14. Dezember 2023
Duellcheck: Auf Kurs für 30!
RWE will zum Hinrundenabschluss gegen Lübeck Punktemarke knacken.

Als der Deutsche Fußball-Bund (DFB) im Hochsommer den Spielplan verkündete, luchste die Paarung zum rot-weissen Hin- und Rückrundenabschluss dem ein oder anderen Fan einen sorgevollen Blick ab. Der VfB Lübeck sorgt in diesem Kontext für Unbehagen, zu frisch ist die Erinnerung an den 31. Mai 2008. RWE verlor im Georg-Melches-Stadion 0:1 gegen die Nordlichter und war fortan Viertligist. Mit dem Abstiegskampf hat Rot-Weiss Essen in diesem Winter und hoffentlich noch im Sommer nichts am Hut – die Drittliga-Unentschieden-Könige von der Lohmühle dafür vielleicht schon. Sie rangieren derzeit als erstes Team unter dem Strich und wechselten unter der Woche den Coach. Das sorgt am Freitagabend, 19.00 Uhr, im Stadion an der Hafenstraße für ein Trainerduell zweier Ex-Aufstiegs-Teamkollegen. Alles Wissenswerte zum vorletzten Drittliga-Heimspiel des Kalenderjahres und gleichzeitig Hinserien-Abschluss im Duellcheck!
Die Ausgangslage:
„Mich ärgert die Spielabsage brutal“, haderte Mittelfeldspieler Thomas Eisfeld Ende der vergangenen Woche. Anhaltendes Winterwetter und Schneemassen verhinderten die Austragung der Auswärtspartie bei 1860 München – und damit auch den ersten Kadereinsatz des zuletzt am Sprunggelenk verletzten 30-Jährigen seit drei Monaten. Gegen Lübeck könnte es jetzt soweit sein.

Auf sein Drittliga-Debüt hofft auch Ekin Celebi. Essens 23-jähriger Linksverteidiger kämpfte mit Leistenproblemen, wurde operiert und steht nach fünf Verletzungsmonaten endlich wieder voll im Mannschaftstraining. Ob’s schon Freitag soweit sein könnte steht noch in den Sternen: „Wir werden auf keinen Fall ein Risiko eingehen“, sagt Chef-Trainer Dabrowski.
Wo der eine auf Premiere hofft, denken die anderen an Abschied – und zwar vom Hafenstraßen-Jahr. Zweimal – zusätzlich zur Partie gegen Lübeck auch gegen Halle (Di., 19.12., 19.00 Uhr) – steigt 2023 noch der Dezibelpegel im Essener Norden. Die Heimspiele Nummer 21 und 22 in diesem Kalenderjahr sollen dienen, Rot-Weiss Sieg acht und neun einzusacken. Nur viermal gingen Partien bei einem Heim-Torschussverhältnis von 25:23 verloren, achtmal teilte sich RWE im Kalenderjahr zuhause die Punkte. Unentschieden sind derzeit bei den Remis-geizigen Rot-Weissen allerdings rar gesät: Ohnehin sprang in der gesamten Saison 2023/24 nur dreimal eine Punkteteilung heraus – die letzte vor drei Monaten.
Weil das so ist – und auch Niederlagen, abgesehen der knappen 1:2-Pleiten gegen Ingolstadt und Sandhausen, nicht mehr häufig vorkommen – ist Rot-Weiss Essens Tabellenposition bequem. 27 Punkte bedeuten bei einem Spiel weniger die derzeit achte Position und komfortable 13 Zähler zur Abstiegszone. „Mein Wunsch wäre, vor der Winterpause 30+X Punkte zu holen“, gibt Chef-Coach Dabrowski vor: „Sollten wir das schaffen, wäre es mit Sicherheit ein gelungener Jahresabschluss.“

Um die Marke zu knacken, muss RWE allen voran effizienter werden. Von 19 Torschüssen gegen Ingolstadt und Sandhausen, darunter so manch ein Hochkaräter, verwertete Rot-Weiss Essen nur zwei. „Wir haben mit großer Intensität an diesem Thema gearbeitet“, verspricht Mannschaftskapitän Vinko Sapina. „Im Training waren allen voran Aktionen im letzten Drittel Thema.“ Im Angriff startet Ron Berlinski, das verriet Dabrowski auf der Pressekonferenz.
Coach Dabrowski kann hierfür nahezu aus den Vollen schöpfen: Weil möglicherweise Celebi und sicher Eisfeld gegen Halle zum Aufgebot gehören, muss Rot-Weiss Essen gegen Lübeck nur auf Fabian Rüth verzichten.
Der Gegner:
21 Jahre ist es her, da rührte der damals noch variabel in Mittelfeld und Verteidigung eingesetzte Christoph Dabrowski mit einem gewissen Bastian Reinhardt als Mannschaftskapitän erfolgreich Bielefelder Abwehrbeton an. Lediglich 38 Gegentore ließ die zweitbeste Zwetiliga-Defensive in der Saison 2001/02 zu. Arminia realisierte so und mit einem packenden Saisonfinale gegen LR Ahlen (3:1) Vizemeisterschaft und Bundesliga-Aufstieg.
Exakt 7.894 Tage später gibt der 48-jährige Reinhardt beim VfB Lübeck sein Chef-Trainerdebüt im Seniorenfußball. Und das ausgerechnet gegen den Ex-Teamkollegen auf der anderen Trainerbank! Reinhardt, der 2010 als Sportvorstand des Hamburger Sportvereins die Karriere nach der Karriere einläutete und zwischendrin Jugendteams bei den Rautenkickern coachte, beerbt Lukas Pfeiffer. Den mit 32 Jahren bis dorthin jüngsten Drittliga-Trainer beurlaubte der VfB. Sportvorstand Sebastian Harms: „Wir sind überzeugt, dass die Mannschaft neue Impulse benötigt.“

