30. September 2023
Mission Spitzenreiter ärgern!
Duellcheck: Dynamo Dresden zu Gast an der Hafenstraße.

Es ist das Duell der Zuschauermagneten, das Duell der Traditionsvereine und das Duell der Teams mit den wenigsten Gegentore! Wenn Rot-Weiss Essen Dynamo Dresden im Stadion an der Hafenstraße empfängt (So., 13.30 Uhr), läuft jedem Fußball-Traditionalisten das Wasser im Mund zusammen. Der Duellcheck greift die Vorfreude auf diese Partie auf und liefert alles Wissenswerte rund um dieses Drittliga-Highlight.
Ausgangslage:
452 Minuten dauerte es, bis Rot-Weiss Essen-Torhüter Jakob Golz wieder hinter sich greifen musste. Ein abgefälschter Freistoß von Ulm-Spieler Dennis Chessa schlug in der linken Ecke ein. Golz, der schon in die andere Richtung unterwegs war, hatte keine Chance. Nach 19 Zeigerumdrehungen riss die erste RWE-Serie, die zweite war mit dem Abpfiff im Donaustadion beendet. Das Hafenstraßen-Team unterlag den „Spatzen“ mit 1:2 (0:1) und verließ damit erstmals seit dem 04. August das Feld als Verlierer. Verdient, wie Chef-Trainer Christoph Dabrowski im Anschluss an die Partie fand: „Wir konnten keine Intensität entwickeln, haben nicht in unser Spiel gefunden und Bälle zu leichtfertig verloren.“

Besser ins Spiel gefunden hat das Dabrowski-Team hingegen drei Tage später. In der 2. Runde des Niederrheinpokals war RWE bei Oberligist SC St. Tönis von Beginn an da. Aaron Manu, der als einer von insgesamt neun Spielern neu in der Startelf stand, netzte per Kopf nach vier Minuten. Das erste von in Summe fünf rot-weissen Treffern an diesem Mittwochabend! Da Felix Wienand keinen Ball aus seinen Maschen holte, steht Rot-Weiss Essen verdient im Verbandspokal-Achtelfinale.

Schaut der RWE-Fan auf die nächsten Spiele, stellt er fest, dass ein richtig intensives Programm auf seine Essener wartet. Das Hafenstraßen-Team absolviert – angefangen mit dem Gastspiel – in Ulm in 14 Tage fünf Pflichtpartien. Eine intensive Zeit, die mit dem Spiel gegen Dresden am Sonntag ihren Mittelpunkt findet. Dass es stets knappe und kräftezehrende Duelle mit Dynamo Dresden waren, verrät ein Blick auf die Torstatistik. Lediglich 1,6 Treffer fielen im Schnitt wenn RWE auf Dresden traf, davon wurde lediglich ein Spiel mit zwei Toren Unterschied beendet: Ein Essener 2:0-Sieg aus dem Jahr 2003.

Doch zurück in die Gegenwart. Schenkt man den Drittliga-Statistikern Glauben, wird gerade die erste Halbzeit über den Ausgang der Partie am Sonntag entscheiden. RWE ist gewarnt, mit Dresden läuft eine Mannschaft im Stadion an der Hafenstraße auf, die gerade in den ersten 45 Minuten zu überzeugen weiß. Würde der Schiedsrichter eine Partie nach dem ersten Durchgang abpfeifen, belegt Dynamo mit 6:1 Toren den ersten Platz. Die Rot-Weissen finden sich am anderen Ende der Tabelle wieder, hier steht ein Torverhältnis von 1:4 und fünf gesammelten Zählern. Besser sieht es aus, wenn nur die zweite Halbzeit gespielt würde, denn dort belegt RWE den dritten Platz.
Statistiken hin oder her, für Rot-Weiss Essen wird es auf die Einstellung ankommen. „Wir brauchen uns nicht zu verstecken“, sagte Lucas Brumme im Video-Interview vor der Dresden-Partie. Der 24-Jährige, der seit dieser Saison das rot-weisse Trikot trägt, weiß um die Stärken seines Teams: „Nimmt man die Spiele gegen Ulm und Köln raus, haben wir fünf sehr gute Partien absolviert, in den wir besser waren, das Spiel dominiert haben und auch spielerisch überzeugten“. Auf Unterstützung kann RWE von den Rängen zählen, der Heimbereich ist ausverkauft, jeder Platz vergriffen: „Beim Training schauen immer Fans zu, die Menschen leben den Verein. Das bekommst du als Spieler mit und das pusht dich natürlich enorm.“

Die RWE-Fans sind am Sonntag vollzählig, auf einen vollen einsatzfähigen Kader kann Chef-Trainer Christoph Dabrowski nicht bauen. Nicht mit von der Partie gegen Dresden werden weiterhin die verletzten Ekin Celebi (Leisten-Operation), Thomas Eisfeld (Teilriss des Syndesmosebandes), Nils Kaiser (Aufbautraining nach Innenbandriss) und Fabian Rüth (Kreuzbandriss) sein.
Der Gegner:
Drei Landespokale, zwei Regionalliga-Meistertitel und die bisherige Krönung: eine DFB-Trophäe zum Sieg der 3. Liga 2015/16. Die Vitrine von Dynamo-Routinier Stefan Kutschke ist nach 16 Seniorenfußball-Jahren gut gefüllt. Und ohne Einblick in die Privatsphäre des 34-jährigen Angriffsriesen zu nehmen: Irgendwo im Pokalschrank ist ganz sicher noch ein bisschen Platz. Kutschke, zu Saisonbeginn vom Publikumsliebling zum Mannschaftskapitän avanciert, will mit Dynamo Dresden unbedingt die Drittliga-Saison 2023/24 gewinnen. Sein Chef-Trainer Markus Anfang erklärt: „Wir haben ein klares Ziel ausgegeben und sprechen ab sofort nur noch über den Weg dahin. Dabei denken wir von Spiel zu Spiel.“

