18. August 2023
„Gänsehaut am ganzen Körper“
Vinko Sapina freut sich auf Liga-Heimpremiere gegen den FC Erzgebirge Aue.

Er hatte im Sommer den Anfang gemacht: Vinko Sapina wurde nur wenige Tage nach dem Saisonfinale der abgelaufenen Spielzeit als erster Zugang bei Rot-Weiss Essen vorgestellt. Über seinen Heimatverein SSV Ulm 1846 Fußball hatte der Deutsch-Kroate im Sommer 2021 mit dem Wechsel zum SC Verl den Schritt in die 3. Liga geschafft. Nach zwei Jahren beim ostwestfälischen Ligakonkurrenten läuft der zentrale Mittelfeldspieler jetzt regelmäßig an der Hafenstraße auf und gilt schon jetzt als feste Größe. Vor dem Heimspiel nahm sich der 28-Jährige Zeit für ein Interview.
Hallo Vinko! Mit dem DFB-Pokal-Spiel gegen den Hamburger SV liegt das erste Heimspiel im RWE-Trikot hinter Dir. Wie war es für dich?
Vinko Sapina: Wirklich unglaublich. Das war das bislang aufregendste Erlebnis meiner Karriere. Die Fans haben uns großartig unterstützt. Nach unserem ersten Tor und den Reaktionen von den Tribünen hatte ich am ganzen Körper Gänsehaut.
Wie schwer ist es, die bittere Niederlage in der Verlängerung abzuhaken?
Natürlich ist man nach einem solchen Spielverlauf zunächst einmal enttäuscht. Es hätte keiner sagen können, dass ein Sieg für uns unverdient gewesen wäre. Wir sind nicht nur dreimal nach Rückständen zurückgekommen. Wir hatten auch Möglichkeiten, das Spiel für uns zu entscheiden oder zumindest ins Elfmeterschießen zu kommen. Wir können aber auf den positiven Dingen aufbauen.

Dein insgesamt erstes Spiel an der Hafenstraße liegt noch nicht lange zurück: Am 38. Spieltag der zurückliegenden Saison gab es mit dem SC Verl zum Saisonabschluss ein 2:2. Hatte die Partie Einfluss auf deine Wechsel-Entscheidung?
Bei mir war zu diesem Zeitpunkt der Entschluss schon gereift, nach Essen wechseln zu wollen. Die Partie an der Hafenstraße hatte dann meine Erwartung noch einmal bestätigt. Schon da war die Stimmung super. Jetzt selbst von den RWE-Fans angefeuert zu werden, ist ein schönes Gefühl.
Im Nachwuchsbereich hast Du zwei Jahre lang für den VfB Stuttgart gespielt. Warum ging es für Dich danach zurück zu Deinem Heimatverein SSV Ulm 1846 Fußball?
Ich bin glücklich über die Erfahrungen, die ich beim VfB sammeln konnte. In dieser Zeit habe ich schon erste Eindrücke vom Fußballbusiness mitnehmen und die gesunden, aber auch die ungesunden Seiten des Sports kennenlernen können. Schon damals waren die Erwartungshaltung und der Druck groß. Die Leistung stand mehr im Fokus als die Entwicklung der jungen Spieler. Bei mir war man damals der Meinung, dass ich zu klein sei. Was man sich bei mittlerweile 1,94 Metern kaum vorstellen kann. (lacht) Als Ulmer Junge und aus Verbundenheit zu meiner Heimat bin ich damals dann zum SSV zurückgekehrt.
Wann war Dir bewusst, dass Du es dennoch in den Profifußball schaffen kannst?
Die ersten starken Anzeichen dafür gab es nach meinen beiden Jahren in der Regionalliga Bayern beim FC Memmingen. Da hatte ich schon als 20-Jähriger die erste von insgesamt drei Möglichkeiten, in die 3. Liga zu wechseln. Wegen meines Studiums im Bereich Wirtschaftsinformatik bin ich dann aber noch einmal zum SSV Ulm gegangen. Im Alter von 26 Jahren bin ich mit meinem Wechsel im Sommer 2021 zum SC Verl relativ spät in der 3. Liga gelandet. Die Entscheidung habe ich aber nie bereut, weil ich aus Überzeugung beim SSV Ulm geblieben war.
Im Umfeld und bei den Fans wirst Du schon nach wenigen Einsätzen als „Königstransfer“ gesehen, der auf Anhieb bei Rot-Weiss Essen eine wichtige Rolle spielt. Was bedeutet Dir das?
Das ist eine schöne Wertschätzung. Darauf werde ich mich aber garantiert nicht ausruhen. Ich fokussiere mich weiterhin darauf, mit meiner Leistung einen Teil dazu beitragen zu können, dass wir als Mannschaft erfolgreich sind.
Wie würdest Du selbst Deine Spielweise beschreiben?
Ich will nicht nur in den Zweikämpfen, sondern auch mit meiner Ballsicherheit Präsenz ausstrahlen. Ich sehe mich als Bindeglied zwischen Abwehr und Angriff, will immer wieder meine Mitspieler so gut wie möglich in Szene setzen.

Hattest Du bestimmte Spieler als Vorbild?
Fußballerisch haben mich vor allem Zinedine Zidane und Luka Modric immer sehr beeindruckt. Aufgrund unserer recht ähnlichen Spielweise habe ich aber auch hin und wieder versucht, mir etwas von Sergio Busquets abzuschauen.
Wie schätzt du den kommenden Gegner FC Erzgebirge Aue ein?
Wir treffen auf eine gute Mannschaft mit einem sehr erfahrenen Trainer. Nach dem späten Heimsieg gegen den FC Ingolstadt 04 wird Aue mit viel Selbstvertrauen in Essen antreten. Eines unserer Saisonziele ist es aber ganz klar, mehr Heimspiele für uns zu entscheiden, als es noch in der zurückliegenden Saison der Fall war. Wir wollen zu einer Heimmacht werden. Dafür wollen wir gegen Aue den ersten Schritt machen.
Was wird für euch wichtig sein?
Einfach gesagt: Wir müssen die individuellen Fehler vermeiden und unsere Chancen noch konsequenter nutzen. Wir haben das Selbstvertrauen und die Qualität, um unsere Spielweise durchzudrücken. Wenn wir die gleiche Spielfreude wie in den bisherigen Spielen auf den Platz bringen, bin ich sehr guter Dinge, dass wir uns jetzt auch belohnen.
