5. Mai 2023

Endspurt!

Duellcheck: Rot-Weiss Essen könnte beim SV Meppen „Big Points“ sammeln.

Endspurt! – Rot-Weiss Essen
Lawrence Ennali (l.) liefert sich ein Zweikampf-Duell mit Ex-RWE-Spieler Max Dombrowka (r.). (Fotos: Endberg)

Der letzte Drittliga-Monat dieser Saison ist eingeläutet. Auf Rot-Weiss Essen warten mit dem SV Meppen (Sa., 06. Mai, 14.00 Uhr), dem TSV 1860 München (So., 14. Mai, 13.00 Uhr), dem Halleschen FC (Sa., 20. Mai, 14.00 Uhr) und dem SC Verl (Sa., 27. Mai, 13.30 Uhr) vier Aufgaben, die es noch zu lösen gilt – hinzu kommt das Pokal-Endspiel gegen RWO Anfang (Sa., 03. Juni, 16.15 Uhr). Den Start macht die Partie im Emsland. Gegen den stark vom Abstieg bedrohten SVM will Rot-Weiss ab 14.00 Uhr möglichst drei Punkte mitnehmen, um dem eigenen Ziel Klassenerhalt einen Schritt näher zu kommen. „Wir sind rechnerisch noch nicht durch, möchten aber schnell über die Ziellinie kommen“, sagt RWE-Chef-Trainer Christoph Dabrowski vor dem Spiel. Alles Wissenswerte zur Partie des 35. Drittliga-Spieltags erfahren Fans im Duellcheck!

Die Ausgangslage:

Eine ereignisreiche Woche liegt hinter Rot-Weiss Essen. Im Stadion an der Hafenstraße trennten sich RWE und der VfB Oldenburg torlos 0:0. Die letzten Punkte fuhr Essen jedoch unter Woche ein. Am Dienstag gab das DFB-Sportgericht bekannt, dass die aufgrund einer Bierdusche eines Zwickau-Fans gegen den Schiedsrichter abgebrochene Partie zwischen Rot-Weiss Essen und dem FSV Zwickau mit 2:0 für RWE gewertet wird. Die Sachsen legten keinen Einspruch gegen das Urteil ein, wodurch es rechtskräftig wurde.

Somit belegt Rot-Weiss Essen mit 40 gesammelten Punkten nach 34 Drittliga-Spieltagen den 15. Tabellenplatz. Der Abstand zur Gefahrenzone beträgt nun acht Zähler. Mit einem dreifachen Erfolgserlebnis gegen den Liganeunzehnten aus dem Emsland könnte die Dabrowski-Elf schon gegen 1860 München aus eigener Kraft vorzeitig alles klar machen. Würden Oldenburg (Sonntag gegen 1. FC Saarbrücken) und die SpVgg Bayreuth (Samstag gegen die SV Elversberg) nicht gewinnen, könnte sogar schon an diesem Wochenende mit einem Rot-Weiss-Sieg alles in trockenen Tüchern sein – das sind aber nur Rechenspiele. Was zählt, ist die kommende Partie!

Und in diesem kommenden Punktspiel erwartet Trainer Dabrowski parallelen zu vergangenen Duellen gegen Teams, die um den Klassenverbleib kämpfen: „Die Konstellation ist ähnlich wie gegen Oldenburg und Zwickau. Meppen möchte den letzten Strohhalm ergreifen und die Chance wahren. Die letzten Erfolge der Meppener müssen Warnung genug sein. Der Gegner wird mit voller Mentalität alles versuchen, um einen Heimsieg zu landen und am Klassenerhalt zu schnuppern. Wir müssen voll dagegenhalten!“

Endspurt! – Rot-Weiss Essen
Christoph Dabrowski: „Voll dagegenhalten!“

RWE erwartet also ein harter Kampf. Dass das Team von der Hafenstraße in engen Spielen gegen direkte Kontrahenten standhaft ist, zeigen die letzten Partien gegen Bayreuth (2:0), Zwickau (zur Halbzeit 1:1) und Oldenburg (0:0). In keinem der Duelle verließ Rot-Weiss Essen das Feld als Verlierer.

