27. Oktober 2023
Gegensätzliche Pottduell-Vorzeichen
Duellcheck: RWE gastiert bei Tabellenletztem MSV Duisburg.

Derbyzeit! Wenn Rot-Weiss Essen am Samstag (14.00 Uhr) beim MSV Duisburg in der Schauinsland-Reisen-Arena gastiert, treffen zwei Klubs aufeinander, deren Ausgangslage wohl kaum unterschiedlicher sein könnte: Während die Meidericher erst ein Saisonspiel gewinnen konnten und derzeit trotz großer Kader-Qualität und -Routine auf dem letzten Tabellenplatz stehen, tritt RWE die kürzeste Auswärtsfahrt der Saison 2023/24 mit zwei Siegen im Gepäck und somit breiter Brust an. Die Vorzeichen beim bislang bestbesuchten Drittliga-Kräftemessen des Turnus, an dem Zuschauer-Primus Dynamo Dresden nicht beteiligt ist, also deutlich? Christoph Dabrowski mahnt: „Gerade in Derbys können Mannschaften Energien entwickeln, die eigene Situation zu verändern!“
Die Ausgangslage:
Als die RWE-Profis am vergangenen Sonntag nach dem 2:1-Sieg gegen den 1. FC Saarbrücken vom Mannschaftskreis Flutlicht und Menschenmengen auf der horrend lauten WAZ-Westkurve entgegenschritten, war das Grinsen so breit, dass selbst das vielzitierte Honigkuchenpferd vor Neid erblassen würde. Zum zweiten Mal in der RWE-Drittliga-Geschichte schaffte es das Team, zwei Siege in Folge zu feiern. „Natürlich vergrößert das das Selbstvertrauen“, weiß Isaiah Young.
Der 25-Jährige ist einer von drei RWE-Profis, die in den vergangenen zwei Spielen nach Kopfball-Abschlüssen jubeln durften. So wird die Stärke an den Haarspitzen und auf der Stirn für die – Moussa Doumbouyas stolzen 1,88 Meter ausgerechnet – gar nicht überdurchschnittlich großen Offensive in den letzten Spielen zur Krux: Sechsmal traf RWE insgesamt in dieser Saison schon durch Kopfbälle – Liga-Bestwert. Wie so oft gilt dabei: Nicht Quanti-, sondern Qualität zählt. Von 27 Abschlüssen mit Köpfchen sitzt beinahe jeder vierte, auch diese Effizienz toppt kein Drittligist.

RWE grüßt jedenfalls gerade von der Tabellen-Sonnenseite. Nie war das Team von Coach Christoph Dabrowski in der eigenen Drittliga-Historie besser platziert als an derzeitig 6. Position. Liefe am Wochenende alles mit einem RWE-Sieg nach Plan und Erzgebirge Aue (So., 19.30 Uhr gegen den SC Freiburg U23) sowie die Borussia Dortmund U23 (Sa., 14.00 Uhr gegen den SV Sandhausen) würden die eigenen Spiele nicht gewinnen, dann winkt gar der vierte Tabellenplatz. Doch – und jetzt fließt mal wieder Kohle ins Phrasenschwein – die 3. Liga ist eng beisammen: Geht alles schief, findet sich RWE nach dem Wochenende an Tabellenstelle 13 wieder.
Zu den guten Ergebnissen der vergangenen beiden Spiele trägt nicht zuletzt die wiedererlangte starke RWE-Defensivleistung im Zentrum bei: José-Enrique Rios Alonso darf seither mit einer Zweikampfquote von 72 Prozent und 92% angekommenen Pässen prahlen, der im Saarbrücken-Spiel zurückgekehrte Felix Götze gewann stolze 60 Prozent aller direkten Duelle und brachte 90 Prozent aller Abspiele an den eigenen Mann. Ausgezahlt wurde das in „nur“ zwei Gegentoren. Bei vier erzielten Treffern allemal Grund zu feiern!

