in Essen: Kampf, Kampf und nochmal Kampf!

Kräftemessen der Zuschauermagneten – Rot-Weiss Essen
Simon Engelmann (mi.) sorgt per Elfernachschuss für den Dosenöffner gegen Freiburg, DFB-Nachwuchskeeper Noah Atubolu hat keine Chance zu parieren. (foto: Endberg)

Eine der ganz großen Stärken? Der Zusammenhalt zwischen Mannschaft und Trainerteam! „Ich nehme gerne Last auf mich, wenn die Jungs dann befreiter spielen“, erklärte Chef-Trainer Christoph Dabrowski nach der Freiburg-Partie am „MAGENTA SPORT“-Mikrofon. Hinter dem 44-Jährigen und seinem Team lagen immerhin schwierige Tage: Holpriges Pokalweiterkommen gegen Bocholt inklusive nicht zu tolerierendem und abscheulichem Rassismusvorfall nach der Partie.

Und sicher auch ein Faktor, dass Rot-Weiss Essens „Aggressive Leader“ aus vergangenen Partien wieder auf dem Platz stand: Björn Rother. Der Sommerneuzugang von Hansa Rostock hatte sich schneller als nur irgendwie gedacht von seiner Sprunggelenkverletzung freigekämpft. „So dick, wie der Fuß in Saarbrücken war, haben wir alle gedacht, dass mehr kaputt ist. Sogar der Arzt hat eine größere Verletzung befürchtet. Das MRT hat dann ergeben, dass es nur das Außenband war.“

So war Rother rechtzeitig zum wichtigen Punktgewinn wieder fit, der RWE zielgenau ins Tabellenmittelfeld beförderte. An 13. Klassement-Position überholte das Dabrowski-Team mit nun 36 Zählern den FC Ingolstadt. Sieben Punkte trennt die Rot-Weissen derzeit bei acht noch ausstehenden Spielen von der Gefahrenzone und dem Halleschen FC. Auch für Borussia Dortmunds U23 und die SpVgg Bayreuth (beide 31 Punkte) befinden sich die Hafenstraßen-Mannen nicht in Schlagdistanz. Vor RWE liegen im Klassement derzeit der MSV Duisburg (36) mit einem Spiel weniger, der SC Verl (39) und Erzgebirge Aue (39).

Sie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von YouTube. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf die Schaltfläche unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.

Mehr Informationen

Während Björn Rother schon länger wieder zum Team gehört, rückte unter der Woche Felix Bastians wieder ins Mannschaftstraining. Nach Gelbsperre kehrt auch Stammspieler Andreas Wiegel zurück. Für Felix Götze (Antibiotika-Einnahme nach Infekt) kommt das Dresden-Spiel zu früh.

Wiedersehensfreude wird derweil an der Seitenlinie aufkommen: Teammanagerin Marie Jenhardt wurde zu Saisonbeginn von Dynamo Dresden verpflichtet. Das 33-jährige Organisations-Talent arbeitete zwei Jahre für Schwarzgelb.

Das Hinspiel:

Am 15. Oktober 2022 trennten sich RWE und Dynamo Dresden 1:0 (1:1). Was als Aufsteiger gegen ein ehemaliges Zweitligateam Monate später ordentlich aussieht, wurde zumindest für die Stunden nach dem Spiel zum Ärgernis. Beinahe hätten Dabrowski und Co. schließlich drei Punkte entführt.

Nach einem kuriosen Führungstreffer von Isaiah Young (23.), den Dynamo-Keeper Stefan Drljaca anschoss, sorgte ausgerechnet eine Rote Karte an Wiegel (52.) für den Umschwung. Schiedsrichter Tom Bauer erkannte im Zweikampf mit Dresden Jonathan Meier ein vermeintliches Nachtreten.

Kräftemessen der Zuschauermagneten – Rot-Weiss Essen
Beinahe hätten Björn Rother (2. v. l.) und Andreas Wiegel die Dresdner um Jonathan Meier (r.) im Hinspiel niedergerungen. (Foto: Höft)

Lange verteidigte Rot-Weiss Essen in Unterzahl die Null, bevor ausgerechnet mit den Schlusssekunden Brecher Manuel Schäffler Jakob Golz kalt erwischte – 1:1. „Gerade fühlt sich das nicht gut an“, konstatierte Dabrowski nach der Partie. Naturgemäß bedient war auch Wiegel nach seinem Platzverweis: „Ich will mich losreißen. Treffe ich ihn, ist das keine Absicht. Wenn du in so einem Spiel eine Rote Karte gibst, musst du dir hundertprozentig sicher sein. Für mich ist das aber keine!“

Der Gegner:

Die Dresdner stehen so ziemlich dort in der Tabelle, wo man sie vor der Saison erwartet hatte: Weit oben! Die vierte Position würde derzeit die Chance eröffnen, die Zweitliga-Relegation erfolgreicher zu gestalten als noch im Vorjahr. Da verlor Dynamo zusammengerechnet nicht nur 2:0 gegen den 1. FC Kaiserslautern und Felix Götze, sondern damit auch den Status als Bundesliga-Team.

