24. November 2023

Mit dem Sechsten den Ersten holen!

Duellcheck: Rot-Weiss Essen trifft auswärts auf den FC Ingolstadt.

"Five in a row!": Am Samstag will Rot-Weiss Essen gegen Ingolstadt der nächste Erfolg feiern.
„Five in a row!“: Nach dem Mannheim-Sieg soll am Samstag gegen Ingolstadt der nächste Erfolg gefeiert werden. (Foto: Höft)

In Bayern hat Rot-Weiss Essen die Chance, zum sechsten Mal in Folge zu gewinnen und so die längste Siegesserie seit knapp 20 Jahren weiter auszubauen. Gleichzeitig würde RWE den ersten Erfolg überhaupt gegen den FC Ingolstadt feiern. Also gleich zwei Argumente, auch am Samstag (14.00 Uhr) im Audi Sportpark wieder alles in die Waagschale zu werfen. Alles Wichtige zur Partie des 16. Spieltags der Drittliga-Saison lesen Rot-Weisse im Duellcheck!

Ausgangslage:

„Ich wollte nach dem verschossenen Elfmeter einfach nur noch ein Tor machen“, sagte Marvin Obuz lachend nach dem 2:0-Heimerfolg gegen den SV Waldhof Mannheim. Mission für den Mann der Stunde geglückt! Drei Treffer und zwei Torvorlagen aus den letzten vier Spielen sprechen für sich. Da brachte es den jungen Obuz auch nicht aus der Ruhe, dass er aus elf Metern an Waldhof-Keeper Lucien Hawryluk scheiterte. Denn knapp zehn Minuten später traf der Offensivmann nach schönem Doppelpass mit Cedric Harenbrock ins kurze Eck und damit gleichzeitig zum Endstand.

Mit dem Sechsten den Ersten holen! – Rot-Weiss Essen
Marvin Obuz (m.) ist mit vier Treffern und drei Torvorlagen der beste Scorer bei RWE. (Foto: Höft)

Mit 27 Punkten und auf Platz drei stehend sollte es also für Christoph Dabrowski und sein Team in die Länderspielpause gehen. Eine spielfreie Zeit allerdings wurde es nicht. „Im Rhythmus bleiben“ lautete die Devise und so testete Rot-Weiss letzte Woche Mittwoch gegen den Drittplatzierten der niederländischen Eredivisie Twente Enschede. RWE unterlag dem Champions League-Anwärter auf dem Willi-Lippens-Platz knapp mit 1:2 (0:1). „Das war ein guter Test gegen eine Top-Mannschaft aus der niederländischen ersten Liga. Enschede ist hoch angelaufen und hat uns immer wieder gefordert“, resümierte Fußballlehrer Dabrowski im Anschluss.

Einer, der in dieser Drittliga-Saison in jedem Spiel von Beginn an startete und auch gegen Twente von Minute eins ran durfte, ist Jose Enrique Rios Alonso. Der 23-Jährige ist die Konstante im Essener Defensivverbund, verpasste keine einzige Spielminute und spult Partie für Partie durchschnittlich über 10 Kilometer ab. „Bei mir ist es seit der Jugend schon so, dass ich immer viel laufe, das ist quasi mein Merkmal. Im Spiel selbst fällt mir das gar nicht auf“, sagt Rios Alonso. RWE ist aktuell im „Flow“. In Profi-Deutschland haben aktuell nur Bayer 04 Leverkusen (7) und Jahn Regensburg (8) mehr Siege in Serie einfahren können als Rot-Weiss. Grund dafür ist auch das eingespielte Abwehr-Duo bestehend aus Rios Alonso und Felix Götze. „Wir sind beide sehr zweikampfstark und werfen uns in jeden Ball rein. Aber auch insgesamt haben wir uns im Defensiv-Verbund in dieser Saison stark verbessert“, sagt „Ene“.