Doch Kopfballstärke hin, Defensivleistung her – auch gegen den Tabellenletzten MSV muss Rot-Weiss Essen Power auf den Platz bringen. Das weiß besonders der routinierte Fußballer Christoph Dabrowski: „Wir haben die Situation beim Gegner nicht in der Hand und wollen uns auf unsere Stärken verlassen!“ Der RWE-Cheftrainer warnt sein Team auf der Pressekonferenz vor dem Spiel: „Bewegen wir uns nicht am Maximum, wird das auch in diesem Spiel bestraft!“
Eine Statistik darf Rot-Weiss Essen sicher nichtdestotrotz Mut machen: Niederrheinpokal eingerechnet, gewann das Team von Chef-Trainer Dabrowski sieben der vergangenen zehn Ruhrgebiets-Duelle und verlor davon nur eins. Gegner unterhalb der Regionalliga ausgerechnet, bleiben es stolze drei Siege und zwei Remis in sechs Partien. Und auch ein mit 5.000 Fans gefüllter Gästeblock gibt der RWE-Mannschaft Rückenwind. Außenverteidiger Eric Voufack: „So ein Derby vor solch einer Kulisse habe ich noch nicht erlebt!“
Weiterhin verzichten muss Rot-Weiss Essen in Duisburg auf Thomas Eisfeld (Aufbautraining nach Teilriss der Symdesmose), Fabian Rüth (Aufbautraining nach Kreuzbandriss) und Ekin Celebi (Reha nach Leisten-OP). Björn Rother sitzt das letzte Spiel seiner Rotsperre ab. Lucas Brumme, der gegen Saarbrücken seine Position wegen Oberschenkelproblemen frühzeitig räumen musste, befindet sich seit Donnerstag im Mannschaftstraining und steht Dabrowski somit zur Verfügung.
Der Gegner:
Der MSV Duisburg hat einen neuen Hoffnungsträger mit Bundesliga-Erfahrung. Boris Schommers, zuvor unter anderem Trainer des 1. FC Nürnbergs, verantwortet seit rund zwei Wochen die Trainergeschicke an der Wedau. Sein Einstand gestaltete sich jedoch weitaus anders als erhofft: Auf das Niederrheinpokal-Aus gegen Fünftligist KFC Uerdingen (0:1) folgte eineinhalb Wochen später die 0:1-Niederlage bei Zweitliga-Absteiger Arminia Bielefeld.
Vor Schommers‘ Verpflichtung hatten die „Zebras“ ohnehin einen Fehlstart sondergleichen hingelegt und nur ein Ligaspiel (1:0 gegen Unterhaching) gewonnen. Die rote Laterne trägt der Meidericher Sportverein so bis heute fest vor sich her – auch wenn zu Buche schlägt, dass der MSV ein Spiel weniger auf der Haben-Seite hat: Vor zwei Wochen wurde das Kräftemessen mit dem 1. FC Saarbrücken (wird im November nachgeholt) wegen der Länderspiel-Berufung von Casper Jander in die U20-Nationalmannschaft abgesetzt.

Auch der 20-Jährige lässt einen Schimmer Zuversicht von den Wolken auf den Mittelkreis der Schauinsland-Reisen-Arena scheinen. Jander legte nach Keeper Vincent Müller (23) die meisten Einsatzminuten auf das Parkett und führt gemeinsam mit Abwehrhüne Sebastian Mai (29) mit drei Scorern die Duisburger Trefferbeteiligungsliste an.
Bei letzterem Fakt dürfte sich Neu-Coach Schommers wohl eher weniger die Hände reiben. Besonders offensiv stockt es schließlich bei den Duisburgern. Kein Stürmer erzielte bisweilen einen Treffer. Die Sommerabgänge von Youngster Julian Hettwer (20 zur BVB U23) sowie Routinier Moritz Stoppelkamp (36/zu RW Oberhausen) fallen somit schwerer ins Gewicht als erhofft. Überhaupt netzten die Duisburger in dieser Saison bisweilen nur siebenmal – auch im Quotienten gerechnet (0,63 Treffer pro Spiel) schlechtester Ligawert. Im Angriff findet der MSV zudem keinen festen Stamm: Tim Köther absolvierte 73% aller möglichen Einsatzminuten, Alexander Esswein 66%, dann kommt Chinedu Ekene mit 60%. Auch Benjamin Girth findet nicht in seine Form der Vor-Saison (10 Scorer in 19 Spielen).
Für die Verantwortlichen um Präsident Ingo Wald (65) dennoch klar: An der Wedau müssen Punkte her – und das definitiv im straffen Endprogramm der Rückrunde. Auf den MSV warten noch Tabellenführer Dynamo Dresden sowie Aue und der FC Ingolstadt aus der ersten Klassement-Hälfte sowie Zweitliga-Absteiger SV Sandhausen – derzeit an elfter Stelle. Hinzu kommen zwei Kellerduelle gegen den SV Waldhof Mannheim und den VfB Lübeck.

