4. März 2025

RWE-Historie, Folge 2: BVB & S04 konnten RWE nicht stoppen

Vor 70 Jahren | Wir nehmen wichtige Etappen von Rot-Weiss Essen auf dem Weg zum Deutschen Meistertitel 1955 in den Fokus.

RWE-Historie, Folge 2: BVB & S04 konnten RWE nicht stoppen – Rot-Weiss Essen
Helmut Rahn beim Kopfball gegen Dortmund. (Fotos_ Archiv Schrepper)

Die erfolgreichste Saison von Rot-Weiss Essen mit dem Gewinn der Deutschen Meisterschaft war die Saison 1954/55. Der Spielmodus war damals noch ein anderer. Selbst an Weihnachten und direkt nach Neujahr wurde gespielt. Nach dem Meistertitel in der Oberliga stand noch die Endrunde zur Deutschen Meisterschaft an. Ein klares Zeichen auf dem Weg dahin gab es kurz vor dem Jahreswechsel 1954/55.

Seit dem vierten Spieltag stand Rot-Weiss Essen an der Tabellenspitze der Oberliga West und baute seinen Vorsprung ständig aus. Am 12. Dezember 1954 kamen rund 25.000 Zuschauer zur Hafenstraße, um das Revierderby gegen Borussia Dortmund zu sehen. Ernst Ruhkamp, damaliger Schriftleiter der kurzen fuffzehn, fasste im späteren Sonderheft zur Westmeisterschaft die Presseberichte zusammen:

„Herbstmeister Rot-Weiss Essen! 5 Punkte Vorsprung. Rahn wieder dabei! Tor und Pfostenschuss in alter Art. Kwiatkowski mit 1000 Händen. Falke rettet dreimal auf der Torlinie. 25.000 hellauf begeistert.“ Und Ruhkamp ergänzte: „Ja, das war wirklich der Begeisterung wert. Die Leistungen beider Mannschaften waren so, wie wir sie in dieser Saison noch nicht gesehen hatten. Das 2:1 gibt nicht ganz das Kräfte- und Leistungsverhältnis wieder. Die höhere Niederlage des BVB hat Kwiatkowskis fabelhafte Leistung im Tor verhindert. Helmut Rahn spielte nach zwei Monaten das erste Mal wieder mit und konnte das erste Tor erzielen. Das zweite Tor hat Seltenheitswert. Es wurde nämlich nach einem Alleingang über das ganze Feld hinweg von Verteidiger Werner Göbel errungen. Dem immer wieder aufflammenden Kampfesmut der Borussen war es dann in der 84. Minute zuzuschreiben, dass das Anschlusstor fiel.“

Am zweiten Weihnachtstag besuchte dann noch Schalke 04 das Stadion an der Hafenstraße. Auch dieses Revierderby entschied RWE für sich. Beim Abpfiff stand es 2:0 durch Tore von Islacker und Rahn. Die WAZ titelte: „Rot-Weiss Essen in 15 Spielen nicht geschlagen.“ RWE lag zum Jahreswechsel fast schon uneinholbar vorn. 27:3 Punkte und 37:15 Tore standen zu Buche, abgeschlagen folgten dahinter der SV Sodingen mit 20:10 Punkten, Bayer Leverkusen und Borussia Mönchengladbach mit je 17:13 und Schalke 04 mit 16:14 Punkten. Der Tabellensechste Borussia Dortmund hatte mit 15:15 Zählern bereits ein ausgeglichenes Konto.

Zum Spiel gegen den blau-weißen Nachbarn sei noch einmal Ernst Ruhkamp zitiert: „2. Weihnachtstag 1954. Das Ende der Serie. – Altmeister Schalke erleidet eine 2:0-Niederlage. Dass das Spielniveau des Vorsonntags noch gehoben werden konnte, das hätte niemand annehmen können. ‚Das schönste Spiel der Saison‘, nannte es ‚Der Fußball-Sport‘. Ebenso urteilten viele über dieses geradezu klassische Spiel zweier Elitemannschaften. Die Erfahrung der Rot-Weissen, gesammelt in vielen internationalen Kraftproben, trägt ihre Früchte. Gleich von der ersten Minute an entwickelt sich ein Spiel, das wirklich auf unserem Platz noch nicht gespielt worden ist. Die Rot-Weissen spielen wie aus einem Guss. Es war die beste Fußballklasse, und mancher Schalke-Anhänger wird sich in die Glanztage der Gelsenkirchener zurückversetzt haben. Schalkes Trainer Frühwirth sagte: ‚Die Essener sind zweifellos die stärkste Mannschaft im Westen, und wir haben uns noch gut aus der Affäre gezogen …‘“.

RWE-Historie, Folge 2: BVB & S04 konnten RWE nicht stoppen – Rot-Weiss Essen
Gottschalk beim Schuss gegen den BVB.

Ein Beitrag unseres Vereinshistorikers Georg Schrepper.