Das Blatt hat sich dabei 2023 ordentlich gewendet. Abgeschlagen von den Aufstiegsrängen standen die Dresdner zum Jahreswechsel noch an neunter Position. In der Rückrunde folgten für das von Markus Anfang trainierte Team allerdings acht Siege, zwei Remis und nur eine Niederlage gegen die SpVgg Bayreuth vor zwei Wochen. Keine Mannschaft feierte in der zweiten Saisonhälfte so viele Dreier – das alles bedeutet den ersten Platz in der Rückrunden-Tabelle.

Kräftemessen der Zuschauermagneten – Rot-Weiss Essen
Tim Knipping (r.), hier im Zweikampf mit RWE-Angreifer Luca Wollschläger, führt die Dresdner als Kapitän auf das Spielfeld. (Foto: Endberg)

Einen Löwenanteil daran trägt Ahmet Arslan. Der 29-jährige Allgäuer ist ligaweiter Top-Scorer und bester Drittliga-Torschütze: 18-mal traf er ins Schwarze, acht weitere Vorlagen lieferte der Zehner. Und besonders im Rudolf-Harbig-Stadion sticht Arslan gern: 12 Erfolge feierte die Holstein-Kiel-Leihgabe vor den heimischen Fans. Kein Wunder da, dass es für RWE enorm wichtig wird, besonders diesen Spieler zu bändigen. Doch auch die Angriffs-Routiniers Stefan Kutschke (29 Spiele / 8 Tore / 5 Vorlagen) und (25 / 4 / 2) werden es der rot-weissen Defensivmannschaft nicht unbedingt einfach machen.

Ohnehin wird Dynamo sicherlich alles daranlegen, die Zähler in Sachsen zu behalten. Dass es im höheren Tabellen-Luftraum eng zugeht, ist unlängst kein Geheimnis, für die Dresdner stehen aber nach der RWE-Partie entscheidende Wochen bevor: Erst Saarbrücken (Fr., 14. April, 19.00 Uhr), dann der Waldhof Mannheim (Sa., 22. April, 14.00 Uhr), Freiburgs U23 (Sa., 29. April, 14.00 Uhr) und im Anschluss Wehen Wiesbaden (Sa., 06. Mai, 14.00 Uhr). Spätestens nach diesen Partien werden die Dresdner und ihr Coach Anfang wohl wissen, woran sie sind.

Kräftemessen der Zuschauermagneten – Rot-Weiss Essen
Markus Anfang coachte schon 112-mal in der 2. Bundesliga. (Foto: Endberg)

Stichwort Anfang: Der ehemalige Teamkollege von RWE-Co-Coach Carsten „Erle“ Wolters“ hat sich im Trainergeschäft einen Namen gemacht. Nach dreieinhalb Jahren bei der Jugend von Bayer Leverkusen, in denen er unter anderem Rot-Weiss-Kicker Cedric Harenbrock trainierte und als U17-Übungsleiter auf den ehemaligen U19-Kicker Rother traf, coachte Anfang Holstein Kiel, den 1. FC Köln, den SV Darmstadt und Werder Bremen.

Das Stadion:

Das ist mal eine Kulisse! Das Rudolf-Harbig-Stadion ist die ligaweit größte Arena. 32.123 Menschen finden rein theoretisch einen Platz, RWE wird mit mehr als 2.400 Zuschauern zu Gast sein. Mindestens 28.000 Fans werden Samstag erwartet.

Die südöstlich der Altstadt gelegene Spielstätte ist 2009 komplett saniert worden und zählt somit zu den Moderneren der 3. Liga. Spannend: Das Rudolf-Harbig-Stadion ist seit den Umbauten das größte Stadion mit einem Rang in Deutschland.

Auch wenn die Dresden-Arena, in die pro Heimspiel durchschnittlich die meisten Fans pilgern (23.121), für ihre Stimmung berühmt-berüchtigt ist, bringt Dynamo das rein sportlich gerade wenig. 23 Punkte ermöglichen nur den 9. Platz in der Heimtabelle. Damit sind die Sachsen zuhause ähnlich gut wie die Essener.

Vorherige Duelle:

Neunmal trafen Dynamo Dresden und Rot-Weiss Essen aufeinander. Fünf Partien endeten Remis, jeweils zweimal gewann einer der beiden Kontrahenten.

Schon jetzt klar: Die Partie am Karsamstag wird das meistbesuchte Kräftemessen beider Klubs. Diesen Rekord hielt bislang die Partie im altehrwürdigen Georg-Melches-Stadion in der Zweitliga-Saison 2004/05 mit 18.650 Zuschauern, dicht gefolgt vom von 18.300 Fans besuchten Hinspiel.

Der Schiedsrichter:

Martin Speckner ist der Offizielle am Samstagmittag. Der 27-jährige Schlossbacher pfeift dann sein 30. Drittliga-Spiel. Ihm assistieren Johannes Hamper (28, Katschenreuth) und Christopher Knauer.

Das Wetter:

Und die nächste Schlammschlacht, bitte! Bei 6 Grad gibt es in der sächsischen Landeshauptstadt leichten Regen.

Übertragung:

Liga-Partner MAGENTA SPORT überträgt ab 13.45 Uhr live. Anett Sattler führt als Moderatorin durch die Sendung, Andreas Mann kommentiert das Highlightduell.

mehr von der hafenstraße: