13. April 2023
Eisfeld: „Zu Hause alles möglich“
30-jähriger Mittelfeldspieler beginnt seit Mitte März bei allen Meisterschaftsspielen.

Seit Mitte März ist seine Erfahrung von 116 Zweitliga-Einsätzen für den VfL Bochum bei Rot-Weiss Essen wieder regelmäßig von Beginn an gefragt. Nachdem ihn eine Innenbandverletzung für weite Teile der Hinrunde außer Gefecht gesetzt hatte, gehörte Thomas Eisfeld in den zurückliegenden fünf Meisterschaftsspielen immer zur Startformation von Trainer Christoph Dabrowski. Vor dem Heimspiel am Sonntag, 14.00 Uhr, gegen den SV Waldhof Mannheim nahm sich das ehemalige Nachwuchstalent des englischen Spitzenklubs FC Arsenal Zeit für ein Interview.
Hallo Thomas! Du hast seit Mitte März jedes Meisterschaftsspiel in der Startelf bestritten. Bist du persönlich jetzt endgültig in der 3. Liga angekommen?
Thomas Eisfeld: Das kann man so sagen. Ich war vor der Winterpause wegen einer Innenbandverletzung für etwas mehr als zwei Monate raus. Die Heimspiele habe ich in der Zeit natürlich im Stadion verfolgt. Auswärts war ich auch bei den Begegnungen beim SV Wehen Wiesbaden und beim TSV 1860 München vor Ort. Meine Reha verlief glücklicherweise nach Plan. Mittlerweile fühle ich mich zum Ende der Spiele auch in einer besseren Verfassung, als es noch vor einigen Wochen der Fall war.
Du bist in dieser Saison erstmals in Deiner Laufbahn in der 3. Liga am Ball. Wie erlebst Du die Spielklasse?
Die 3. Liga ist sehr ausgeglichen und kampfbetont. In den Zweikämpfen geht es körperlich zur Sache. Bei den Spitzenteams wie Dynamo Dresden oder SV Wehen Wiesbaden merkt man diesen kleinen Tick an zusätzlicher Qualität im Kader. Dennoch ist quasi jedes Duell ein 50:50-Spiel, bei dem Kleinigkeiten über den Ausgang einer Partie entscheiden.

Deine Karriere ist nicht nur wegen Deiner 116 Einsätze in der 2. Bundesliga besonders. Als A-Jugendlicher zog es Dich zum FC Arsenal nach London. Wie lief das damals ab?
Wie ich erst später erfahren habe, wurde ich schon über einen längeren Zeitraum gescoutet. Das müssen mehrere Jahre gewesen sein. Die Anfrage zum Wechsel nach England kam relativ spät im Januar. Der Schritt vom BVB zum FC Arsenal kam also recht spontan zustande, weil es um einen sofortigen Transfer ging. Da ich nach den Gesprächen aber den Eindruck hatte, dass die Art und Weise der Spielweise des Klubs zu mir passt, wollte ich das machen.
In London hast Du mit Trainer-Ikone Arséne Wenger zusammengearbeitet. Was hast Du für Deinen weiteren Weg mitgenommen?
Ich fand es beeindruckend, wie sehr sich die Spielphilosophie von Arséne Wenger durch alle Mannschaften durchgezogen hat. Bei ihm war das Kurzpassspiel ein ganz wesentlicher Bestandteil. Ich habe in der Zeit sehr viel gelernt und bin unter ihm zu einem besseren Spieler geworden. Auch in der zweiten Mannschaft war die Qualität mit zahlreichen Junioren-Nationalspielern hoch. Die Handlungsschnelligkeit, die man an den Tag legen musste, war enorm. Schon vor dem ersten Ballkontakt musste man seine nächsten Aktionen im Kopf haben.
Zu Deinen Mitspielern gehörten unter anderem Lukas Podolski, Mesut Özil, Per Mertesacker und Tomas Rosicky. Wie war es, mit solchen Stars auf dem Platz zu stehen?
Sehr spannend und aufregend. Ich würde schon sagen, dass ich damals ein guter A-Junioren-Spieler war. Bei den Profis hatte ich dann aber schon gemerkt, dass doch noch einiges fehlt. Ich habe ein wenig Zeit benötigt, um in die technischen Abläufe hineinzufinden. Ich habe jedes Detail aufgesaugt. Als Talent habe ich damals in den ersten Wochen kaum ein Wort mit den erfahreneren Spielern gewechselt. (lacht) Bei den heutigen Nachwuchsspielern ist das anders. Nach zwei, drei Monaten war ich aber gut drin.

