4. Oktober 2023
Sieben Tage, drei Spiele, ein Ziel
Duellcheck: Zwischen Dresden- und Verl-Partie erwartet RWE weiteste Auswärtsreise der Saison.

Keine 76 Stunden hatten die Rot-Weiss Essen Profis Zeit zum Ausruhen! Nur drei Tage nach dem spektakulären 3:1-Heimerfolg vor mehr als 18.500 Zuschauern im Stadion an der Hafenstraße gegen Dynamo Dresden, ist RWE am Mittwochabend (19.00 Uhr) mit breiter Brust im rund 650 Kilometer entfernten Uhlsport Park bei der SpVgg Unterhaching zu Gast. Knacken muss RWE eine harte Nuss: Der Bayern-Regionalliga Aufsteiger verließ nur einmal in acht Drittliga-Partien den Platz als Verlierer. Alle wichtigen Details zum Flutlichtspiel im Duellcheck!
Die Ausgangslage:
„Seit Wochen reden wir über Effizienz, die war heute da!“: Chef-Trainer Christoph Dabrowski konnte mit der Leistung seines Teams nach dem 3:1-Heimsieg gegen Dynamo Dresden nur zufrieden sein! Von „unfassbarer Motivation“ dank des Erfolges gegen den Tabellenführer für die anstehenden Tage sprach so Ron Berlinski, Angreifer und Vorlagengeber zum 2:0.
Wichtig – denn der rot-weisse Kalender ist besonders in der ersten Oktoberwoche schwindelerregend voll. Mit dem Flugzeug geht es für das Dabrowski-Team unter der Woche nach München zum Auswärtsspiel in Unterhaching. Kaum hat der Linien-Rückflug dann wieder auf westfälischem Boden aufgesetzt, machen es sich die Profis des SC Verls in der Gästekabine des Stadions an der Hafenstraße bequem (Sa., 14.00 Uhr). Auch wenn dieses schweißtreibende Programm für den einen oder anderen Zuschauer mit Job, Kind und Kegel verständlicherweise zu straff sein wird – die Drittliga-Profis nehmen es gelassen. Außenverteidiger Eric Voufack meint trocken: „Das ist unser Job!“

Und in der Stellenbeschreibung für das Profil des Drittliga-Fußballers steht dieser Wochen noch etwas anderes: Oberwasser in der Tabelle gewinnen! Trotz drei Siegen und drei Remis bleibt das Klassement unfassbar eng. Gewinnt RWE, könnte das derzeit zehntplatzierte Dabrowski-Team Mittwochabend mit einem Sieg auf dem vierten Tabellenplatz stehen. Läuft es auf den anderen Plätzen und im Uhlsport Park für Rot-Weiss schlecht, dann winkt die 11. Position.
Grund genug für Optimismus gibt es immerhin dieser Tage an der Hafenstraße. Nicht nur der furiose Sieg gegen Dresden: RWE ist auch – an geteiltem erstem Platz mit Regensburg – das Team mit den wenigsten kassierten Gegentreffern. Mit neun selbst erzielten Treffern liegt das Team von Chef-Coach Dabrowski hingegen auf einem Mittelfeldplatz. Kurios: Jedes Erfolgserlebnis verbuchte ein jeweils unterschiedlicher Essener. Das kann so kein anderer Verein für sich behaupten, nicht einmal bei weniger erzielten Treffern.
Gute Nachrichten kommen derweil auch aus dem Hafenstraßen-Lazarett: Nils Kaiser (Innenbandriss) und Isaiah Young (Augenblessur) kehren nach Verletzung zurück. Es fehlen für die Englische Woche somit nur noch die Langzeitverletzten Fabian Rüth (Kreuzbandriss), Ekin Celebi (Reha-Training nach Leistenoperation) und Thomas Eisfeld (Reha-Training nach Teilriss der Symdesmose). Ob es Björn Rother rechtzeitig schafft, nach einem Schlag im Zweikampf fit zu werden, ist noch unklar.
