17. Oktober 2025
Koschinat: „Charakter und Mentalität sind einwandfrei“
RWE-Cheftrainer Uwe Koschinat vor Heimspiel gegen FC Viktoria Köln.

Eine Woche nach der Enttäuschung im Niederrheinpokal bei Rot-Weiß Oberhausen (2:3) ist der Blick bei Rot-Weiss Essen wieder nach vorne gerichtet. Die volle Konzentration gilt jetzt dem Abschneiden in der 3. Liga. Dort ist an diesem Samstag, 18. Oktober, zur ungewohnten Anstoßzeit um 16.30 Uhr gegen den FC Viktoria Köln der dritte Heimsieg nacheinander möglich. Ebenso wie gegen den FC Hansa Rostock (3:0) und die TSG Hoffenheim II (3:1) sollen auch gegen die Gäste aus der Domstadt die drei Punkte im Stadion an der Hafenstraße bleiben. Vor dem NRW-Duell führte die „kurze fuffzehn“ mit RWE-Cheftrainer Uwe Koschinat, der in Köln heimisch ist, folgendes Interview.
Hallo Uwe! Wie schwierig war es, das Pokal-Aus in Oberhausen wegzustecken?
Uwe Koschinat: Ein solches Negativerlebnis kann man nicht einfach abschütteln, das macht etwas mit einem. Wir wollten erneut den Pokal gewinnen, uns wieder für den DFB-Pokal qualifizieren und uns und unseren Fans dadurch die Möglichkeit verschaffen, wieder einen solchen Höhepunkt wie in dieser Saison gegen den BVB zu erleben. Entsprechend groß war die Enttäuschung über das Ergebnis, aber auch über die gezeigte Leistung.
Welche Erkenntnisse hat die Analyse des Spiels gebracht?
Wir waren in der Anfangsphase drückend überlegen, sind auch früh in Führung gegangen, haben es dann aber versäumt, mehr Kapital aus unserer Dominanz zu schlagen. Dann haben wir durch eigene Fehler Oberhausen zurück ins Spiel geholt. Keine Frage: Wir sind auf einen gut besetzten Regionalligisten getroffen, der immer in der Lage ist, auch einem höherklassigen Gegner Paroli zu bieten und ihn auch zu besiegen. Dennoch haben wir dazu entscheidend beigetragen. Aus dem Spiel heraus drei Gegentore zu kassieren, darf in einer so wichtigen Begegnung nicht passieren. Unter dem Strich war die Partie ein Spiegelbild unserer bisherigen Saison: Zu häufig wechselhaft, zu selten konstant.
Selbst während der herausragenden Rückserie der Vorsaison gab es einige Rückschläge!
Das stimmt. Gefühlt waren die Ausschläge aber nicht so groß und kamen auch nicht so schnell nacheinander. Wir sind immer direkt zurückgekommen und haben dann zumindest über mehrere Wochen wieder in die Spur gefunden. Sonst wäre eine solche Ausbeute auch niemals möglich gewesen. Da müssen wir wieder hinkommen.
Erwartest Du nach dem Oberhausen-Spiel auch jetzt wieder eine Reaktion der Mannschaft?
Um ganz ehrlich zu sein, wäre es mir wesentlich lieber, wenn wir nicht immer wieder auf ein vorheriges Spiel reagieren müssten. Denn das bedeutet ja, dass etwas nicht gepasst hat. Im Fokus muss stehen, dass wir unsere bestmögliche Leistung auf den Platz bringen – im besten Fall natürlich in jeder Partie.
Was sind die wichtigsten Hebel, um wieder dauerhaft die Kurve zu bekommen?
Der erste Schritt muss sein, die Anzahl unserer Gegentore wieder deutlich zu verringern. Wenn man im Schnitt in jedem Spiel drei Treffer erzielen muss, um zu gewinnen, dann wird das zwangsläufig nicht jede Woche gelingen. Wir mussten beispielsweise zahlreiche abgefälschte Gegentore und Strafstöße hinnehmen, was oft auch mit unserem Fehlverhalten, einer gewissen Sorglosigkeit oder Passivität zu tun hatte. Dafür wurden wir dann oft betraft. Das müssen wir dringend abstellen. Nur dann werden sich unsere Fortschritte und unsere ordentliche Performance in der Offensive auch in den Ergebnissen noch mehr bemerkbar machen. Wir gehören zu den Teams mit den häufigsten Torschüssen in der Liga. In diesem Teilbereich geht es dann darum, möglichst noch effektiver zu werden.
Welche Rolle spielt der Kopf?
Klar ist, dass im Moment nicht alles so leicht von der Hand geht. Wir alle haben die Messlatte in der Rückserie extrem hoch gelegt. Entsprechend hoch sind die Erwartungshaltung und der Anspruch, den die Spieler auch an sich selbst haben. Einige sind jetzt in der Realität angekommen. Ich muss aber auch sagen, dass es nichts mit der grundsätzlichen Einstellung zu tun hat. Charakter und Mentalität des Teams sind einwandfrei.
Den nächsten Gegner FC Viktoria Köln kennst Du sehr gut, zumal Deine Familie dort lebt und Du viele Jahre für den Lokalrivalen Fortuna Köln gearbeitet hast. Wie schätzt Du den Gegner ein, der sich seit vielen Jahren in der 3. Liga gut behauptet?
Ich habe großen Respekt vor dem, was bei der Viktoria geleistet wird. Die Zeiten, in denen sich der Verein den Erfolg unbedingt erkaufen wollte, sind schon lange vorbei. Es gab einen extremen Paradigmenwechsel. Jetzt steht die Viktoria dafür, Spieler zu fördern und zu entwickeln – entweder aus dem eigenen Nachwuchs oder als zweite Chance für Jungs, die bei anderen Klubs nicht so gut zurechtgekommen waren. Das machen sie herausragend, profitieren dabei sicherlich auch von ihrem eher ruhigen Umfeld. Dass der vorherige Co-Trainer Marian Wilhelm die Nachfolge des langjährigen Cheftrainers Olaf Janßen angetreten hat und die Arbeit scheinbar nahtlos fortsetzt, spricht ebenfalls für den Verein.
Wo siehst Du die besonderen Qualitäten des Teams?
Die Viktoria ist oft in der Lage, sich mit vielen kurzen Pässen aus der Abwehr heraus zu kombinieren. Torhüter Dudu ist da fast wie ein zusätzlicher Feldspieler. Wenn es sein muss, sind sie sich aber auch nicht zu schade, mal lange Bälle zu schlagen, und haben in der Offensive vor allem mit Lex-Tyger Lobinger, aber auch David Otto wirkungsvolle Zielspieler, die jederzeit für Torgefahr sorgen können. Da müssen wir hellwach sein.
Was nehmt Ihr Euch vor?
Es ist selbstverständlich unser klares Ziel, das Heimspiel zu gewinnen und die Viktoria in der Tabelle zu überholen. Aber dafür benötigen wir eine Top-Leistung.

