31. März 2025

RWE-Historie, Folge 6: Essen – eine Stadt in Rot-Weiss!

Vor 70 Jahren | Wir nehmen wichtige Etappen von Rot-Weiss Essen auf dem Weg zum Deutschen Meistertitel 1955 in den Fokus – hier der letzte Teil.

RWE-Historie, Folge 6: Essen – eine Stadt in Rot-Weiss! – Rot-Weiss Essen
(Fotos: Archiv Schrepper)

In der Ruhrmetropole kannte die Begeisterung nach dem Schlusspfiff des Endspiels keine Grenzen. Und so titelten die Zeitungen nach dem Gewinn der Deutschen Meisterschaft: „Eine ganze Stadt ist stolz – Essen nun auch Metropole des Fußballs.“ Die NRZ überschrieb einen Artikel: „Freude über den Sieg riss selbst biedere Bürger mit“, die singend mit der begeisterten Fußballjugend durch die Straßen zogen. Überall bot sich das gleiche Bild: „Fahnengeschmückte Häuser. Jubel auf den Straßen, ständig geöffnete Bierhähne.

Nach der Meisterfeier reiste die Mannschaft mit dem Zug zurück nach Essen. Dort wurde ihr am Montagnachmittag von mehr als 100.000 Menschen ein triumphaler Empfang bereitet. Die ersten Ehrungen im Ruhrpott hatte es bereits in Dortmund gegeben. Eine Abordnung der Borussia gratulierte auf dem Bahnsteig, bei der nächsten Station in Bochum warteten Vertreter des aus der Oberliga West abgestiegenen VfL.

Als der Zug aus Hannover mit der Mannschaft um 16.33 Uhr endlich am Essener Hauptbahnhof eintraf und die Spieler auf den Bahnhofsvorplatz traten, kannte die Menschenmenge kein Halten mehr. Die Absperrketten der Einsatzhundertschaften wurden teilweise durchbrochen, praktisch jeder wollten seinen Idolen nahe sein und persönlich die Hand schütteln. Nur mit Mühe erreichte der Deutsche Meister zwei offene Polizeikübelwagen. Helmut Rahn wischte sich Tränen der Rührung aus den Augen. Nur mit Mühe konnten sich die beiden Polizeiwagen einen Weg durch das dichte Spalier jubelnder Menschen bahnen auf dem Weg zum Empfang durch Oberbürgermeister Dr. Toussaint im Saalbau – der heutigen Philharmonie.

Nach dem Empfang ging es durch die mit rot-weißen Fahnen geschmückten Straßen über die Huyssenallee, Friedrichstraße, Hans-Böckler-Straße, Altendorfer Straße, Helenenstraße zur Hafenstraße nach Bergeborbeck, der Heimat von RWE. Überall standen die Menschen an den Straßenrändern oder lagen in den Fenstern und jubelten dem Deutschen Meister zu, der für die Strecke fast eine Stunde Fahrzeit benötigte. Die WAZ schrieb „Nie hat es in Essen einen jubelnderen Empfang gegeben als gestern bei der Rückkehr der siegreichen Elf von Rot-Weiss. Schlugen schon vor einem Jahr die Wellen hoch, als sich Hunderttausend zum Empfang des Torschützen der Weltmeisterschaft, Helmut Rahn, einfanden – das war nur ein Vorspiel zu dem, was sich gestern zwischen Hauptbahn, Saalbau und Bergeborbeck abspielte.

In den folgenden Wochen gingen rund 300 Glückwunschtelegramme und weit über 400 Glückwunschschreiben aus aller Welt an der Hafenstraße ein. Unter den Gratulanten waren die Botschafter der Bundesrepublik Deutschland in Peru und Argentinien, die in ihren Glückwunschreiben auch noch einmal die Erfolge und das sympathische Auftreten der Mannschaft bei ihrer Südamerikareise in Erinnerung riefen. Und auch zahlreiche Vereine der internationalen Freundschaftsspiele gratulierten, darunter Real Madrid, Stade Reims, Dynamo Zagreb.


Ein Beitrag unseres Vereinshistorikers Georg Schrepper.