26. Juni 2025
Vor exakt 70 Jahren: Deutscher Meister ist nur der RWE!
Am 26. Juni 1955 hat sich Rot-Weiss Essen in Hannover die Deutschen Meisterschaft erkämpft.

Rot-Weiss Essen gegen 1. FC Kaiserslautern (4:3) am 26. Juni 1955 in Hannover – also heute vor exakt 70 Jahren: „Das deutsche Wunsch-Endspiel ist Wirklichkeit geworden!“, schrieb der Fußball-Kurier. Ein „populäreres Endspiel“ habe man sich nicht wünschen können, eines „der spielerisch wertvollsten Endspiele der Geschichte“.
Der Spielverlauf:
Rot-Weiss Essen betrat das Spielfeld mit Fritz Herkenrath, Joachim Jänisch, Willi Köchling, Paul Jahnel, Heinz Wewers, Willi Grewer, Helmut Rahn, Penny Islacker, August Gottschalk, Johannes Röhrig und Berni Termath. Schon in der zweiten Spielminute holte sich Rahn den Ball in der eigenen Hälfte, passte auf die Rechtsaußenposition zu Termath, der mit einer schönen Flanke Röhrig bediente. Nur mit viel Glück konnte Liebrich den Ball kurz vor der Torlinie klären. Doch auch der 1. FC Kaiserslautern kam zu guten Tormöglichkeiten und ging bereits in der 11. Minute mit einem kuriosen Tor in Führung. Wangers Flanke von der linken Seite versuchte Herkenrath unbedrängt zu fangen, doch der Ball rutschte ihm durch die Hände und unglücklicherweise dem herbeieilenden Wenzel direkt vor die Füße. Herkenrath stürzte sich verzweifelt zu Boden, versuchte nachzugreifen – zu spät. Der Lauterer Innenstürmer musste den Ball nur noch zum 0:1 einschieben. Eine Minute später vereitelte Herkenrath die nächste Großchance der Pfälzer durch Scheffler.
Danach bekam RWE das Spiel immer besser in den Griff und hatte zahlreiche Großchancen. In der 19. Minute verlängerte Rahn den Ball zu Islacker, der machte eine Drehung und schoss zum 1:1 Ausgleich in die linke Ecke. Nur vier Minuten später war es erneut Rahn, der nach einem Dribbling auf dem rechten Flügel mit dem Ball in den Strafraum eindrang und von der Grundlinie aus vor das Tor zu Röhrig flankte, dessen Kopfball zum 2:1 ins Netz flog. Kurz vor dem Pausenpfiff ging Penny Islacker nach einer feinen Einzelleistung an Liebrich vorbei und schoss aus halbrechter Position flach ins lange Eck zum 3:1 ein.
In der zweiten Hälfte setzten die Pfälzer alles auf eine Karte. Ein Freistoß von Liebrich landete in der 56. Minute bei dem in Position gelaufenen Wenzel und dessen Kopfball flog zum 3:2-Anschlusstreffer rechts ins kurze Toreck. Kurz darauf hatte Helmut Rahn die Riesenchance zum 4:2, doch sein Torschuss wurde kurz vor der Torlinie geklärt. Dann der nächste Schock auf rot-weißer Seite: Islacker verletzte sich nach einem Zweikampf mit Eckel in der 70. Minute am linken Knie und musste vom Platz getragen werden. Während seiner Behandlungspause am Spielfeldrand drang Lauterns Scheffler aus halblinker Position in den Essener Strafraum ein, kam zu Fall und zum Entsetzen der RWE-Fans entschied Schiedsrichter Meißner auf Elfmeter. Baßler verwandelte in der 72. Minute unhaltbar zum 3:3-Ausgleich.
Torhüter Herkenrath und Stürmer Islacker waren verletzt, eine Wechselmöglichkeit gab es damals noch nicht. Was war da für RWE noch zu gewinnen? Islacker humpelte wieder zurück ins Spielfeld, musste aber in der 79. Minute erneut behandelt werden. Doch Penny biss die Zähne zusammen und war kaum zurück im Spiel, als ihm in der 85. Minute das Meistertor gelang. Termath setzte sich auf der rechten Seite gegen zwei Kaiserslauterner durch und flankte auf den zweiten Pfosten kurz vor dem Fünfmeterraum. Mit einem entschlossenen Hechtsprung warf sich der schwer angeschlagene Islacker in die Flanke und köpfte zum 4:3-Siegtreffer ins Netz.
Rot-Weiss Essen war Deutscher Meister. Erstmals nach dem Krieg hatte es wieder ein Verein aus dem Westen der Republik geschafft, den Titel zu gewinnen. Das Niedersachsenstadion war anschließend ein Fahnenmeer in Rot und Weiß.
Ein Beitrag unseres Vereinshistorikers Georg Schrepper.






