22. November 2024

Tobias Kraulich: „Jeder hinterfragt sich“

25-jähriger RWE-Innenverteidiger vor Heimspiel gegen SV Sandhausen im Interview. 

Tobias Kraulich: "Jeder hinterfragt sich" – Rot-Weiss Essen
Tobias Kraulich stand im Sommer als einer der ersten Neuzugänge fest. (Foto: Endberg)

Abwehrspieler Tobias Kraulich ist nach Kapitän Michael Schultz, der bisher alle 1.260 Spielminuten in dieser Saison absolvierte, sowie Top-Scorer Ahmet Arslan (1.193) und Ramien Safi (984) der vierte Neuzugang, der seit seinem Wechsel zu Rot-Weiss Essen mit 837 Minuten regelmäßig Einsatzzeiten sammelt. Der Innenverteidiger, der bis zum Sommer für Dynamo Dresden am Ball war, stand bei seinen bisherigen elf Einsätzen in der Liga neunmal in der Startformation und wurde zweimal eingewechselt. Vor dem Anpfiff des Heimspiels gegen Tabellenführer SV Sandhausen nahm sich der 25-Jährige Zeit für ein Interview mit der „kurzen fuffzehn“. 

Hallo Tobias, hinter Euch liegt ein durchaus dramatisches Niederrheinpokal-Viertelfinale. Wie hast du das 3:1 beim SV Sonsbeck auf dem Platz erlebt? 

Tobias Kraulich: Ich denke, von außen hat sich das nicht wesentlich anders angefühlt als auf dem Feld. Wir haben zunächst nicht den Fuß in die Tür bekommen. Der Gegner hatte gegen uns sein Spiel des Jahres, das frühe Führungstor hatte das Team noch zusätzlich beflügelt. Nach der Pause und den Wechseln haben wir mehr Druck aufgebaut. Dennoch müssen wir uns auch bei Torhüter Felix Wienand bedanken, der kurz vor dem Ausgleich das 0:2 verhindert hatte. 

Wie wichtig war das Weiterkommen auch nach dem 1:2 beim FC Erzgebirge Aue? 

Ganz unabhängig von der 3. Liga haben wir das Ziel, den Niederrheinpokal zu gewinnen. Wir wissen, dass aktuell Druck auf dem Kessel ist. Indem wir in der Schlussphase noch unsere Tore erzielen konnten, haben wir zumindest verhindert, dass der Druck noch weiter steigt. Tage wie in Aue, an denen wir eine ganze Reihe an guten Möglichkeiten ungenutzt gelassen haben, können passieren. Wir haben den Jungs da auch keine Vorwürfe gemacht. Wichtig ist, dass wir nach solchen Spielen dranbleiben. In unserer aktuellen Situation zählt es, Punkte zu sammeln, unabhängig vom Gegner. 

Du kommst gebürtig aus Erfurt und bist bei RWE nun erstmals im Ruhrgebiet am Ball. Wie gefällt es Dir in der Region? 

Sehr gut. Ich hatte auch das Glück, dass ich drei, vier Jungs bereits aus der Gegend kenne. Mit dem früheren RWE-Torhüter Hendrik Bonmann habe ich beispielsweise zusammen für die Würzburger Kickers gespielt. Ich fühle mich hier sehr wohl, habe eine Wohnung in Rüttenscheid gefunden. Ich mag die Art und den Humor der Menschen. Neben dem Platz studiere ich BWL. Mit meinen Mitspielern gehe ich gerne in ein Café oder zocke mit Freunden von früher Videospiele. 

Mit Würzburg hast Du während Deiner Karriere auch schon einige Partien in der 2. Bundesliga absolviert. War das rückblickend Dein bisheriges Highlight? 