Die Ergebnisse waren bei den Lübeckern, mit durchschnittlich 28 Jahren ältestes Team der 3. Liga, ausgeblieben: ein Sieg aus den vergangenen fünfzehn Spielen, zuletzt die deutliche 0:4-Pleite gegen Ingolstadt und zuvor das 0:1 im Duell mit Direktkonkurrent Duisburg. Das rettende Ufer liegt so vier Punkte entfernt. Nur angenommen, Halle (gegen Unterhaching) und 1860 München (gegen RWE) würden ihre Nachholspiele gewinnen, könnte der Abstand gar auf sieben (!) Zähler heranwachsen.
Zeit für die Verantwortlichen zu handeln. Statt Pfeiffer nimmt nun interimsweise Bastian Reinhardt den grün-weißen Chef-Coach-Sessel ein. Erst im Sommer war er als Assistenzcoach an die Lohmühle gewechselt. Stabilität gewinnen, so Reinhardts Zielsetzung: „Da steht die Defensive im Mittelpunkt.“ Auf ein Torlosremis spekuliere der Interimscoach an der Hafenstraße dennoch nicht: „Wir werden einen Plan entwickeln, um Treffer zu erzielen.“
Spezialgebiet von Cyrill Akono, der nach zweijähriger Drittliga-Tour über Verl und Dortmund wieder für Lübeck auf Torejagd geht. Den wuchtigen 23-Jährigen verbindet eine Freundschaft mit RWE-Mittelfeldkicker Vinko Sapina. Der mahnt: „‘Ako‘ hat einen brutalen Torriecher. Er geht immer nach und lauert!“ In dieser Saison ist der Knoten bei Akono noch nicht geplatzt, mit drei Treffern ist er gemeinsam mit Mats Facklam bester VfB-Torschütze.

Verzichten muss der VfB Lübeck, der zuletzt im 4-4-2-System auftrat, auf Robin Kölle, Felix Drinkuth, Kimmo Hovi, Morten Rüdiger sowie Zweitliga-Routinier Hanno Behrens, der wegen einer komplexen Verletzung in dieser Saison noch kein einziges Spiel absolvieren konnte. „Florian Kirschke, der seine Karriere im Winter wegen seiner Bandscheinproblematik beenden muss, steht derzeit nur für den Notfall zur Verfügung“, informiert Reinhardt.
Vorherige 07 Duelle:
- 31. Mai 2008: RWE – VfB Lübeck (0:1)
- 24. November 2007: VfB Lübeck – RWE (1:2 / Tore RWE: Guie-Mien, Lindbaek)
- 09. Dezember 2005: VfB Lübeck – RWE (0:0)
- 02. August 2005: RWE – VfB Lübeck (1:2 / Tor: Boskovic)
- 28. März 2002: RWE – VfB Lübeck (0:1)
- 29. September 2001: VfB Lübeck – RWE (0:3 / Tore: Blaich (2), Karp)
- 12. Mai 2001: VfB Lübeck – RWE (4:1 / Tor: Raschke)
Der Schiedsrichter:
Tom Bauer leitet das Freitagabendspiel. Der 27-jährige Mainzer pfiff Rot-Weiss Essen zuletzt bei der 1:2-Auswärtsniederlage in Aue (März 2023). Seine Assistenten sind Oliver Lossius (33, Bonn) und Kenny Abieba (25, Nürnberg). Als Vierter Offizieller vermittelt der Dortmunder Yannick Rupert.
Das Wetter:
Bei bewölkten 7 Grad verschont der Winter die Hafenstraße am Freitag.
Übertragung:
MAGENTA SPORT überträgt die Partie ab 18.30 Uhr live. Christian Straßburger kommentiert das Match, Moderator ist Tobi Schäfer. Ihm steht Daniel Flottmann als Experte zur Seite.
