11. April 2025
Manuel Lenz: „Enge Verbindung ist mir wichtig“
Der langjährige RWE-Torwarttrainer im “kurze fuffzehn”-Interview vor dem Aue-Heimspiel.

Obwohl es keinen familiären Zusammenhang gibt, ist der Nachname Lenz den Fans von Rot-Weiss Essen schon gut bekannt. Nach Angreifer Lukas Lenz (Januar 2010 bis Januar 2013) und Torhüter Marcel Lenz (2017 bis 2020) betreut Manuel Lenz schon seit Januar 2016 die Torhüter der Rot-Weissen. Vor dem anstehenden Heimspiel gegen den FC Erzgebirge Aue nahm sich der 40-jährige Torwart-Trainer, der als Spieler auch schon in der 2. Bundesliga zwischen den Pfosten stand, Zeit für ein Interview mit der „kurzen fuffzehn“.
Hallo Manuel! Durch Deine kürzliche Vertragsverlängerung steht fest, dass Du bald in Dein bereits zehntes Jahr bei den Rot-Weissen gehen wirst. Was bedeutet Dir das?
Manuel Lenz: So lange für einen Arbeitgeber tätig sein zu dürfen, ist nicht selbstverständlich und im Fußball etwas ganz Besonderes. RWE ist mehr als nur ein Arbeitgeber für mich. Als schönster Moment steht natürlich der langersehnte Aufstieg in die 3. Liga über allem. Aber auch das erste DFB-Pokal-Spiel gegen Arminia Bielefeld habe ich sofort im Kopf. Mit den Torhütern zum Aufwärmen zu gehen und das volle Stadion zu sehen, war ein absoluter Gänsehaut-Moment. Auch unser Derby-Sieg beim MSV Duisburg vor 8.500 RWE-Fans wird mir noch lange in Erinnerung geblieben. Über die Jahre eine Konstante im Trainerteam zu sein, macht mich stolz.
Als Du Dich im Januar 2016 Rot-Weiss Essen angeschlossen hattest, warst Du 31 Jahre alt. Warum hattest Du Dich schon so früh dafür entschieden, Torwart-Trainer zu werden?
Ich war zu dem Zeitpunkt noch in der Oberliga für die Hammer SpVg aktiv, wollte aber schon immer Torwart-Trainer werden. Als die Anfrage von einem so traditionsreichen Verein wie RWE kam, war mir direkt klar, dass ich die Möglichkeit ergreifen will. Ich habe es seitdem auch nie bereut, nicht mehr selbst zwischen den Pfosten zu stehen. Ich durfte in all der Zeit Jungs trainieren, die ohnehin besser waren als ich. (lacht)
Wie würdest Du Deinen Trainingsstil beschreiben?
Da wir in einer kleinen Gruppe zusammenarbeiten, ist mir eine Homogenität zwischen den Torhütern sehr wichtig, auch wenn sie innerhalb des Teams unterschiedliche Rollen einnehmen. Mir ist eine enge Verbindung zu den Jungs wichtig. Sie sollen das Gefühl haben, dass sie mit allen Dingen auf mich zukommen können. Inhaltlich sind die Einheiten sehr spielnah gestaltet. Mal sind die Übungen modern. Genauso kann es aber auch mal ganz nach Torhüter-Ikone Gerry Ehrmann nur darum gehen, einfach Bälle abzuwehren.
Wie gelingt es Dir, Dich bei der Gestaltung der Einheiten immer neu zu erfinden?
Ich lasse in regelmäßigen Abständen Revue passieren, was mir an den Trainingseinheiten gut und weniger gut gefallen hat. Mir ist der Austausch mit anderen Torwart-Trainern ebenso wichtig, wie über den Tellerrand hinauszuschauen. Ich sammle auch gerne Eindrücke, wie in anderen Sportarten – zum Beispiel im Handball oder Eishockey – gearbeitet wird. Ich schaue eigentlich ständig nach links und rechts. So arbeiten wir auch im kognitiven Bereich und benutzen schon mal Hilfsmittel wie Kopfhörer oder Strobobrillen.