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Nicht nur Fußball gespielt wurde in dieser Länderspielpause, auch die Drittliga-Partien der Spieltage 18-21 wurden zeitgenau angesetzt. Demnach tritt Rot-Weiss Essen zum Jahresabschluss gleich zweimal unter Flutlicht zu Hause an (Fr., 15. Dezember, 19.00 Uhr, VfB Lübeck und Di., 19. Dezember, 19.00 Uhr Hallescher FC). Wenn das Licht an der Hafenstraße angeknipst wird, verliert RWE nicht. Drei Siege und ein Unentschieden wurden bisher eingefahren.

Doch bevor es wieder an die Hafenstraße geht, warten auswärts die „Schanzer“. Dem aufmerksamen Zuschauer wird auffallen, dass beide Teams gerade in Halbzeit zwei ins Laufen kommen. Würden lediglich die Punkte gezählt werden, die im zweiten Durchgang erzielt werden, stünde Ingolstadt auf dem dritten Rang und RWE einen Platz dahinter. Zusammen gerechnet sind in Spielen mit der Beteiligung von Rot-Weiss und Rot-Schwarz nach dem Pausenpfiff 57 Treffer gefallen. Im Schnitt also 3,8 (!) Tore pro Partie. Ob das am Samstag genauso sein wird, wird sich zeigen. Dabrowski jedenfalls weiß, dass seinem Team eine schwere Aufgabe bevorsteht: „Wir stellen uns auf einen Gegner ein, der uns unter Druck setzen will, der aktiv ins Pressing geht und der gerade im zentralen Bereich sehr viele individuell starke Spieler hat.“ „Wir sind aber selbstbewusst genug, auch von uns einzufordern, dass wir das Spiel aktiv gestalten wollen“, so Dabrowski über die Zielsetzung am Samstag.

Dabei helfen diese Zielsetzung umzusetzen kann Fabian Rüth (Reha nach Kreuzbandriss) noch nicht, auf ihn muss Dabrowski weiterhin verzichten. Thomas Eisfeld (Aufbautraining nach Teilriss der Symdesmose) und Ekin Celebi (nach Leisten-OP) befinden sich seit dieser Woche wieder teilweise im Mannschaftstraining.

Mit dem Sechsten den Ersten holen! – Rot-Weiss Essen
Trainiert in Teilen wieder mit dem Team zusammen: Ekin Celebi. (Foto: Endberg)

Gegner:

Wo Ingolstadt aufkreuzt, wackeln die Maschen: 60 Treffer fielen in dieser Saison schon in Spielen mit FCI-Beteiligung. Diesen Wert knackt kein Drittliga-Klub! Mit 27 selbst erzielten Toren sind die „Schanzer“ nach dem SC Verl offensivstärkstes Team der Liga. Hinter dem einstigen Bundesliga-Schlussmann Marius Funk (27) klingelte es allerdings auch schon 23-mal: Das ist zumindest in der ersten Tabellenhälfte zweithöchster Wert und einer der Gründe, warum Ingolstadt derzeit als Achtplatzierter den eigenen Erwartungen hinterherhinkt. Dabei tritt der FCI, dessen Verbandspokalspiel gegen Türkgücü München am vergangenen Samstag wegen starker Regenfälle ausfiel, eigentlich schon zum zweiten Mal als Aufstiegskandidat im Drittliga-Zirkus an – zumindest, wenn es nach anderen geht.

Mit dem Sechsten den Ersten holen! – Rot-Weiss Essen
Schon 23-mal musste Schnapper Marius Funk die Kugel aus den Maschen ziehen. (Foto: Endberg)

„Unser Wunsch und Wille ist es, gleich wieder aufzusteigen“, benannte es Klub-Boss Peter Jackwerth nach dem Zweitliga-Absturz 2022 klar. Die Hoffnung blieb bis zum Winter verheißungsvoll, plötzlich rauschten die Bayern ab: 2023 sammelte der FCI in 20 Restrundenspielen nur 16 Punkte. Nicht genug für den Aufstieg, das reichte allemal für Position 11. 15 Spieler verließen Ingolstadt so schlussendlich diesen Sommer – darunter auch RWE-Angreifer Moussa Doumbouya.

