7. Februar 2025
Klaus Gjasula vor Unterhaching: „Es geht nur gemeinsam“
Der 35-jährige Mittelfeldspieler spricht im „kurze fuffzehn“-Interview.

Von der Oberliga bis in die Bundesliga und mit der albanischen Nationalmannschaft bis zur Europameisterschaft 2024 in Deutschland: Seit rund einem Monat bringt Klaus Gjasula seine geballte Erfahrung von 51 Einsätzen in der höchsten deutschen Spielklasse und 83 Begegnungen in der 2. Bundesliga bei Rot-Weiss Essen ein. Die ersten Partien mit dem Routinier im RWE-Trikot verliefen mit dem 5:1 gegen die U23 von Hannover 96 und dem 2:1 bei Arminia Bielefeld gleich erfolgreich. Vor dem Heimspiel gegen die SpVgg Unterhaching nahm sich der 35-Jährige Zeit für ein Interview mit der „kurzen fuffzehn“.
Hallo Klaus! Du stehst vor Deinem dritten Einsatz für RWE. Werden die Fans auch den dritten Sieg erleben?
Klaus Gjasula: Das hoffen wir alle. Vor allem unsere Heimspiele wollen wir am liebsten gewinnen und werden alles dafür geben. Die Erfolge gegen die U23 von Hannover 96 und bei Arminia Bielefeld haben wir uns mit geschlossenen Teamleistungen erarbeitet. Jeder hat gefightet bis zum Schluss.
Den Jahresauftakt bei Alemannia Aachen hattest Du noch krankheitsbedingt verpasst. Bei wieviel Prozent siehst Du dich mittlerweile?
In der Woche nach dem Spiel gegen Hannover hatte ich mich tatsächlich schwergetan. Da habe ich schon gemerkt, dass der Einsatz vielleicht sogar noch zu früh kam. Auf eine aktuelle Prozentzahl würde ich mich zwar nicht festlegen. Aber ich merke immer mehr, dass ich an mein Optimum herankomme.
Du bist mittlerweile 35 Jahre und wurdest während Deiner Laufbahn weitgehend von Verletzungen verschont. Mit wieviel Arbeit ist das verbunden?
Es hat schon auch ein Stück weit auch mit Glück zu tun, nicht von Verletzungen betroffen zu sein. Allerdings kann man die Wahrscheinlichkeit dafür beeinflussen. Ich habe schon immer viel für meinen Körper getan, allerdings auch nicht unbedingt mehr als andere Spieler. Über die Jahre musste ich das Pensum ein wenig reduzieren, da mein Körper mittlerweile mehr Zeit zur Regeneration benötigt.
Du hast Deine Laufbahn im Herrenbereich einst in der Oberliga begonnen und es bis in die Bundesliga geschafft. Hättest Du das damals für möglich gehalten?
Ehrlicherweise nicht. Es kam schon der Punkt, dass ich mir die 2. Bundesliga als Ziel gesetzt habe. Das war für mich irgendwann realistisch. Dann aber auch noch Bundesliga zu spielen, war für mich nicht absehbar. Solch ein Weg lässt sich auch nicht planen. Ich bin allerdings der festen Überzeugung: Es kommt garantiert irgendwann der Moment, an dem man für harte Arbeit belohnt wird.
Mit Albanien hast Du sogar an der EM 2024 in Deutschland teilgenommen. War das der Höhepunkt Deiner Karriere?
Zu 100 Prozent. Es war ein unfassbar schönes Gefühl, mein Geburtsland bei einem so großen Turnier zu vertreten. Dass die EM dann auch noch in Deutschland – also in dem Land, in dem ich aufgewachsen bin – stattgefunden hat, machte es noch spezieller. Das Gruppenspiel gegen Kroatien war dabei auch noch ein emotionales Auf und Ab. Mir war erst ein unglückliches Eigentor unterlaufen. Es ist schwierig zu beschreiben, was in dem Moment in einem vorgeht. Ich war zunächst am Boden zerstört. Dass mir dann aber in der Nachspielzeit noch der Ausgleich gelingt, gehört zu den Geschichten, die der Fußball schreibt. Ich war danach auf Wolke sieben.