Schon seit 2019 hast Du Stammtorhüter Jakob Golz unter Deinen Fittichen. Wie bewertest Du seine Entwicklung?
Ich bin extrem stolz auf den Weg, den Jakob bislang bei uns gegangen ist. Er kam damals als Herausforderer unter Trainer Christian Titz zu uns. Nachdem er sich einen Stammplatz erarbeitet hatte, musste er sich dem Konkurrenzkampf mit einem Routinier wie Daniel Davari stellen. Mitten im Aufstiegsrennen wurde er wieder die Nummer eins und hat seine Sache gut gemacht. In seinen ersten Spielen in der 3. Liga musste er eine nicht ganz einfache Phase bewältigen, ist für mich mittlerweile aber der beste Torhüter der Spielklasse.
In den Pokalspielen kam in dieser Saison jeweils Felix Wienand zum Einsatz. Wie siehst Du seine Rolle?
Auch Felix nimmt eine ganz tolle Entwicklung. Als wir Felix verpflichtet haben, hatten wir – sowohl torwartspezifisch, als auch menschlich – nach einem ähnlichen Typen wie Jakob gesucht. Mit viel Fleiß und intensivem Training hat er sich ein gutes Standing im Team erarbeitet. Mit jedem Pokalspiel war eine Steigerung zu erkennen. Beim brisanten Derby im Halbfinale bei Rot-Weiß Oberhausen hat er Ruhe und Coolness ausgestrahlt. Auch in den Ligaspielen, in denen Felix eingesprungen war, hat er die Aufgaben souverän gelöst.
Was schätzt Du an Ole Springer, der als Nummer drei weniger im Fokus steht?
Ole sucht den offenen und konstruktiven Austausch. Er unterstützt die beiden anderen Jungs tatkräftig und schiebt sie zu ihren Leistungen an. Auch im gesamten Team hat sein Wort Gewicht. Mit seiner Erfahrung ist er vor allem auch für die jungen Spieler ein Ansprechpartner.
Als Torhüter-Team habt Ihr Euch schon für die RWE-Sozialinitiative ESSENER CHANCEN eingesetzt. Was ist da als Nächstes geplant?
Es ist mittlerweile schon zu einer Tradition geworden, dass wir Geld aus unserer Torwart-Kasse für einen guten Zweck spenden. Unter uns Torhütern veranstalten wir immer mal wieder kleine Wettkämpfe. Da kann es beispielsweise darum gehen, bei einer Einheit die Anzahl an Gegentoren zu zählen. Der Torhüter mit den meisten Gegentreffern muss dann einen Betrag einzahlen. Mit Tani Capitain, dem Geschäftsführer der ESSENER CHANCEN, hatte ich mich über mögliche Projekte unterhalten, denen eine Spende zugutekommen könnte. Seitdem unterstützen wir die Kinder der Notaufnahme-Stelle „Kleine Spatzen“.
Deine Tätigkeit bei RWE umfasst auch nicht nur die Profis, oder?
Genau. Ich bin als Koordinator auch für die Weiterbildung unserer Torwart-Trainer im FÖRDERWERK zuständig. Außerdem bin ich an der Entscheidung beteiligt, welche Torhüter aus den Altersklassen U16, U17 und U19 in das nächsthöhere Team übernommen werden. Daher bin ich in der Regel auch zweimal pro Woche im NLZ vor Ort.
Welche Ziele verfolgst Du als Torwart-Trainer?
Ich will auf dem höchstmöglichen Level arbeiten und es nach Möglichkeit bis in die Bundesliga schaffen – am liebsten natürlich mit RWE. Aktuell hat ganz klar das Tagesgeschäft – der Klassenverbleib – Priorität. Insgesamt haben wir im Verein eine gute Basis. Dazu ist es nicht nur von mir, sondern auch vom Verein der Wunsch, dass wir bald auch Torhüter-Eigengewächsen den Schritt in den Profibereich ermöglichen.