Der Gegner:
02. August 2022. Flutlichter erhellen die Abenddämmerung und Bayern-Regionalligist SpVgg Unterhaching ist auf bestem Wege, gegen den TSV Heimstetten den vierten Dreier in Folge einzutüten. Saisonstart geglückt! Ex-Bundesligaprofi Sandro Wagner zitiert den 16-jährigen Maurice Krattenmacher zu sich. In wenigen Momenten gibt ein Linksaußen sein Debüt, den Vereinspräsident Manfred Schwabl bereits Monate zuvor als „Ausnahmetalent“ bezeichnet. Für ein Profidebüt empfahl sich der Youngster, unlängst Junioren-Nationalspieler, mit 23 Toren in 23 U17-Bundesligaspielen. Medienberichten zufolge ist dadurch die Fußball-Königsklasse auf den torgefährlichen Krattenmacher aufmerksam geworden.
Wie man Rohdiamanten schleift, wissen sie in Unterhaching: Karim Adeyemi verließ nach sechs Jahren 2018 die SpVgg-Talentschmiede. Als der Flügelflitzer im Sommer 2022 von Salzburg für eine große Transfersumme zu Borussia Dortmund wechselte, verdiente Unterhaching dank einer Weiterverkaufsbeteiligung stattlich mit. Und genau wegen dieses Know-Hows im Umgang mit Talenten ist Krattenmacher wohl noch Teil des Kaders. Der heute 18-Jährige stand bislang in jedem Drittliga-Spiel auf dem Platz. Beim triumphalen 2:0-DFB-Pokal-Erfolg gegen den FC Augsburg – im Zweitrundenspiel reist nun Fortuna Düsseldorf nach Bayern – kam der Goalgetter zudem zu einem Kurz-Einsatz.
Es gibt viele spannende Geschichten zum Liga-Neuling zu erzählen. Obwohl das Synonym eigentlich fehl am Platz wie ein Schalke-Trikot auf der WAZ-Westkurve ist: Haching hat 425 und damit die zweitmeisten Drittliga-Spiele der Wettbewerbsgeschichte hinter sich. 2008 klopfte die Spielvereinigung gar an Tür und Tor der Zweitklassigkeit, verpasste den Aufstieg nur knapp. Später pendelte sich die Mannschaft, die einst Fahrstuhlfahren zwischen 1. und 2. Bundesliga sowie Drittklassigkeit besser beherrschte als ein Aufzugführer, in der 3. Liga ein. Mit zwei Jahren Unterbrechung war Unterhaching zwischen 2008 und 2021 Stammgast.

Eine weitere Anekdote für die Geschichtsbücher: die Sache mit Sandro Wagner. Nach dem Drittliga-Abstieg nahm der Klub ein Risiko und beförderte U19-Trainer Wagner, ein Jahr zuvor noch Torjäger vom Dienst bei Tianjin Teda und damit Teamkollege von RWE-Capitano Felix Bastians, zum Übungsleiter. Zwei beachtliche Saisons und ein Aufstieg später ist der 35-jährige Münchener heute Co-Bundestrainer von Julian Nagelsmann. Kann man so machen!
Des einen Glückes stellte in diesem Fall den anderen vor eine Aufgabe: Klubpräsident Manfred Schwabl musste einen neuen Coach für die 3. Liga suchen – und fand ihn in Marc Unterberger. Der 34-Jährige war rund 13 Jahre in der Hachinger Jugendabteilung beschäftigt. Für sein Engagement nimmt die SpVgg Unterhaching eine Geldstrafe in Kauf: Weil Unterberger nicht über die nötige Fußballlehrer-, sondern „nur“ über eine A-Lizenz verfügt, zahlt der Klub 10.0000 Euro Sanktion an den Deutschen Fußball-Bund. Pro Spieltag, an dem Unterberger das Team leitet, kommen weitere 3.500 hinzu. Mit Strafen kennt sich die SpVgg ohnehin aus: 30-mal kassierten die Süd-Münchener schon gelb. Stolzer Wert!
