7. Februar 2025

Uwe Koschinat: „Wir brauchen Geduld und maximale Bereitschaft“

Der RWE-Cheftrainer spricht mit der „kurzen fuffzehn“ vor dem Heimspiel gegen die SpVgg Unterhaching. 

Uwe Koschinat: "Wir brauchen Geduld und maximale Bereitschaft" – Rot-Weiss Essen
Koschinat: „Alle wissen, dass wir sehr hart dafür arbeiten müssen, um unser Ziel zu erreichen.“ (Foto: Endberg) 

Zum ersten Mal in dieser Saison geht Rot-Weiss Essen mit zwei Siegen im Rücken in eine Partie der 3. Liga. Nach dem 5:1-Heimerfolg gegen die U23 von Hannover 96 und dem 2:1-Auswärtscoup bei Arminia Bielefeld will das Team von RWE-Trainer Uwe Koschinat an diesem Samstag ab 14 Uhr gegen die SpVgg Unterhaching nachlegen. Nach bislang drei Niederlagen in drei Drittligaduellen mit den Münchner Vorstädtern soll der erste Dreier gegen den früheren Bundesligisten her. Vor dem Duell mit dem Tabellenletzten nimmt Uwe Koschinat im Gespräch mit der „kurzen fuffzehn“ wie immer ausführlich Stellung. 

Hallo Uwe! Mit zwei Siegen hat Rot-Weiss Essen die Abstiegsplätze verlassen. Wie gut tut jetzt der Blick auf die Tabelle? 

Die sechs Punkte tun uns gut, keine Frage. Noch wichtiger sind aber die gezeigten Leistungen, die wir jetzt möglichst konstant auf den Platz bringen wollen und müssen. Der Tabelle messe ich dagegen zum aktuellen Zeitpunkt nicht so viel Bedeutung bei. Ich wiederhole mich: Entscheidend ist, dass wir nach dem 38. Spieltag über dem Strich stehen. 

Dennoch war die Stimmung im Verein vor zwei Wochen noch ganz anders. Wie bewertest Du die Entwicklung des Teams? 

Nach dem enttäuschenden Spiel in Aachen standen wir ganz klar auf dem Prüfstand. Der Druck war vor dem Heimspiel gegen die U23 von Hannover 96 schon sehr hoch. Diesem hat die Mannschaft standgehalten. Danach hieß es, wir hätten uns vor allem dank unserer Standards und auch mit ein wenig Spielglück gegen einen unerfahrenen Gegner durchgesetzt. Einige haben befürchtet, es könnte sich um eine Eintagsfliege handeln. Deshalb war der Sieg in Bielefeld besonders wichtig. Die Fans waren zufrieden, es war ein extremes Miteinander mit dem Team. Dadurch konnten wir wieder eine große Vorfreude auf den Rest der Saison wecken. Daran gilt es anzuknüpfen. 

Was stimmt Dich zuversichtlich, dass der positive Trend anhalten wird? 

Die Mannschaft hat total verstanden, worum es geht. Alle wissen, dass wir sehr hart dafür arbeiten müssen, um unser Ziel zu erreichen. Die Trainingswoche vor dem Bielefeld-Spiel war herausragend, alle sind an ihre Grenzen gegangen. Das hat sich dann auch ausgezahlt. Mit 118 gelaufenen Kilometern hat das Team einen Rekord aufgestellt, jeder war mit großer Energie bei der Sache. In der ersten Halbzeit haben wir eine sehr gute Struktur auf den Platz gebracht und auch fußballerisch überzeugt. Nach der Pause waren dann wegen des Drucks, den die Bielefelder entfacht haben, andere Tugenden gefragt. Alle haben sich gegen den Ausgleich gestemmt. Ein überragender Torhüter kommt dann noch hinzu und gibt den anderen Spielern Sicherheit. 

