17. Oktober 2025
Marek Janssen: „Für meine Chance bereit sein“
28-jähriger Angreifer vor dem Heimspiel gegen FC Viktoria Köln im Interview.

Alle 190 Minuten ein Treffer: Das ist die Drittliga-Bilanz von Angreifer Marek Janssen. Nach 15 Einsätzen (drei Tore) in der 3. Liga für den SV Meppen trägt der Angreifer seit seinem Wechsel im Sommer vom aktuellen Nord-Regionalligisten an die Hafenstraße das Trikot von Rot-Weiss Essen. Dort stehen bislang vier Punktspieleinsätze und ein Tor zu Buche. Im Interview mit der „kurzen fuffzehn“ spricht der 28-Jährige über seinen Schritt zu RWE und seine Laufbahn, die ihn von der Bezirksliga bis in die dritthöchste Spielklasse geführt hat.
Hallo Marek! Bereits im letzten Winter hattest Du den Rot-Weissen für die neue Saison Deine Zusage gegeben, als der Klub noch auf einem Abstiegsplatz stand. Warum warst Du dennoch von dem Schritt überzeugt?
Marek Janssen: Ich war mir zu 100 Prozent sicher, dass die Mannschaft die Klasse halten wird. Als Traditionsverein hat RWE eine große Anziehungskraft und es hat mich sehr gereizt, in der 3. Liga zu spielen. Ich hätte dem Team gerne schon direkt geholfen.
Wie bist Du damit umgegangen, dass der Wechsel nicht unmittelbar stattfinden konnte?
Ich habe akzeptiert, dass der SV Meppen nicht bereit war, mich sofort gehen zu lassen. Ich hatte mich zuvor als Spieler ja auch für den SVM entschieden. Daher war es für mich in Ordnung, dass ich den Vertrag erfülle. Rund um den Verein fanden es die Leute schon schade, dass ich die Mannschaft verlasse. Alle, mit denen ich gesprochen hatte, konnten meinen Weg aber verstehen. Im Alter von 28 Jahren bekommt man nicht mehr allzu viele Chancen, in der 3. Liga zu spielen.
Wie hattest Du Dich damals über die Mannschaft auf dem Laufenden gehalten?
Ich habe mir so viele Partien wie möglich angeschaut. Wenn wir mit dem SV Meppen nicht gerade selbst gespielt haben, war ich bei fast allen Heimspielen dabei. Auch bei den Auswärtspartien bei Arminia Bielefeld, bei Viktoria Köln und beim SV Sandhausen war ich vor Ort. Dabei habe ich schon erlebt, was für eine große Wucht unsere Fans entwickeln können. Dass nun auch als Spieler zu erleben, ist eine super Sache.
Nach sechs Monaten Wartezeit: Wie gut fühlst Du Dich in Essen angekommen?
Das Team hat mich super aufgenommen. Durch die lange Zeit bis zu meinem Wechsel konnte ich mich mit meiner Freundin Leonie auch in Ruhe um eine Wohnung kümmern. Das hat die Eingewöhnung noch mehr erleichtert. Bis zum Training bin ich nur circa acht Minuten unterwegs.
Vor sechs Jahren warst Du noch in der Landesliga am Ball. Was waren für Dich die größten Umstellungen?
Die Schnelligkeit – sowohl physisch als auch mental. In jeder Spielklasse gab es noch einmal eine Steigerung, obwohl man sich das zunächst nur schwer vorstellen konnte. Genauso war es dann auch in den Testspielen vor dieser Saison gegen Vereine aus der Bundesliga und der 2. Bundesliga. Als physisch starker Strafraumstürmer sind die Auswirkungen für mich nicht ganz so groß.
Gab es für Dich einen Schlüsselmoment, an dem Du gemerkt hast: Ich kann es bis in den Profifußball schaffen?
