1. September 2023
Gastspiel in Freiburg: Sind alle guten Dinge drei?
Duellcheck: RWE möchte weiße Weste gegen noch sieglose Bundesligareserve wahren.

Spielt ein Team aus der zweiten Tabellenhälfte gegen den Vizemeister, dann sind die Vorzeichen vor solchen Partien häufig klar. Anders aber am nächsten Samstag (14.00 Uhr): Im Dreisamstadion bittet die als eins von zwei Teams noch sieglose SC Freiburg-Reserve zum Tanz. Während sich die taumelnden Breisgauer nach einem Kaderumbruch finden müssen, hat Rot-Weiss Essen den Aufschwung einer erfolgreichen Englischen Woche im Reisegepäck. Im Vorjahr bewies das Hafenstraßen-Team schon, was gegen den SCF machbar ist. Mit einer aufaddierten Bilanz von 5:0 Toren siegte RWE in Hin- und Rückspiel. Der Duellcheck!
Die Ausgangslage:
Last-Minute-Wahnsinn an der Hafenstraße! Mit letzter Kraft vollendete Thomas Eisfeld gegen Preußen Münster eine Pass-Stafette über Leonardo Vonics Haarspitzen und Cedric Harenbrock zum Derbysieg. Der Büchsenöffner für das Drittligajahr! In drei Liga- und einer Pokal-Partie zuvor zeigte RWE zwar beherzte Leistungen, schaffte es aber nie über Remis oder gar Niederlage hinaus.
Chef-Trainer Christoph Dabrowski attestierte seinem Team im Anschluss an das Münster-Spiel entsprechend gute Leistungen: „Wir haben geschafft, was wir uns vorgenommen haben: Nicht zweifeln, mutig und zielstrebig spielen!“ Auf der Bucketlist des 44-Jährigen für die Saison 2023/24 steht wohl auch die Mission Titelverteidigung im Niederrheinpokal, die nötig wird, um im kommenden Jahr für den nationalen DFB-Pokal qualifiziert zu sein. Den ersten Schritt dahin tat sein Team unter der Woche mit dem 6:0-Sieg bei Bezirksligist SuS Dinslaken. Viermal ist RWE damit in Folge ungeschlagen. Dabrowski: „Das hat natürlich Einfluss auf unsere Energie im Umgang miteinander. Jetzt möchten wir hungrig bleiben und nicht nachlassen!“

Obwohl die Hausherren nach wie vor auf ihren ersten Sieg warten, will Dabrowski den kommenden Gegner nicht unterschätzen: „Freiburg ist sehr aktiv und intensiv im Pressing. Das Team hat auch nach dem Umbruch gute Fußballer in den Reihen, die in der Lage sind, ein Drittliga-Spiel auf ihre Seite zu ziehen. Es kommt Arbeit auf uns zu!“ Und auch die zwei Siege im Vorjahr bedeuten für Dabrowski nichts mehr: „Das ist Vergangenheit. Es geht wieder bei Null los!“
Dabei liegt dem Hafenstraßen-Team Maloche in dieser Saison: 459 Kilometer spulte Rot-Weiss in vier Saisonspielen auf dem Platz ab – oberer Liga-Durchschnitt! Dazu hat kaum ein Team bessere Zweikampfwerte. 52,5 Prozent und damit mehr als die Hälfte aller Duelle mit den Gegner entschied RWE für sich.

Verzichten muss RWE in Freiburg weiterhin auf Felix Bastians (Adduktorenprobleme), Sandro Plechaty (Knieprobleme), Ekin Celebi (Aufbautraining nach Leistenproblemen) und Fabian Rüth (Kreuzbandriss). Erfreulich: Aaron Manu stieg jüngst wieder ins Training ein und könnte nach knapp zwei Monaten Verletzungspause zum Kader gehören.
Der Gegner:
Beinahe schaffte es die SC Freiburg U23 in der Saison 2022/23 als drittstärkster Rückrundenverein, den sicher geglaubten Meister SV Elversberg vom Drittliga-Thron zu schubsen. Im Abschlussklassement trennte Bundesliga-Reserve und Zweitliga-Aufsteiger nur einen Punkt. Auch mit der Vizemeisterschaft – die 2. Mannschaften grundsätzlich nicht zum Sprung in die 2. Bundesliga berechtigt – konnten die Breisgau-Minis zufrieden sein, weitaus weniger dürfte Thomas Stamm (40 / seit zwei Jahren an der Freiburger Seitenlinie) die bisherige Performance seines Teams in diesem Jahr freuen.