Mit 17 Gelben Karten hältst Du den Bundesliga-Rekord für die meisten Verwarnungen innerhalb einer Saison. Wie oft wirst Du darauf noch angesprochen?
Seitdem ich bei RWE bin, hatte mich tatsächlich bislang noch niemand danach gefragt. Ich hätte auch nichts dagegen gehabt, wenn es so geblieben wäre. (lacht) Ich bin nicht stolz darauf, den Rekord aufgestellt zu haben. Rückgängig lässt sich das allerdings auch nicht machen. Das gehört nun zu meinem Weg dazu.
Auch Dein älterer Bruder Jürgen hat in seiner Laufbahn Spiele in der Bundesliga bestritten. Welchen Stellenwert hat der Fußball in Eurer Familie?
Definitiv einen sehr hohen. Unser Papa ist ein absoluter Fußball-Fanatiker und schaut gefühlt schon immer jedes Spiel, das übertragen wird. Er hat Jürgen und mich mit allem, was er hatte, immer unterstützt. Der Fußball war dabei von Anfang an Teil unseres Lebens, wir haben klassisch auf dem Bolzplatz angefangen. Es ist ein schönes Gefühl, es so weit gebracht zu haben. Schon unser Opa und unser Onkel waren in Albanien Fußballer. Wir haben den Weg also quasi weitergeführt. Jürgen wurde mit 17 Jahren der damals jüngste Profi-Spieler des SC Freiburg. Das war der Moment, in dem ich gesehen habe, was alles möglich ist. Er war dabei stets mein Vorbild, auch heute ist unser Kontakt noch sehr intensiv. Wir verstehen uns wie beste Freunde.
Dein Bruder und Du wurden in Tirana, der Hauptstadt von Albanien, geboren. Wie kommt es zu Euren eher ungewöhnlichen Vornamen?
Meine Oma durfte sich unsere Namen aussuchen. Da unsere Oma ein großer Fan der ZDF-Serie Schwarzwaldklinik war, wurden wir nach dem Hauptdarsteller Klausjürgen Wussow benannt.
Was hatte Dich davon überzeugt, auch im Herbst Deiner Karriere bei RWE noch einmal eine neue Herausforderung anzunehmen?
Ich bin ein sehr ehrgeiziger Mensch und Rot-Weiss Essen ist ein cooler Verein. Daher wollte ich die Erfahrung einfach machen. Die Verantwortlichen haben mir in den Gesprächen schnell signalisiert, dass ich den Jungs zur Seite stehen soll. Das passt gut zu mir. Ich bin ein Spieler, der viel coacht. Kommunikation mit den Mitspielern ist sehr wichtig, um Stabilität auszustrahlen. Klar ist aber auch: Ich bin nur ein Puzzle-Teil des Teams. Es geht nur gemeinsam.
Durch die beiden zurückliegenden Siege konntet Ihr die Abstiegszone verlassen. Wie schätzt Du die Lage jetzt ein?
Es ist schon angenehm, wieder über dem Strich zu stehen. Wir sollten uns allerdings nicht zu viel damit auseinandersetzen und von der Tabelle verrückt machen lassen. In 16 Spielen bis zum Saisonende kann noch viel passieren. Entscheidend ist nur, dass wir weiterhin konstant unsere Punkte holen.
Nun steht das Duell gegen Schlusslicht SpVgg Unterhaching auf dem Programm. Was erwartest du für ein Spiel?
Wir wollen nach den beiden Siegen nachlegen und mit Überzeugung auftreten. Der Tabellenplatz des Gegners darf für uns keine Rolle spielen, sonst wird es gefährlich. Vor allem in der 3. Liga stehen die Chancen in jedem Spiel bei 50:50. Wir müssen vom ersten Moment an fokussiert sein und alles raushauen, was in uns steckt.