Um die Trendwende herbeizuführen, setzt Schommers bisweilen auf ein ähnliches System wie Vorgänger Torsten Ziegner. In beiden Spielen agierte der 44-Jährige aus einer defensiven Ausrichtung heraus mit Viererkette, zwei defensiven Mittelfeldspielern und einer Sturmspitze. Früher in der Saison richtete Ziegner Duisburg auch mit fünf Verteidigern aus. Das gut gefüllte Stadion sieht Schommers derweil als „Chance“ an, wie er gegenüber „Reviersport“ unter der Woche betont: „Grundsätzlich ist egal, gegen wen wir spielen, wir müssen erst einmal 100 Prozent unserer Leistung bringen!“
Bitter aus MSV-Sicht: Auf den vollen Tribünen sitzen am kommenden Samstag drei, im schlechtesten Fall gar sechs Spieler. Niklas Kölle fällt seit Saisonbeginn mit schwerer Schulterverletzung aus, Routinier Marvin Bakalorz plagen Sprunggelenksprobleme. Auch Torhüter Dennis Smarsch ist wegen Patellasehnenproblemen kein Kader-Kandidat. Hinzu kommen die möglichen Ausfälle der Offensivkicker Pascal Köpke und Köther und von Außenverteidiger Baran Mogultay.
Das Stadion:
Schauinsland-Reisen-Arena | 1922 eröffnet (2003-2004 zuletzt renoviert) | 31.500 Plätze | Eigentümerin: MSV Duisburg Stadionprojekt GmbH
Vorherige 07 Duelle:
- 05. Februar 2023: RWE – MSV Duisburg (1:1 / Tor RWE: Rios Alonso)
- 05. August 2023: MSV Duisburg – RWE (2:2 / Tore: Engelmann, Ennali)
- 25. Mai 2017: RWE – MSV Duisburg (0:2)
- 08. April 2014: RWE – MSV Duisburg (1:4 n.E. [1:1] / Tor: Langlitz)
- 20. Mai 2007: MSV Duisburg – RWE (3:0)
- 17. Dezember 2006: RWE – MSV Duisburg 1:2 / Tor: Younga Mouhani)
- 03. Februar 2005: RWE – MSV Duisburg (1:0 / Tor: Lintjens)
Der Schiedsrichter:
Schiedsrichter ist Florian Lechner aus Hornstorf. Der 32-Jährige pfeift seit einigen Jahren auch in der 2. Bundesliga und war Unparteiischer bei den RWE-Spielen gegen Viktoria Köln (August 2022, 1:4) und den Halleschen FC (Mai 2023, 0:2) in der Vor-Saison.
Ihm assistieren Steven Greif (30, Westhausen) und Julius Martenstein (32, Cölbe). Als vierter Offizieller vermittelt Yannick Rupert (23, Dortmund).
Das Wetter:
Samstag kommt die Sonne raus! Bei 14 Grad erwarten die Meteorologen keinen Regen, dafür aber etwas Wind.
Übertragung:
MAGENTA SPORT überträgt die Partie ab 13.45 Uhr live. Andreas Mann kommentiert das Match, Moderator ist Thomas Wagner.