Immerhin: Fünmal spielte der Bayern-Klub Remis, zweimal sammelte Unterhaching Dreier – und nur eine einzige Partie ging verlroren; das ist ligaweiter und mit Saarbrücken sowie Regensburg geteilter Bestwert. Damit steht ein solider 12. Tabellenplatz. Besonders beachtlich dabei: die Mannschaft ist zur Vor-Saison nahezu komplett unverändert. Nur Stamm-Innenverteidiger Raphael Schifferl wechselte vom österreichischem Wolfsberger AC auf Leihbasis in die Münchener Metropolregion – und das nur, weil zwei Innenverteidiger den Klub verließen.
Haching hat sein inneres Gleichgewicht gefunden. Die klare Philosophie: Junge Hüpfer treffen auf alte Haudegen! 18 Spieler unter 22 – 16 davon kickten einmal für die eigene Jugend. Auf der anderen Seite sieben Spieler, die 32 Jahre alt oder älter sind. Ihre Erfahrung: zusammengerechnet an die 2.600 Profi-Pflichtspiele – was für eine Zahl!
SpVgg-Torgarant Patrick Hobsch liegt mit 28 Lenzen übrigens genau dazwischen: er erzielte in zwei Bayern-Regionalliga-Jahren 55 Treffer in 72 Spielen, legte 13 weitere auf und hat damit einen Scorer-Durchschnitt von beinahe einem Treffer pro Spiel. Auch das bringt zum Staunen.
Eine Schlüsselrolle nimmt Hobsch auch in der 3. Liga ein, er war schließlich derjenige, der am vergangenen Wochenende gegen den BVB einen Punkt rettete. Im „Stadion Rote Erde“ holte der wuchtige Angreifer mit seinem Team einen 0:2-Rückstand auf. Nach 87 Zeigerumdrehungen vollendete Hobsch ein hohes Anspiel als letzter Mann und schraubte seinen derzeitigen Tor-Stand so auf drei Treffer hoch. Damit ist der 28-Jährige, der wenige Tage nach der Partie Geburtstag feiert, nun alleinig bester Unterhaching Torschütze.
Das Stadion:
Uhlsport Park | Eröffnet: 1992 (Letzte Renovierung: 2019) | Eigentümerin: Stadt Unterhaching
Letzte 07 Duelle:
- 15. April 2007: RWE – Unterhaching 1:1 (Tor Rot-Weiss: Bucher [Eigentor])
- 12. November 2006: Unterhaching – RWE 2:1 (Tor: Buck [Eigentor])
- 22. Mai 2005: RWE – Unterhaching 0:1
- 12. Dezember 2004: Unterhaching – RWE 4:0
- 11. Juni 1997: RWE – Unterhaching 1:2 (Tor: Vier)
- 08. Dezember 1996: Unterhaching – RWE 2:0
- 09. Dezember 1989 Unterhaching – RWE 0:2 (Tore: Thommessen / Kontny)
Der Schiedsrichter:
Felix Prigan aus Deizisau in Baden-Württemberg, pfeift mit jungen 24 Jahren am kommenden Mittwoch sein zweites Drittliga-Spiel. Die erste Partie vor zwei Wochen hatte es gleich in sich. Im Duell zwischen Borussia Dortmunds Amateuren und Viktoria Köln musste Prigan gleich zweimal auf den Punkt zeigen.
Bei der Spielführung helfen Prigan die Assistenten Kadir Yagci (23) und Kenny Abieba (25, Nürnberg) sowie als vierter Offizieller Felix Wagner (22).
Das Wetter:
Bestes Wetter im Süden! Bei 14 Grad wird sich der Sonnen- langsam gegen den Flutlichtschein auswechseln.
Übertragung:
MAGENTA SPORT überträgt die Partie ab 18.45 Uhr live. Franz Büchner kommentiert das Match, Moderator ist Simon Köpfer.