Vom Papier her und fußballerisch auf jeden Fall. Leider war das eine Spielzeit, in der wegen der Corona-Pandemie keine Zuschauer zugelassen waren. Die Partie auf St. Pauli hätte ich zum Beispiel sehr gerne vor Fans bestritten. Die Spiele waren dennoch sehr lehrreich, wie auch meine Zeit zuvor bei der zweiten Mannschaft des 1. FC Nürnberg. Ich durfte zum Beispiel unter dem damaligen FCN-Cheftrainer Michael Köllner am Winter-Trainingslager der Bundesliga-Profis in Spanien teilnehmen. 

Für Aufstiegsanwärter Dynamo Dresden hattest Du in der zurückliegenden Spielzeit alle Deine Einsätze von Beginn an absolviert. Was hatte Dich von einem Wechsel an die Hafenstraße überzeugt? 

Weil mein Vertrag auslief, hatte ich mir natürlich Gedanken gemacht, wie es für mich weitergeht. RWE hatte dabei schon sehr früh die Initiative ergriffen. Noch vor meinem Urlaub habe ich mir die Bedingungen an der Hafenstraße angeschaut und Gespräche mit Trainer Christoph Dabrowski sowie der Sportlichen Leitung um Christian Flüthmann und Marcus Steegmann geführt. Mir war dann schnell klar, dass ich das machen will. 

Du standest bislang in elf von 14 möglichen Drittliga-Spielen auf dem Feld. Wie fällt Dein persönliches sportliches Fazit aus? 

Ich hatte in Dresden verletzungsbedingt seit Februar kein Spiel mehr bestritten. Ich denke, da ist es ganz normal, ein wenig Anlaufzeit zu benötigen. Vielleicht war die Ausfallzeit auch ein Zeichen von meinem Körper, dass ich abseits des Trainings zu viele Einheiten eingelegt habe. Ich nehme mir nun mehr Zeit, um zu regenerieren. Beim Spiel in Rostock hatte ich wegen Beschwerden am Sprunggelenk gefehlt. Sonst gab es keine gravierenden Verletzungsprobleme. Insgesamt fühle ich mich körperlich sehr gut. Ich werde immer stabiler und sehe mich auf einem guten Weg. Viel wichtiger ist aber der Erfolg des Teams und da befinden wir uns noch unter unseren Möglichkeiten. Jeder hinterfragt sich, wie er seinen Teil dazu beitragen kann, die Situation wieder zu verbessern. 

Wie würdest Du Deine eigene Spielweise beschreiben? 

Ich bin mit 1,91 Metern großgewachsen. Dadurch kann ich viele Kopfballduelle für mich entscheiden. Meine Stärken sehe ich mit dem Ball. Mein Spielaufbau war ein Hauptgrund, warum mich die Verantwortlichen holen wollten. Ich spiele gerne auch mal einen anspruchsvolleren Pass. In der aktuellen Situation wägt man das Risiko aber etwas mehr ab. Ich versuche, auf dem Platz viel mit den Jungs zu sprechen und aggressiv in die Zweikämpfe zu gehen. 

Als sich mit dem FC Energie Cottbus beim letzten Mal ein Tabellenführer an der Hafenstraße vorgestellt hatte, sprang ein 4:0 heraus. Spielt das im Hinterkopf noch eine Rolle? 

Wir können uns schon daran hochziehen, dass wir schon einmal gegen einen Spitzenreiter verdient gewinnen konnten. Dennoch erwartet uns nun ein anderer Gegner. Der Kader des SV Sandhausen ist gut besetzt. Bei uns ist die individuelle Qualität aber auch nicht niedrig. 

Was wird für Euch vor allem wichtig sein? 

Wir müssen – wie gegen Cottbus – den Plan unseres Trainers Christoph Dabrowski zu 100 Prozent umsetzen und über die gesamte Spieldauer konzentriert auftreten, um erneut zu Null zu spielen. Im besten Fall zeigen wir uns dann in der Offensive auch wieder ähnlich effizient wie gegen Cottbus.