Bis dato klappt das gut: Tabellenführung, gut funktionierende Offensive mit zwölf Treffern, stabiles Abwehr-Bollwerk, das in sieben Partien nur viermal durchbrochen wurde und sechs von sieben möglichen Siegen. Dazu triumphierte Dynamo im jüngsten Sachsen-Derby und Spitzenduell gegen Erzgebirge Aue. Anfang zum 2:1: „Wir haben verdient gewonnen!“
Der Drittliga-Zuschauermagnet, durchschnittlich 29.075 Menschen pendelten zu den vier Heimspielen ins Rudolf-Harbig-Stadion, hat die letzte Saison verknust: Auf einen maximal ernüchternden neunten Hinrunden-Tabellenplatz 2022/23 folgte eine bockstarke Rückserie. Kein Klub sammelte in der zweiten Saisonhälfte mehr Punkte. Die Krux: der 37. Spieltag. Im letzten Montagabendspiel der Drittliga-Geschichte vertändelten die Dynamos eine zwischenzeitliche 0:1-Führung. Meppen, der Abstieg des Teams von Kult-Trainer Ernst Middendorp längst besiegelt, quält den Favoriten in der Hänsch-Arena und schickt ihn ohne Punkte und mit einer 1:4-Schlappe aus dem Ems- ins Sachsenland zurück. Wären die im Mannschaftsbus-Gepäck mitgekommen, wäre Dresden heute wohl Zweitligist – der böse Konjuktiv.

Und immerhin fluppt’s jetzt! Dafür setzt Ex-Bundesliga-Coach Anfang (u.a. beim 1. FC Köln und Werder Bremen) auf eine absolut eingespielte Elf. Die letzte Startelf-Änderung nahm der 49-jährige Rheinländer am 4. Spieltag vor – da rotierten Halle-Flügelneuzugang Tom Zimmerschied und Jakob Lemmer auf die Außenbahnen. Vier Spiele bestreitet die Dynamo inzwischen unverändert: Zwischen den Pfosten Stefan Drljaca, in der Viererkette Claudio Kammerknecht, Jakob Lewald, Tobias Kraulich und Jonathan Meier, auf der Sechs Paul Will, im Mittefeld-Zentrum Niklas Hauptmann und Luca Herrmann und vorne drin ebenjener Routinier Kutschke. Auch die Bank hat’s in sich: Manuel Schäffler, Panagiotis Vlachodimos, Dennis Borkowski und Robin Meißner – all sie verzeichneten schon Zweit- und / oder Bundesliga-Einsätze. Kann sich sehen lassen!
Apropos sehen: Kevin Ehlers, Lucas Cueto und Paul Herrmann werden die Dresden-Fans nicht aus dem Gästeblock auf dem Spielfeld erspähen können. Alle drei fallen verletzungsbedingt aus. Tom Berger fehlt zudem gesperrt, Kyu-Hyun Park hat die Ehre und vertritt seine Heimatnation Südkorea bei den Asia Games im chinesischen Hangzhou.
Letzte Duelle:
08. April 2023: Dynamo Dresden – Rot-Weiss Essen (2:1 / Tor Rot-Weiss: Berlinski)
15. Oktober 2022: Rot-Weiss Essen – Dynamo Dresden (1:1 / Tor Rot-Weiss: Young)
11. Mai 2008: Dynamo Dresden – Rot-Weiss Essen (1:0 / -)
03. November 2007: Rot-Weiss Essen – Dynamo Dresden (1:1 / Tor Rot-Weiss: Sereinig)
01. April 2005: Rot-Weiss Essen – Dynamo Dresden (2:1 / Tore Rot-Weiss: Kaluzny, Goldbaek)
27. Oktober 2004: Dynamo Dresden – Rot-Weiss Essen (1:0 / -)
03. April 2004: Dynamo Dresden – Rot-Weiss Essen (1:0 / -)
Der Schiedsrichter:
Tobias Reichel (38, Stuttgart) ist Referee der Partie. Reichels Assistenten sind Benedikt Kempkes (38, Nienburg) und Martin Wilke (26), zwischen den Trainerbänken steht Stefan Zielsdorf (34) als vierter Offizieller parat.
Das Wetter:
Der Spätsommer lässt grüßen, an der Hafenstraße scheint bei 22 Grad die Sonne.
Übertragung:
MAGENTA SPORT überträgt die Partie live ab 13.15 Uhr. Christian Straßburger kommentiert, Thomas Wagner moderiert. Zudem übertragen WDR und BR das Spiel ab 13.30 Uhr live im Free-TV.