Matti Wagner gab auf der linken Abwehrseite ein gelungenes Startelfdebüt. Gegen die SpVgg Unterhaching steht allerdings Lucas Brumme nach abgesessener Gelbsperre wieder zur Verfügung. Hast Du jetzt ein Luxusproblem? 

Ein Problem ist das auf keinen Fall. Ganz im Gegenteil! Wir haben Matti schließlich genau deshalb verpflichtet, damit auch auf dieser Position eine solche Konkurrenzsituation entsteht. Es stimmt, dass Matti es sehr gut gemacht hat und er alle Voraussetzungen mitbringt, um ein starker Linksverteidiger zu sein. Lucas hat allerdings gegen Hannover überragend gespielt und keine Argumente geliefert, auf ihn zu verzichten. Grundsätzlich ist es aber auch nicht ausgeschlossen, dass beide zusammen auf dem Platz stehen könnten. 

Welche Einsatzchancen hat Ramien Safi, der ebenfalls nach seiner Sperre zurückkehrt? 

Auch Ramien gehörte gegen Hannover zu unseren besten Spielern. Mit seiner Geschwindigkeit tut er der Mannschaft ebenfalls sehr gut und hätte sicherlich auch in Bielefeld helfen können. Deshalb war es für mich in dieser Woche sehr spannend zu beobachten, wer im Training den besten Eindruck hinterlässt. 

Mit Kaito Mizuta hast Du seit einigen Tagen noch eine zusätzliche Alternative für die Offensive. Im Spiel bei seinem bisherigen Verein Arminia Bielefeld wurde er bereits eingewechselt. Wie planst Du mit ihm? 

Ich verfolge Kaito Mizuta seit einigen Jahren und wollte ihn schon verpflichten, als ich selbst Trainer in Bielefeld war. Ich freue mich sehr, dass es uns gelungen ist, ihn nach Essen zu holen. Kaito ist in der Offensive flexibel einsetzbar: Vor allem auf dem linken Flügel, aber auch im offensiven Mittelfeld. Er bringt eine enorme Intensität auf den Platz, ist viel unterwegs und stellt sich immer in den Dienst der Mannschaft. Das hat er schon nach seiner Einwechslung in Bielefeld unter Beweis gestellt. 

Mit der SpVgg Unterhaching ist jetzt der Tabellenletzte an der Hafenstraße zu Gast. Wie schätzt Du den Gegner ein? 

Es ist kein Geheimnis, dass sich Unterhaching den bisherigen Saisonverlauf anders vorgestellt hat. Das Team läuft Gefahr, den Anschluss zu verlieren, und kommt als Außenseiter nach Essen. Dass mit Tim Knipping und Manuel Stiefler auch noch zwei Säulen der Mannschaft gesperrt sind, tut sicherlich auch sehr weh. Dennoch wird das Spiel für uns ganz bestimmt alles andere als ein Selbstläufer. 

Worauf wird es ankommen? 

Wir standen vor dem letzten Heimspiel gegen Hannover stark unter Druck. Das hat das Team gut gemeistert. Genau diese Mentalität müssen wir auch gegen Unterhaching auf den Platz bringen. Wir dürfen nicht sorglos sein, sondern müssen mit der maximalen Bereitschaft ins Spiel gehen. Dazu wird nicht zuletzt auch Geduld gefragt sein – bei unseren Spielern und bei den Fans auf den Rängen. 

Wie wichtig wäre es, wenn der dritte Dreier nacheinander gelingt? 

Wir haben an diesem Spieltag zweifellos eine große Chance, um weiteren Boden gutzumachen. Wir würden mit einem Sieg nicht nur mindestens unsere aktuelle Platzierung behaupten, sondern auch mit einiger Sicherheit näher an die Teams im Tabellenmittelfeld heranrücken. Das ist selbstverständlich unser Ziel. Aber wie schon gesagt: Dafür ist erst einmal harte Arbeit gefragt.