Eine wahre Umbruch-Herausforderung für Trainer Michael Köllner (zuvor 1860 München) und Sportdirektor Ivica Grlic (zuvor MSV Duisburg). Beide übernahmen im Formtief der Vor-Saison. Unter den Neuzugängen weiß besonders Jannik Mause (25) zu überzeugen. Der 1,89 Meter große Mittelstürmer ist mit neun Saisontreffer zweitbester Drittliga-Torschütze. Doch nicht nur er legte bislang gute Leistung auf den Platz: Vorjahres-Hansa-Rostock-Stammspieler Lukas Fröde (28) bekam auf Anhieb die Kapitänsbinde um den Arm, auch Verteidiger Simon Lorenz (26 / von Holstein Kiel) und Mittelfeldspieler Yannik Deichmann (29 / von 1860 München) mauserten sich sofort zu Stammspielern.

Mit dem Sechsten den Ersten holen! – Rot-Weiss Essen
Seit 2017 beim FCI: Tobias Schröck ist der Dienstälteste bei den „Schanzern“. (Foto: Endberg)

Mit ihrer Zielsetzung verhielten sich die „Schanzer“ derweil in dieser Saison defensiver: „Talente aufs nächste Level bringen“, hielt sich Köllner vor der Saison dem „kicker“ gegenüber bedeckt. Dass vier Drittliga-Coaches in der großen „kicker“-Trainerumfrage den FCI dennoch zu ihren Aufstiegsfavoriten zählten, hin oder her – die Ingolstädter können in dieser Saison nur „Hü“ oder „Hott“. Deutlichen Vier-Tore-Siegen gegen Halle (4:0), Freiburg (4:1) oder Ulm (4:0) stehen klare Niederlagen entgegen – wie zuletzt das 2:4 gegen Regensburg oder die 0:4-Pleite auf der Alm bei Arminia Bielefeld. Mit drei Remis teilen sich die Ingolstädter zudem ungern die Punkte – dafür aber diese Statistik mit RWE: Auch Rot-Weiss verzeichnete bisweilen drei Unentschieden.

Und so launisch die Ergebnisse des FCIs, so variabel das System, welches Köllner spielen lässt. Während er es zu Anfang der Saison meist mit drei Offensivspielern und Dreierkette probierte, bevorzugt er jetzt zwei Angreifer und Viererkette Zugute kommt das bislang vor allem Pascal Testroet (33). Der Routinier mit 114 Toren in 385 Zweit- und Drittligaspielen kam in den letzten beiden Spielen wieder zum Zug.

Verzichten muss Michael Köllner gegen Rot-Weiss Essen derweil auf Marcel Costly (Achillessehnenverletzung), Mladen Cvjetinovic (schwere Schulterverletzung), Maximilian Dittgen (Aufbautraining), Thomas Rausch (Innenbandriss), Tobias Schröck (angeschlagen) und David Udogu (Bänderverletzung).

Das Stadion:

Audi Sportpark | 2010 eröffnet | 15.200 Plätze | Eigentümerin: Audi Immobilien Verwaltung GmbH

Vorherige Duelle:

  • 25. Februar 2023: FC Ingolstadt – RWE (1:1 / Tor RWE: Harenbrock)
  • 20. August 2022: RWE – FC Ingolstadt (2:2 / Tore: Bastians, Engelmann)

Der Schiedsrichter:

Felix Prigan (24, Deizisau) leitet am Samstag sein viertes Drittliga-Spiel in dieser Saison, sein zweites davon mit RWE Beteiligung. An die erste Begegnung haben Rot-Weisse keine guten Erinnerungen: Mit 0:4 verlor das Dabrowski-Team bei der SpVgg Unterhaching.

Prigans Assistenten sind Kadir Yagci (23) und Kenny Abieba (25). Den Vierten Offiziellen gibt Felix Wagner (22).

Das Wetter:

Der Winter ist da! In Ingolstadt soll es am Samstag schneien. Die Tiefsttemperatur liegt bei -2 Grad.

Übertragung:

MAGENTA SPORT überträgt die Partie ab 13.45 Uhr live. Martin Piller kommentiert das Spiel, Moderator ist Tobias Wahnschaffe.

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