9. März 2025

Uwe Koschinat: „Müssen wachsam bleiben und so weitermachen“ 

Der RWE-Cheftrainer spricht vor dem Heimspiel gegen Mitkonkurrent SV Waldhof Mannheim im „kurze fuffzehn“-Interview.

Uwe Koschinat: "Müssen wachsam bleiben und so weitermachen"  – Rot-Weiss Essen
Uwe Koschinat: „Unsere Situation war prekär und ist es immer noch.“ (Foto: Endberg) 

Den Höhepunkt der Karnevalszeit in seiner Wahlheimat Köln konnte Rot-Weiss Essens Cheftrainer Uwe Koschinat zumindest für einen Tag ein wenig bei bestem Wetter genießen. Schon seit Dienstag läuft jedoch die intensive Vorbereitung auf das wichtige Heimspiel an diesem Sonntagabend (9. März, 19:30 Uhr) gegen den SV Waldhof Mannheim. Keine Frage: RWE will den aktuellen Flow mitnehmen und an der Hafenstraße möglichst den nächsten Schritt machen, um sich weiter von der Gefahrenzone der Liga abzusetzen. Vor dem Duell mit dem direkten Konkurrenten im Kampf um den Klassenverbleib äußert sich Uwe Koschinat wie immer ausführlich im Gespräch mit der „kurzen fuffzehn“. 

Hallo Uwe! Mit dem 1:0-Derbysieg bei Borussia Dortmund II knüpfte RWE nahtlos an die Erfolge der letzten Wochen an. Wie fällt Dein Fazit aus? 

Es war über weite Strecken ein sehr schwieriges Spiel gegen einen starken Gegner, so ehrlich müssen wir sein. Es war absehbar, dass die Mannschaft auf die Verliererstraße, die den ersten gravierenden Fehler macht. Der Knackpunkt war die Gelb-Rote Karte gegen den BVB. Danach waren wir gierig darauf, den Dreier mitzunehmen, und haben den Vorteil der Überzahl klug genutzt. Wir haben den Druck immer weiter erhöht und sind dafür letztlich auch belohnt worden. Gleichzeitig hat mir aber auch gefallen, dass unsere Konterabsicherung gut funktioniert hat. So hätten wir notfalls zumindest den einen Punkt mitgenommen. Dass es dann drei Zähler geworden sind, ist natürlich umso besser. Unsere Fans waren wieder einmal überragend, haben die Partie zu einem Heimspiel gemacht. 

Auch nach fünf Siegen und einem Remis aus den letzten sechs Spielen beträgt der Abstand zu einem Abstiegsplatz gerade einmal drei Punkte. Das zeigt, wie wichtig diese Positivserie ist! 

Absolut. Unsere Situation war prekär und ist es immer noch. Das muss uns allen bewusst sein. Die Ergebnisse waren nötig, um nicht der Musik hinterherlaufen zu müssen. Wir haben uns diesen positiven Trend erarbeitet und wollen die Welle jetzt auch weiterreiten. 

Bis zur Winterpause hatte RWE nach 19 Spieltagen 17 Punkte auf dem Konto. Jetzt sind nach nur sieben Partien im neuen Jahr bereits 16 Zähler dazugekommen. Was sind die wichtigsten Gründe für diesen extremen Unterschied? 

Den Grundstein dafür haben wir aus meiner Sicht in unserem Türkei-Trainingslager gelegt. Dort hat sich ein neuer Spirit im Team entwickelt. Nicht von der Hand zu weisen ist auch, dass unsere vier Winter-Neuzugänge Klaus Gjasula, Dominik Martinovic, Matti Wagner und Kaito Mizuta für viel frischen Wind gesorgt haben und uns weiterhelfen. Wir haben eine sehr gute Arbeitsmoral im Team, verteidigen mit einer ganz anderen Intensität, die Abläufe werden immer stabiler. Dazu können wir durch unsere Einwechselspieler viele neue Impulse auf den Platz bringen. Das alles sind wichtige Punkte. Dennoch müssen wir wachsam bleiben und so weitermachen. Alle wissen, dass wir noch nichts erreicht haben. 

Stichwort Einwechselspieler: Kaito Mizuta hatte als Joker nicht nur wegen seines sehenswerten Treffers entscheidenden Anteil am Sieg in Dortmund. Ist es langsam an der Zeit, dass er auch mal von Beginn an spielt? 

Grundsätzlich hat er es aufgrund seiner Leistungen im Training und in den Partien definitiv verdient, keine Frage. Das gilt aber für andere Spieler auch. Kaito ist ein sehr umtriebiger Spieler, der als Einwechselspieler eine unglaubliche Energie ausstrahlt und immer viel Schwung mitbringt. Das war nicht nur in Dortmund beeindruckend. Auf der anderen Seite sind wir jetzt viermal mit derselben Anfangsformation in die Spiele gegangen und waren erfolgreich. Von daher ist es für mich als Trainer ein Abwägungsprozess, was für die Partie gegen Waldhof Mannheim den meisten Erfolg verspricht. Dabei muss ich auch berücksichtigen, dass wir mit dem Spiel in eine Englische Woche starten. 

Innerhalb von nur sechs Tagen stehen drei Partien an. Am Mittwoch geht es zum FC Viktoria Köln, am folgenden Samstag kommt Dynamo Dresden. Da wird es fast zwangsläufig zu Umstellungen kommen, oder? 

Das werden wir sehen. Allein vom Fitnesszustand her ist es durchaus möglich, auch drei Spiele in einer Woche ohne große Veränderungen zu bestreiten. Es kann aber genauso wichtig und hilfreich sein, frische Spieler zu bringen. Grundsätzlich liegt unser Fokus aber zunächst allein auf dem Heimspiel gegen den SV Waldhof Mannheim, das wir erfolgreich bestreiten wollen. Mit Viktoria Köln beschäftigen wir uns erst danach. 

Der SV Waldhof befindet sich mit sieben Punkten aus den zurückliegenden drei Partien ebenfalls im Aufwärtstrend, belegt aber noch einen Platz in der Abstiegszone. Wie schätzt Du den Gegner ein? 

Der Saisonverlauf der Mannheimer ist sehr wellenförmig. Nach einem schlechten Saisonstart gab es einen frühen Trainerwechsel. Unter der Regie von Bernhard Trares legte das Team dann eine gute Serie hin, bekam aber zum Jahresende hin wieder Probleme. Das hatte sicherlich nicht zuletzt auch mit dem langfristigen Ausfall von Terrence Boyd zu tun. Einen solchen Mittelstürmer mit Torgarantie für die 3. Liga zu ersetzen, ist sehr schwierig. Das war dann auch zu spüren. Mit dem 5:0-Heimsieg gegen den FC Hansa Rostock ist zuletzt offenbar wieder der Knoten geplatzt. Das Duell wird definitiv eine große Herausforderung. 

Die Anstoßzeit am Sonntagabend um 19.30 Uhr ist gewöhnungsbedürftig. Wie hast Du bei der Trainingsgestaltung in dieser Woche darauf reagiert? 

Wir haben uns viele Gedanken über diese vergleichsweise lange Woche und die Struktur des Spieltages gemacht. Wir haben am Dienstag und Mittwoch je zweimal intensiv trainiert, den Jungs danach noch einmal einen Tag zur Regeneration gegeben. Nach den Einheiten am Freitag und Samstag wird es am Sonntagvormittag noch einmal ein gemeinsames Anschwitzen und ein anschließendes Essen geben. Nach einigen Stunden Freizeit werden wir uns dann rechtzeitig vor dem Spiel am Stadion treffen und bestens vorbereitet sein.