17. Oktober 2025
Kicken für Krupps Kundschaft
Fußball als Wirtschaftsförderprogramm.

Serie: Ein ausgezeichneter Botschafter für den deutschen Fußball
Seit 1949 trug Rot-Weiss Essen internationale Freundschaftsspiele aus, also bereits zu einer Zeit, als der internationale Sportverkehr mit deutschen Mannschaften noch sehr eingeschränkt war. Ermöglicht wurden diese rot-weissen Freundschaftsspiele durch die vielen internationalen Kontakte, die Georg Melches als Vorstandsmitglied der Didier-Kogag-Hinselmann AG hatte, die weltweite Aufträge im Koksofenbau bekam. Höhepunkt war die bekannte 8 ½-wöchige Amerikareise 1954 mit Spielen gegen die jeweiligen Landesmeisterteams. Dabei bekam RWE von der Presse das Prädikat zugesprochen, „ein ausgezeichneter Botschafter für den deutschen Sport“ zu sein.
Wirtschaftsförderer Rot-Weiss Essen
Das internationale Renommee der Rot-Weissen kreuzte sich im Herbst 1954 unverhofft mit den internationalen Handelsbemühungen der noch jungen Bundesrepublik. Am 25. November 1954 hielt sich der sudanesische Ministerpräsident Ismail al-Azhari zu wirtschaftspolitischen Gesprächen in der Bundesrepublik Deutschland auf. Bei einem Besuch auf der Villa Hügel, dem Repräsentationssitz der Firma Krupp, äußerte er den Wunsch, einmal Rot-Weiss Essen spielen zu sehen. Eilends wurde der SV Byfang, ein Vorortverein aus dem Essener Süden, als Spielpartner gewonnen. Die städtische Schulbehörde gab ab 11.00 Uhr schulfrei, so dass bei freiem Eintritt rund 8000 Zuschauer an einem „nebelgrauen Vormittag in unserem festlich geschmückten Stadion (…) ein seltenes Ereignis“ erlebten, wie die Vereinszeitung „Kurze Fuffzehn“ festhielt. Im Gefolge des sudanesischen Ministerpräsidenten waren auch der Justiz- und Sozialminister des Landes. Als Vertreter der Bundesregierung begleitete der Botschafter und Ministerialdirektor im Auswärtigen Amt für Handelspolitik, Freiherr Vollrath von Maltzahn, die Gäste. Von der Firma Krupp waren die beiden damaligen Generalbevollmächtigten Berthold Beitz und Dr. Friedrich Janssen erschienen. Das unterstrich den hohen Stellenwert dieses spontan angesetzten Freundschaftsspiels.
Bedeutung des Sports in einem Industriegebiet
Eine Bergmannkapelle spielte das Steigerlied und zur Begrüßung der Mannschaften stellte sich eine Schülermannschaft mit Wimpeln und Grubenlampen auf.
Georg Melches stellte in seiner Ansprache an die Gäste heraus, „wie durch den Sport den jungen Menschen in unserem Industriegebiet die Möglichkeit gegeben sei, Kräfte zu sammeln und zu mehren für die harte Arbeit, die das Leben von den heutigen Menschen verlangt. Er wies auf die rauchenden Schlote der Zechen und die hochragenden Bauten der Fabriken hin, in deren Mitte die kraftspendende Erholungsstätte unseres Sportplatzes gleichsam die Oase für die Jugend bilde“, schrieb Ernst Ruhkamp in der „Kurze Fuffzehn“.
Rot-Weiss Essen gewann 7:1 und die WAZ titelte danach vom „deutschen Exportartikel Fußball“. Gleichzeitig stellte die Zeitung noch einmal „die wirtschaftspolitische Bedeutung dieses sportlichen Beiprogramms“ heraus.
Am 29.11.1954 dankte Freiherr Vollrath von Maltzan in einem Brief an Alfried Krupp von Bohlen und Halbach dafür, „dass es gelungen war, den Wunsch der sudanesischen Herren, ein deutsches Fußballspiel zu sehen, in so geglückter Weise zu erfüllen.“ Dr. Janssen gab den Dank „für das großartig organisierte Fußballspiel anlässlich des sudanesischen Staatsbesuches“ in einem Schreiben vom 9.12.1954 an Georg Melches weiter.
RWE war also nicht nur Botschafter des deutschen Fußballs, sondern übernahm indirekt auch wirtschaftspolitische Aufgaben.
Ein Beitrag unseres ehrenamtlichen Vereinshistorikers Georg Schrepper.

