25. April 2025

Uwe Koschinat: „Wir benötigen die maximale Schärfe“ 

Der RWE-Cheftrainer vor dem Heimspiel gegen Ex-Klub 1. FC Saarbrücken im “kurze-fuffzehn”-Interview.

Uwe Koschinat: "Wir benötigen die maximale Schärfe"  – Rot-Weiss Essen
RWE-Cheftrainer Uwe Koschinat will nicht nachlassen: „Grundsätzlich spricht von mir aus nichts dagegen, unsere Serie weiter fortzusetzen.“ (Foto: Endberg) 

Dank der starken Rückrunde mit zehn Siegen aus den ersten 15 Partien hat Rot-Weiss Essen bereits am 35. Spieltag in der 3. Liga die Möglichkeit, den erneuten Klassenverbleib aus eigener Kraft endgültig unter Dach und Fach zu bringen. Schon ein Remis an diesem Samstag, 14 Uhr, gegen den Aufstiegsaspiranten 1. FC Saarbrücken würde nicht nur das Erreichen der 50-Punkte-Marke bedeuten, sondern auch die letzten rechnerischen Zweifel an einer weiteren Saison in der dritthöchsten deutschen Spielklasse beseitigen. RWE-Cheftrainer Uwe Koschinat stellte sich vor dem Traditionsduell mit seinem früheren Verein aus dem Saarland, der seit dieser Woche vom ehemaligen RWE-Profi Alois Schwartz trainiert wird, wie immer ausführlich den Fragen der „kurzen fuffzehn“. 
 
Hallo Uwe! Nach dem 2:0-Auswärtserfolg am Karsamstag beim SV Sandhausen hat Rot-Weiss Essen auch den rechnerisch sicheren Klassenverbleib bereits vier Runden vor dem Saisonende dicht vor Augen. Wie fällt Dein Fazit aus? 
Es war eine sehr erwachsene Leistung des gesamten Teams und ein weiterer großer Schritt. Es gehört zwar zur Wahrheit, dass Sandhausen bei den ersten beiden Chancen durchaus hätte in Führung gehen können. Wir haben dann jedoch wieder einmal unsere erste klare Tormöglichkeit zur Führung genutzt und danach kaum mehr etwas zugelassen. Das sah schon sehr souverän aus und hat wieder einmal unter Beweis gestellt, dass es für die Gegner gegen uns sehr schwierig ist, wenn wir erst einmal in Führung liegen. 
 
Vier Ligaspiele stehen bis zum Saisonende noch aus. Was nimmst Du Dir mit dem Team vor? 
Grundsätzlich spricht von mir aus nichts dagegen, unsere Serie noch weiter fortzusetzen. (lacht) Auf jeden Fall gibt es keinen Grund, jetzt irgendwie nachzulassen. Ganz im Gegenteil! Unser nächstes Ziel wird es sein, die 50-Punkte-Marke zu knacken. Das können und wollen wir schon gegen Saarbrücken schaffen. Wenn wir gegen diesen starken Gegner eine Chance haben wollen, benötigen wir die maximale Schärfe. Es ist auch ein Ziel, unsere gute Position in der Rückrundentabelle zu halten. Wenn wir dort bis zum Saisonende unter den ersten drei Teams bleiben, wäre das keine schlechte Basis für die nächste Saison. 
 
Welche Rolle spielt dabei das Niederrheinpokal-Endspiel am 24. Mai beim MSV Duisburg? 
Das hat selbstverständlich einen sehr hohen Stellenwert. Wir sind alle heiß darauf, den Pokal nach Essen zu holen und in der nächsten Saison wieder im DFB-Pokal zu starten. Gute Leistungen in der Liga sind dafür die beste Vorbereitung. Dafür werden wir alles geben. 
 
Mit dem 1. FC Saarbrücken kommt eine Mannschaft an die Hafenstraße, die noch um den Aufstieg mitspielt und zumindest noch gute Chancen auf den Relegationsrang besitzt. Wie schätzt Du den Gegner ein? 
Der Verein wurde vor Saisonbeginn ganz sicher nicht zu Unrecht zu den Aufstiegsfavoriten gezählt – unter anderem wegen der wirtschaftlichen Kraft, die der Verein auch dank der erheblichen Einnahmen aus der zurückliegenden Saison im DFB-Pokal besitzt. Auch wenn es zuletzt mit dem 1:4 gegen Tabellenführer Dynamo Dresden einen Rückschlag gab, werden die Saarbrücker weiterhin alles tun, um zumindest noch Dritter zu werden. Wir müssen also mit sehr viel Widerstand rechnen. 
 
Mit Alois Schwartz nimmt ein neuer Trainer erstmals auf der FCS-Bank Platz. Welche Auswirkungen wird der Trainerwechsel haben? 
Alois Schwartz ist ein extrem erfahrener Trainer, der beispielsweise mit dem Karlsruher SC auch schon aus der 3. Liga in die 2. Bundesliga aufgestiegen ist. Er steht für einen sehr disziplinierten und gut organisierten Fußball. Die Herangehensweise wird sich sicherlich von seinem Vorgänger unterscheiden. Darauf haben wir uns in dieser Woche vorbereitet. 
 
Es ist für Dich das zweite Duell mit einem früheren Verein in Folge. Von Juli 2021 bis Oktober 2022 warst Du beim FCS tätig. Welche Erinnerungen hast Du daran? 
Wir haben damals aus meiner Sicht keine schlechte Saison 2021/2022 gespielt, wurden am Ende Tabellensiebter, obwohl uns beispielsweise als einzigem Klub sechs Punkte wegen des damaligen Rückzugs von Türkgücü München abgezogen wurden. Zu Beginn der folgenden Spielzeit haben dann viele Leute im Umfeld den Aufstieg in die 2. Bundesliga gefordert. Mit 16 Punkten nach acht Partien hatten wir auch einen sehr guten Start hingelegt, waren unbesiegt und hatten zu diesem Zeitpunkt mit nur vier Gegentoren die beste Abwehr im deutschen Profifußball. 
 
Ausgerechnet mit dem 0:1 in Essen gab es die erste Niederlage! 
Das stimmt. Zu diesem Zeitpunkt gab es einige Unruhe im Verein, da kurz zuvor mit dem späteren Trainer Rüdiger Ziehl ein neuer Manager installiert wurde. Danach habe ich keinen richtigen Zugriff mehr auf das Team bekommen, so dass die spätere Trennung letztlich unausweichlich war. Das war sehr schade und für mich auch ein unschönes Ende, das auch nicht richtig aufgearbeitet wurde. Das ist aber Vergangenheit und längst abgehakt. 
 
Durch die Erfolgsserie nach der Winterpause gab es zuletzt nur wenige Wechsel in der Startformation. Könnte sich das bis zum Saisonende ändern, um dem einen oder anderen Spieler die Möglichkeit zu geben, sich zu zeigen? 
Ja, das ist definitiv geplant. Es muss jetzt nicht schon gegen Saarbrücken der Fall sein, könnte aber schon in den kommenden Partien passieren. Es ist schließlich nicht unwichtig für mich, mir mit Blick auf die nächste Saison einen Überblick zu verschaffen, zu welchen Leistungen einige Spieler fähig sind, wenn sie von Beginn an spielen. Wir werden dabei aber sehr moderat vorgehen und es auf einzelne Positionen beschränken. Denn wie schon gesagt: Im besten Fall wollen wir den Flow bis zum Pokalfinale beibehalten. Und gerade bei uns an der Hafenstraße wollen wir unbesiegt bleiben.