Nach vier Spieltagen ist der SCF, jüngstes Team der gesamten 3. Liga, noch ohne Sieg. Lasche zwei Punkte bedeuten den derzeit letzten Tabellenplatz. „Wir haben Basics vermissen lassen, keine Zweikämpfe geführt und keine Intensität auf den Platz gebracht. Im Spiel mit dem Ball hatten wir in beiden Halbzeiten immer wieder Probleme. Das war in Summe zu wenig“, gab Stamm nach der jüngsten 2:3-Niederlage beim SC Verl zu.
Wohl auch mitursächlich: der Abgang zahlreicher Leistungsträger. Top-Goalgetter Vincent Vermeij (21 Torbeteiligungen / 15 Tore, 6 Vorlagen) zog es, genau wie Mittelfeldkollege Yannik Engelhardt, zu Fortuna Düsseldorf. In der 2. Bundesliga kicken jetzt auch Lars Kehl (VfL Osnabrück), Philipp Treu (FC St. Pauli) und Andi Hoti (war von Inter Mailand ausgeliehen / jetzt 1. FC Magdeburg). Max Rosenfelder zählt fortan zum Profi-Kader des SC Freiburgs, Junioren-Nationaltorwart Noah Atubolu ist gar die neue Nummer eins im Tor des Bundesligateams.
All diese Spieler gehörten im letzten Jahr zum Stammpersonal, jeder von ihnen absolvierte mindestens die Hälfte aller Drittligaspiele. Offensivtalent Noah Darvich hätte dem Freiburger Spiel sicher gutgetan – bevor der im Schwarzwaldstadion vorspielen konnte, schnappte sich mit viel Medienrummel und einem Millionenbetrag Weltklub FC Barcelona das 16-jährige Talent.

Doch Coach Stamm und Fußballschulen-Leiter Martin Schweitzer haben Freiburgs Reserve auch verstärkt. Hamadi Al-Ghaddioui (vom SV Sandhausen) bringt Routine aus 16 Bundesliga- und 76 Zweitligaspielen in den Schwarzwald. Das Schweiz-Trio Fabian Rüdlin (FC Thun), Serge Müller (FC Schaffhausen) und Joel Bichsel (YB Bern / auf Leihbasis) absolvierte bislang jede einzelne Spielminute, mit Mittelstürmer-Talent Alessio Bessio (FC St. Gallen / ebenfalls Schweiz) fehlt ein erhoffter Leistungsträger nach Knie-Operation. Sieben weitere Kicker aus dem eigenen Nachwuchs, vier Verpflichtungen von deutschen, spanischen und französischen Reserveteams und Pascal Fallmann, Linksverteidiger aus Österreich sowie Drew Murray, Innenverteidiger aus den USA, ergeben insgesamt stolze 18 Neuzugänge für den Drittliga-Kader.
Während Bessio verletzt passt und Murray auf seine Spielberichtigung wartet, fällt gegen Essen auch Vorjahres-Stammspieler Oscar Wiklöf mit Oberschenkelproblemen aus. Für Tore soll stattdessen Maximilian Breunig sorgen. Der großgewachsene Angreifer traf im Verl-Spiel zweimal und ist damit bisweilen bester Breisgau-Torschütze.
Stadion:
Dreisamstadion (24.000 Plätze) | 1954 eröffnet | Eigentümerin: Stadt Freiburg
Vorherige Duelle:
- 01. April 2023: RWE – SC Freiburg U23 2:0 (RWE: Engelmann, Berlinski)
- 09. Oktober 2023: SC Freiburg U23 – RWE 0:3 (RWE: Engelmann, Berlinski, Ennali)

Der Schiedsrichter:
Referee der Partie ist Nicolas Winter. Der 31-Jährige Hagenbacher pfiff bislang ein Rot-Weiss Essen-Spiel: die wegen einer Bier-Attacke von der Heim-Tribüne unrühmlich abgebrochene Partie beim FSV Zwickau im April, die im Nachhinein 2:0 für RWE gewertet wurde.
Seine Assistenten sind Tobias Wittmann (27, Wendelskirchen) und Felix Wagner (22). Tobias Huthmacher ist vierter Assistent
Das Wetter:
Sommerwetter in der Urlaubsidylle! Bei sonnigen 26 Grad reicht das rot-weisse Trikot aus.
Übertragung:
MAGENTA SPORT überträgt die Partie ab 13.45 Uhr live. Mario Bast kommentiert das Match, Moderator ist Kevin Gerwin.
