19. Oktober 2023

Mustafa Kourouma: „Tor war eine Befreiung!“

20-jähriger Innenverteidiger im Interview.

Mustafa Kourouma: „Tor war eine Befreiung!“ – Rot-Weiss Essen
Den Moment wird er nie vergessen: Mustafa Kourouma köpfte am vergangenen Freitag zu seinem ersten Drittligator ein – ausgerechnet gegen Jugendklub BVB. (Foto: Höft)

23,7 Jahre: Das war das Durchschnittsalter der Startelf von Rot-Weiss Essen-Cheftrainer Christoph Dabrowski im Auswärtsspiel bei der U23 von Borussia Dortmund (2:1). Mit Mustafa Kourouma konnte sich einer der Jüngsten auf dem Feld in die Torschützenliste eintragen. Über die Stationen Bayer 04 Leverkusen und auch Borussia Dortmund führte einst der Weg des Deutsch-Guineers im Sommer 2020 zur U19 der Rot-Weissen. Vor dem Heimspiel gegen den 1. FC Saarbrücken nahm sich der 20-jährige Innenverteidiger Zeit für ein Interview.

Hallo Musti! Nach turbulenten Tagen konntet Ihr Euch bei der U23 von Borussia Dortmund 2:1 durchsetzen. Hat der Sieg daher besonders gutgetan?
Mustafa Kourouma: Absolut. Die Zeit davor war anstrengend und intensiv. Trotz der beiden deutlichen Niederlagen in Unterhaching und gegen den SC Verl wollten wir mit viel Selbstbewusstsein auftreten und unseren Stiefel durchdrücken. Der Sieg hat sich auch direkt bei der Trainingsqualität bemerkbar gemacht.

Wann hattest Du erfahren, dass Du in der Startelf stehen wirst?
Am Donnerstag, also einen Tag vorher. Ich habe mich tierisch gefreut und direkt meine Familie und meinen Berater angerufen. Meine Mama und meine kleine Schwester waren dann auch vor Ort im Stadion.

Für Dich war es der erste Einsatz seit dem 3. Spieltag, dazu noch vor mehr als 17.000 Zuschauern im Signal Iduna Park. Warst Du nervös?
Ich konnte die Nacht gut schlafen. (lacht) Schon während der vergangenen Saison hatte ich ja ein paar Startelf-Einsätze. Ich habe das Spiel als Chance gesehen, mich mal wieder in einem Wettkampf zeigen und beweisen zu können. Ich bin sehr froh, dass es ganz gut geklappt hat.

Für den BVB hast Du zwei Jahre lang im Nachwuchs gespielt. Wie denkst Du an die Zeit zurück?
Es war sehr lehrreich, in einem so großen Nachwuchsleistungszentrum gefördert zu werden. Ich konnte viel für meinen Weg mitnehmen. Leider lief es zum Ende nicht mehr so gut. Ich hatte mir bei der U17 eine Fußverletzung zugezogen und bin eine Weile ausgefallen. Kurz nachdem ich wieder fit war, fing es mit der Corona-Pandemie an.

Ich hatte entsprechend wenig Einsatzzeiten. Es war zwar eine Option, auch in der U19 für den BVB zu spielen. Die Aussicht auf mehr Spielpraxis und der mögliche Anschluss an die Profis haben für mich aber den Ausschlag für einen Wechsel zu RWE gegeben. Und ich bin froh, mich so entschieden zu haben.

Mustafa Kourouma: „Tor war eine Befreiung!“ – Rot-Weiss Essen
Kourouma: „Bin besser geworden, kann mich aber noch weiter steigern!“ (Foto: Endberg)

Dir ist dann sogar noch der Führungstreffer gelungen. Wie hast Du das Tor erlebt?
Ich habe schon früh nach dem Eckball von Eric Voufack gemerkt, dass ich meine Position für die Hereingabe nicht viel ändern muss und ich besser zum Ball stehe als mein Gegenspieler. Ich musste quasi nur noch ein bisschen hochspringen und habe mit voller Kraft auf das Tor geköpft. Das Tor war eine Befreiung.

Du warst auch in den Zweikampf verwickelt, der zum Elfmeter für den BVB-Nachwuchs geführt hat. Wie blickst Du auf die Situation zurück?
In dem Moment habe ich ganz klar gedacht, dass ich den Ball gespielt habe. Nachdem ich die Bilder noch einmal gesehen habe, kann man schon sagen, dass ich etwas zu dynamisch in der Aktion war. Tendenziell ist es für mich zwar weiterhin kein Elfmeter, aber die Entscheidung war durchaus vertretbar. Wir haben den Strafstoß während des Spiels schnell abgehakt und konnten ja auch unmittelbar danach wieder in Führung gehen. Das war besonders wichtig.

An welchen Dingen willst Du besonders arbeiten, um möglichst in der Startelf zu bleiben?
Ich bin in den zurückliegenden Wochen am Ball schon besser geworden, kann mich da aber noch weiterhin steigern. Das bedeutet: Beim Spielaufbau darf ich nicht hektisch werden, wenn der Gegner früh Druck ausübt, und will so auf das Team Ruhe ausstrahlen. Bei der Kommunikation auf dem Platz kann ich noch mehr aus mir herausgehen. Bei so einer Kulisse wie in Dortmund – und natürlich auch bei uns an der Hafenstraße – hört man selbst seinen Nebenmann teilweise nicht. Da gilt es dann, sich mit Gestik und Mimik zu verständigen.

Mustafa Kourouma: „Tor war eine Befreiung!“ – Rot-Weiss Essen
Einstiges fördeRWErk-Talent: Hier feiert Kourouma 2022 kurz vor dem Sprung ins Profiteam mit seinem U19-Kollegen den Niederrheinpokalsieg. (Foto: Endberg)

Nun geht es mit dem Heimspiel gegen den ambitionierten 1. FC Saarbrücken weiter. Welchen Eindruck hast Du vom Gegner?
Wir treffen auf ein physisch sehr starkes Team. Wir müssen uns auf viele Flankenversuche einstellen und auch bei möglichen Abprallern hellwach sein.

Was wird sonst noch für Euch wichtig sein?
Wenn wir bei solchen Situationen schnell reagieren, ergeben sich dadurch Umschaltmomente. Bei eigenem Ballbesitz wollen wir das Spiel bestimmen und selbstbewusst im Aufbau agieren. Ich bin zuversichtlich, dass wir so auch zu unseren Chancen kommen werden.

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