Personell muss Dabrowski gegen den SV Meppen auf Andy Wiegel (Reha), Michel Niemeyer (muskuläre Probleme), Clemens Fandrich (grippaler Infekt), Meiko Sponsel (Schlag auf Sprunggelenk) und Björn Rother (10. Gelbe Karte) verzichten.

Endspurt! – Rot-Weiss Essen
Fehlt gegen den SV Meppen aufgrund der 10. Gelben Karte: Björn Rother (l.).

Das Hinspiel:

Heimsieg verpasst, aber die Positivserien verlängert: Rot-Weiss Essen trennte sich im Hinspiel vom SV Meppen torlos 0:0. Für RWE war es das dritte Remis in Serie im Stadion an der Hafenstraße, aber auch das jeweils sechste Spiel in Folge ohne Niederlage – sowohl vor eigenem Publikum wie auch insgesamt.

Beide Mannschaften lieferten sich einen echten Fight und trennten sich am Ende nicht unverdient ohne Sieger. In der gesamten Partie gab es kaum Torchancen. Die einzig nennenswerte Szene des Spiels: Mittelfeldspieler Ole Käuper sah in der 80. Minute wegen Handspiels die Gelb-Rote Karte. Die zehn Schlussminuten in Überzahl konnte Rot-Weiss Essen allerdings nicht nutzen, um drei Punkte an der Hafenstraße zu behalten.

„Einfach zusammengefasst: Wir haben nicht mehr als den Punkt verdient. Unser Spiel war sehr fehlerhaft, wir waren nicht mutig genug“, resümierte Christoph Dabrowski nach der Partie.

Der Gegner:

„Ein angeschlagener Boxer ist immer sehr gefährlich“: Eine Phrase, die im Fußball häufiger fällt. Doch so abgelutscht dieser Satz auch klingen mag, so sehr trifft er auf das SV Meppen der letzten zwei Wochen zu. Nach dem 32. Drittliga-Spieltag belegte der SVM den letzten Tabellenplatz, hatte Niederlagen gegen Bayreuth (0:3), den FC Ingolstadt (0:3) sowie die U23 von Borussia Dortmund hinter sich (0:1) und elf Punkte Rückstand auf das „rettende Ufer“. Sechs Spieltage vor Schluss ein echtes Brett. Diese Aussichtlosigkeit gab den Emsländern scheinbar nochmal Kraft. Zwei Siege aus den letzten zwei Partien stehen zu Buche und das gegen die Aufstiegsaspiranten Saarbrücken (1:0) und SV Wehen Wiesbaden (2:1). Aufgrund dieser Erfolge beträgt der Abstand auf einen Platz außerhalb der Gefahrenzone nur noch fünf Zähler.

Kurios: Das letzte Spiel Meppens gegen Wiesbaden war eine halbe Stunde unterbrochen, da sich Schiedsrichter-Assistent Marius Schlüwe verletzte und nicht weitermachen konnte. Da es aktuell keinen vierten Offiziellen in der 3. Liga gibt, wurde per Stadiondurchsage nach einem Zuschauer gefragt, der die nötige Lizenz besitzt und für den verletzten Schlüwe einspringen kann. Mit Jannis Jäschke fand sich ein Oberliga-Schiedsrichter, der so unverhofft zu seinem Drittliga-Debüt gelangte.

Seit dem 07. März steht beim SV Meppen ein neuer Mann an der Seitenlinie. Ernst Middendorp übernahm nach der Freistellung von Stefan Krämer das Zepter im Emsland. Der 64-jährige Übungsleiter, der auch für einen Monat RWE trainierte, blickt auf eine gefüllte Laufbahn. Der SVM ist Middendorps 30. Station im Fußball. Doch auch zu Beginn seiner Amtszeit wollte es in Meppen nicht laufen, lediglich einen Sieg (3:2 gegen Erzgebirge Aue) gab es aus den ersten sieben Begegnungen. Da waren die letzten beiden Erfolge Balsam für die Seele.