An sich nicht. Ich hatte aber immer die Überzeugung, dass ich in jeder Liga meine Tore machen kann. Wenn ich das Vertrauen des Trainers bekommen habe, dann habe ich bei jedem meiner Vereine als Stürmer funktioniert. Im Nachwuchsbereich hatte ich ein Angebot aus der A-Junioren-Bundesliga. Da für meine Eltern und mich meine Ausbildung im Fokus stand, hatten wir uns dagegen entschieden. So habe ich mein erstes Herrenjahr im Fußball noch in der Bezirksliga bestritten. Mich durch die Spielklassen nach oben zu arbeiten, hat mich gelehrt, niemals aufzugeben.
Was würdest Du nun beruflich machen, wenn Du jetzt nicht Fußballer wärst?
Ich habe die Ausbildung zum Bürokaufmann abgeschlossen und auch vier Jahre in dem Bereich gearbeitet. Außerdem habe ich zwei Jahre lang Wirtschaft und Sport auf Lehramt studiert. Durch meinen Wechsel nach Meppen habe ich das Studium pausiert. Vermutlich wäre ich sonst jetzt in meinem Master-Studiengang. Ich könnte mir auch für die Zeit nach meiner Karriere vorstellen, als Lehrer zu arbeiten – dann allerdings als Quereinsteiger. Ich hatte bereits einige Vertretungsstunden geleitet. Das hat mir Spaß gemacht.
Für den SV Meppen hast Du in 81 Pflichtspielen 38 Treffer erzielt. Wo siehst Du selbst Deine Stärken?
Mit meiner Größe Bälle festzumachen, zähle ich bei meiner Statur zum Grundrepertoire eines Stürmers. Mein Instinkt im Strafraum ist wohl meine größte Stärke. Ich habe ein gutes Gespür dafür, wohin der Ball kommt, und kann mich entsprechend positionieren. Mit meinen Trainern hatte ich häufiger das eine oder andere Gespräch darüber, weil das nicht immer der taktischen Idee entsprochen hat. (lacht)
Der Konkurrenzkampf bei RWE ist mit Jannik Mause oder auch Jaka Cuber Potocnik groß. Wie gehst Du mit der Situation um?
Ich will mich in jedem Training so gut wie möglich anbieten, alle Eindrücke aufsaugen, um mich zu verbessern und so für meine Chance bereit sein. Ich denke, ich habe das zum Beispiel im Spiel beim TSV Havelse nicht so schlecht gemacht. Meine Verletzung aus der Partie war glücklicherweise nicht so schlimm, wie es zunächst befürchtet wurde. Daher konnte ich das auch schnell abhaken.
Für Euch als Team gab es mit dem Aus im Niederrheinpokal einen Rückschlag. Wie hast Du das Spiel in Oberhausen erlebt?
Die ersten 20 Minuten liefen super für uns und genau so, wie wir uns das vorgestellt hatten. Dann hat RWO allerdings bemerkt, dass gegen uns etwas möglich ist, weil wir den Deckel noch nicht draufgemacht hatten. In einem solchen Pokalspiel wächst der Gegner dann schon mal über sich hinaus und erzielt Tore, die sonst nicht so fallen. Hinzu kam dann beim Gegner noch ein Torhüter, der einen super Tag erwischt hat. Die Niederlage wäre auf jeden Fall vermeidbar gewesen, wenn man sich unsere Anfangsphase und unsere verpassten Torchancen anschaut. Das macht das Aus so bitter.
Nun geht es für Euch gegen den FC Viktoria Köln weiter. Worauf wird es für Euch ankommen?
Viktoria Köln spielt trotz vieler Umbrüche jedes Jahr einen ähnlich attraktiven Fußball. Von uns wird gefordert sein, gut gegen den Ball zu arbeiten – auch deshalb, damit mal wieder die Null steht. Wenn wir uns über die Grundtugenden reinkämpfen, haben wir gute Chancen zu gewinnen. Im Spiel nach vorne geht für uns immer etwas.