Nach zweieinhalb Jahren bei den „Gunners“ ging es für Dich in der zweithöchsten Spielklasse beim FC Fulham weiter. Wie blickst Du auf diese Station zurück?
Die Zeit beim FC Fulham verlief für mich eher negativ. Der damalige Trainer Felix Magath hatte mir in guten Gesprächen einen längerfristigen Weg für mich aufgezeigt. Im Training lag bei ihm der Fokus auf einer hohen Intensität. Leider wurde er schon nach dem 7. Spieltag entlassen. Sein Nachfolger Kit Symons hatte mir schnell zu verstehen gegeben, dass er eher auf andere Spieler setzt. Daher war absehbar, dass meine Zeit beim FC Fulham schon relativ früh enden würde. Im Nachhinein war aber auch das eine wertvolle Erfahrung.
Welcher Moment aus Deiner Zeit in England ist Dir besonders in Erinnerung geblieben?
Obwohl ich in der Partie nicht zum Einsatz kam, war das Halbfinale im FA-Cup definitiv ein Highlight. An viele Details kann ich mich zwar nicht erinnern, weil ich sehr nervös und aufgeregt war. Es war dennoch ein unbeschreibliches Gefühl, sich vor mehr als 80.000 Zuschauern im Wembley Stadium aufzuwärmen und die Masse an Fans zu sehen. An mein Profi-Debüt im League Cup beim FC Reading werde ich immer gerne zurückdenken. Ich wurde nach etwas mehr als eine Stunde für Serge Gnabry, mit dem ich auch heute noch eng befreundet bin, beim Stand von 1:4 eingewechselt. Durch ein Tor in der Nachspielzeit konnten wir noch die Verlängerung erreichen und uns dort am Ende auch durchsetzen.
Nach Borussia Dortmund und dem VfL Bochum bist du auch bei RWE wieder im Ruhrpott aktiv. Was bedeutet Dir die Region?
Ich bin zwar in Finsterwalde geboren und meine Familie wohnt mittlerweile in Ankum, nördlich von Osnabrück. In gewisser Weise bin ich aber auch ein Kind des Ruhrgebiets. Im Alter von 16 Jahren bin ich ins Jugendhaus von Borussia Dortmund gezogen. Hier in der Gegend habe ich meine Freundin kennengelernt. Wir fühlen uns auch weiterhin hier sehr wohl. Die Leute sind im Umgang ehrlich und gradlinig.
Hinter Euch liegen fünf Duelle mit Teams aus den „Top 6“ der 3. Liga. Wie blickst Du auf die Leistungen zurück?
Mit der Punktausbeute von vier Zählern aus diesen fünf Spielen können wir nicht zufrieden sein. Die Leistungen waren schwankend. Gegen die U23 des SC Freiburg haben wir ein super Kampfspiel abgeliefert. In den anderen Partien können wir uns nicht vorwerfen lassen, nicht alles gegeben zu haben. Allerdings können wir bei eigenem Ballbesitz unser Spiel noch besser aufziehen. Über Erfolgserlebnisse innerhalb einer Partie können wir unsere offensiven Abläufe noch mehr festigen.

Der Vorsprung auf die Gefahrenzone beträgt sieben Spieltage vor dem Saisonende fünf Punkte. Wie schätzt Du die Situation ein?
Uns ist allen bewusst, dass das nicht viel Abstand ist. Zum Ende einer Saison ist es häufig so, dass vermeintlich abgeschlagene Teams noch einmal eine zweite Luft bekommen und anfangen, Punkte zu sammeln. Wir sind also gewarnt und tun gut daran, die noch fehlenden Zähler so schnell wie möglich einzufahren. Auf uns warten schließlich noch einige direkte Duelle.
Mit dem SV Waldhof Mannheim geht es jetzt gegen den nächsten Gegner mit Aufstiegsambitionen. Was erwartest Du für ein Spiel?
Für mich zählt der SV Waldhof zu den körperlich stärksten Mannschaften unter den Spitzenteams. Der Saisonverlauf der Mannheimer ist ein wenig mit einer Achterbahnfahrt vergleichbar. Umso mehr werden sie gegen uns alles investieren, um noch einmal näher an die Aufstiegsplätze heranzukommen. Wenn wir zu Hause spielen, ist mit der Unterstützung unserer Fans aber alles möglich. Wir werden uns bestimmt nicht verstecken.