Ein entscheidender Mann für den SV Meppen ist definitiv Marvin Pourie. Der 32-jährige Angreifer versenkte die Kugel in dieser Saison bereits zehnmal im gegnerischen Kasten und bereitet sechs weitere Treffer vor. Der Routinier stand in 34 Spielen 2.983 Minuten auf dem Platz und sammelte damit die meiste Einsatzzeit im Kader der Emsländer. Ein weiterer wichtiger Spieler im Team von Middendorp ist Kapitän Luka Tankulic. Mit 14 Toren und sechs Vorlagen war der Mittelfeldspieler Top-Scorer der vergangenen Spielzeit. Eine Knieverletzung sorgte dafür, dass Tankulic viele Spiele verpasst. Unter der Woche kehrte der 31-Jährige zurück ins Mannschaftstraining, ob es schon für einen Einsatz gegen Rot-Weiss Essen am Samstag reicht, ist fraglich.

Rot-Weiss Essen trifft auf den SV Meppen.
Marvin Pourie (l.) traf für Meppen in den letzten beiden Spielen gegen Saarbrücken und Wiesbaden.

Ebenfalls ein Fragezeichen steht hinter dem Einsatz von Christoph Hemlein, nachdem er unter der Woche umgeknickt war. Mit der Mannschaft trainieren neben Tankulic auch Jonas Fedl, Beyhan Ametov, Mirnes Pepic und David Vogt wieder. Marcus Piossek (Knie- und Achillessehnenprobleme) und Jonas Kersken (Reha nach Schulter-OP) sind hingegen verletzt.

Ungeachtet der verletzten Situation ist Ernst Middendorp für das Heimspiel gegen Essen optimistisch: „Die Spiele gegen Saarbrücken und Wiesbaden waren Einzelprojekte, die wir optimal gelöst haben. Genauso konzentriert haben wir auch das Spiel gegen Essen vorbereitet, um das Maximale herauszuholen. Es wird auch am Samstag nicht alles geschmeidig laufen, aber dann wird uns das Publikum pushen. Da bin ich sicher!“

Das Stadion:

Der SV Meppen trägt seine Heimspiele in der Hänsch-Arena aus. Das im Norden der Stadt gelegene Stadion bietet Platz für 13.241 Zuschauer, unter denen am Samstag auch 1.275 RWE-Fans sein werden. Binnen einer Stunde waren alle Gästekarten für das Spiel vergriffen. Durchschnittlich besuchen knapp 7.300 Zuschauer die Heimpartien des SVM.

Die Hänsch-Arena an der Lathener Straße wurde 1924 eingeweiht und feiert im nächsten Jahr also 100-jähriges Bestehen. Zur Saison 2017/2018 musste der SV Meppen größere Investitionen vornehmen, um die Lizenz für die 3. Liga zu erhalten. So wurden beispielweise Sitzbänke durch Sitzschalen ersetzt und eine Flutlichtanlage installiert.

Vorherige Begegnungen:

Wird das Hinspiel im Stadion an der Hafenstraße ausgeklammert, dann traf Rot-Weiss Essen das letzte Mal im Januar 2022 auf den SV Meppen. Beide Teams lieferten sich in der Winter-Vorbereitung ein Kräftemessen. Unter Ausschluss der Öffentlichkeit besiegte der damals höherklassige Gegner aus dem Emsland RWE 1:2.

Weitaus länger her ist das letzte Pflichtspiel: Am 01. Juni 1997 – ganz nebenbei waren dort erst 12 der aktuellen RWE-Kicker überhaupt geboren – trennten sich die Teams in der Hänsch-Arena 1:1.

Die Gesamtbilanz der direkten Duelle spricht dabei leicht für RWE: Von 14 Spielen entschied Essen fünf für sich. Viermal gewann Meppen und fünfmal endeten die Partien Remis.

Der Schiedsrichter:

Der 32-jährige Michael Bacher hat die Spielleitung inne. Der aus Wasserburg am Inn kommende Referee blickt in dieser Saison auf zehn Einsätze in der 2. Bundesliga, sechsmal pfiff er in der 3. Liga.

Bacher assistieren Tobias Fritsch (32, Mainz) und Oliver Lossius (32, Sondershausen).

Wetter:

Die Regenjacke sollte besser nicht vergessen werden. Im Emsland sind 16 Grad und Regen angesagt.

Übertragung:

MAGENTA SPORT überträgt die Partie ab 13.45 Uhr live. Tobi Schäfer führt als Moderator durch die Sendung, Gari Paubandt kommentiert.

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