15. März 2025
Uwe Koschinat: „Dynamo ist Aufstiegsfavorit Nummer eins“
Der RWE-Cheftrainer spricht vor dem Heimspiel gegen Dresden im „kurze fuffzehn“-Interview.

Spannender als jeder Tatort war am letzten Sonntagabend das RWE-Heimspiel gegen den SV Waldhof Mannheim (1:0). Sechs Tage später und nur 65 Stunden nach der Auswärtspartie beim FC Viktoria Köln steht für das Team von Trainer Uwe Koschinat die nächste große Herausforderung bevor, diesmal wieder zur gewohnten Anstoßzeit am Samstag, um 14 Uhr. Mit der SG Dynamo Dresden, dem Ex-Klub von Innenverteidiger Tobias Kraulich und Topscorer Ahmet Arslan, stellt sich einer der heißesten Anwärter auf den Sprung in die 2. Bundesliga im Stadion an den Hafenstraße vor. Vor dem Duell mit dem Traditionsverein aus Sachsen, mit dem die Rot-Weissen gleichzeitig ihr Winter-Trainingslager in der Türkei verbracht hatten, nimmt Uwe Koschinat wie immer ausführlich im Gespräch mit der „kurzen fuffzehn“ Stellung.
Hallo Uwe! Genau wie nach dem Heimspiel gegen den SV Waldhof Mannheim hattest Du auch nach der Partie beim FC Viktoria Köln erneut nur zwei Tage Zeit, um das Team auf den nächsten Gegner aus Dresden vorzubereiten. Was kann man in so kurzer Zeit im Training überhaupt umsetzen?
Nicht allzu viel, um ehrlich zu sein. In einer Englischen Woche, noch dazu mit so eng getakteten Spielen, geht es in erster Linie um Regeneration, um möglichst frisch in die nächste Partie zu gehen. Dabei ist es notwendig, sehr flexibel zu sein und in verschiedenen Gruppen zu arbeiten. Jungs, die nicht so viel Spielzeit bekommen hatten, werden natürlich etwas intensiver belastet als die Spieler, die in beiden Partien über einen längeren Zeitraum auf dem Platz standen.
Gutes Stichwort: Nicht auf dem Platz stand in Köln Tom Moustier, weil er in der Nachspielzeit gegen Mannheim die fünfte Gelbe Karte gesehen hatte. Er müsste also frisch genug sein, um gegen Dynamo Dresden wieder aufzulaufen, oder?
Dass Tom nach seinen gezeigten Leistungen gute Chancen hat, gegen Dresden wieder in der Startformation zu stehen, ist sicherlich kein Geheimnis.
Zu Saisonbeginn stand er verletzungsbedingt nicht zur Verfügung, tat sich aber auch danach schwer, in die Mannschaft zu kommen. Seit Du im Amt bist, hatte er jedoch bis zum Viktoria-Spiel alle Partien von Beginn an bestritten. War Dir sofort klar, dass er dem Team entscheidend helfen kann?
Absolut. Schon als ich Trainer beim VfL Osnabrück war, wollte ich Tom von Hannover 96 an die Bremer Brücke holen. Er hat sich jedoch für RWE entschieden. Er ist ein Spieler, der immer sehr viel Energie auf den Platz bringt. Das tut der Mannschaft gut. Hinzu kommt, dass er mit seinen Qualitäten sehr gut zu Klaus Gjasula passt. Das hat sich definitiv bewährt.
Mit dem nächsten Gegner Dynamo Dresden habt Ihr während der Winter-Vorbereitung eine Woche lang im selben Hotel gelebt und auch ein Testspiel gegeneinander bestritten. Lassen sich daraus Erkenntnisse für die anstehende Partie ableiten?
Es war damals ein Spiel über 120 Minuten, von daher ist das sicherlich nur bedingt vergleichbar. Allerdings haben wir schon in dieser Partie gezeigt, dass wir auch gegen einen starken Gegner sehr gut verteidigen können. Erst kurz vor Schluss mussten wir noch den 1:1-Ausgleich hinnehmen. Seitdem ist es uns auch in der Liga gelungen, den Gegentorschnitt pro Spiel deutlich zu senken. Das ist ein elementarer Bestandteil unseres positiven Abschneidens in diesem Jahr.
Dynamo mischt seit Saisonbeginn in der Tabelle ganz oben mit. Gastiert an diesem Spieltag ein Aufstiegsfavorit an der Hafenstraße?
Auf jeden Fall. Für mich ist Dresden sogar ganz klar der Aufstiegsfavorit Nummer eins.
An welchen Qualitäten machst Du das fest?
Dynamo hat eine unglaubliche Wucht im Kader, ist hervorragend besetzt. Trainer Thomas Stamm hat schon in Freiburg gezeigt, dass er fußballerische Klasse und eine pragmatische Herangehensweise gut verbinden kann. In Dresden hat er eine gute Mischung aus erfahrenen Top-Spielern und jungen Talenten hinbekommen. Der Kader ist sehr gierig, wirkt aber auch sehr harmonisch. Davon konnten wir uns ja auch selbst in der Türkei überzeugen.
In Ahmet Arslan auf der einen sowie Vinko Sapina auf der anderen Seite treffen zwei Spieler auf ihren früheren Verein. Wird das eine Rolle spielen?
Für jeden Spieler ist es etwas Besonderes, gegen seinen früheren Verein anzutreten. In diesen Fällen wird aus meiner Sicht nicht negativ, sondern vielmehr sehr positiv auf die Zeit beim Ex-Klub zurückgeblickt. Dennoch wird die Motivation bei beiden sehr hoch sein. Das wird allerdings nicht nur für sie, sondern für beide Teams insgesamt gelten.
Die anschließende Länderspielpause in der 3. Liga ist für RWE nur eine Punktspielpause. Schließlich steht am Samstag, 22. März, ab 14 Uhr das Halbfinale im Niederrheinpokal bei Rot-Weiß Oberhausen an. Welchen Stellenwert hat die Partie?
Von einer Pause kam bei uns wirklich keine Rede sein. Wir werden uns selbstverständlich auf die Partie in Oberhausen genauso intensiv vorbereiten wie auf ein Ligaspiel. Es ist ein anderer Wettbewerb, aber genauso wichtig. Wir haben das Ziel, den Pokal erneut zu gewinnen und damit in den DFB-Pokal einzuziehen. Dafür werden wir alles investieren.
Wie schätzt Du die Aufgabe ein?
Wir alle wissen, wie schwierig dieses Spiel wird. Nachdem für RWO der Gewinn der Meisterschaft in der Liga in weite Ferne gerückt ist, bleibt als einziges Ziel der Pokalsieg. Entsprechend wird der Gegner auftreten. Für beide Fanlager hat das Duell eine hohe Bedeutung, das ist uns bewusst. Wir sind der einzige Drittligist im Wettbewerb, deshalb können wir nicht wegdiskutieren, dass wir als Favorit in das Spiel gehen. Dieser Erwartungshaltung wollen wir gerecht werden und in das Finale einziehen.
