31. Oktober 2025
Uwe Koschinat: „Haben noch Luft nach oben“
Der RWE-Cheftrainer vor dem Heimspiel gegen 1. FC Schweinfurt 05.

Zum fünften Mal in der Vereinsgeschichte trifft Rot-Weiss Essen an diesem Sonntag (2. November) ab 16.30 Uhr im Rahmen des 13. Spieltages in der 3. Liga auf den 1. FC Schweinfurt 05. Die bisherigen vier Duelle liegen zwar schon viele Jahre zurück, die Bilanz spricht aber eine eindeutige Sprache. Sowohl in der Aufstiegsrunde zur Bundesliga am Ende der Spielzeit 1965/1966 (3:0 und 2:1) als auch in der Zweitligasaison 1990/1991 (4:0 und 2:0) behielt RWE gegen die „Schnüdel“ bislang immer die Oberhand. Daran will das Team von Cheftrainer Uwe Koschinat anknüpfen und strebt gegen den Tabellenletzten damit gleichzeitig auch den vierten Heimsieg nacheinander an. Vor dem Duell mit den Gästen aus Unterfranken steht Uwe Koschinat der Redaktion der der „kurzen fuffzehn“ wie immer ausführlich Rede und Antwort.
Hallo Uwe! Das 1:1 beim MSV Duisburg liegt jetzt einige Tage zurück. Wie blickst Du im Nachhinein auf das Derby?
Uwe Koschinat: Unter dem Strich müssen und können wir mit dem Ergebnis gut leben. In vielen Phasen des Spiels haben wir Souveränität ausgestrahlt, speziell über weite Strecken der ersten Halbzeit, aber auch noch zu Beginn des zweiten Durchgangs. Da fehlte uns allerdings der letzte Punch vor dem gegnerischen Tor. In den letzten 20 Minuten hat uns der MSV dann allerdings stark unter Druck gesetzt und war dem Siegtreffer näher, so ehrlich müssen wir sein.
In der Liga ist RWE jetzt seit vier Spieltagen unbesiegt. Ist das ein Zeichen dafür, dass die gewünschte Stabilität einkehrt?
Von einer richtigen Serie können wir nicht sprechen. Schließlich lag das bittere Pokal-Aus in Oberhausen auch noch dazwischen. Das dürfen wir nicht vergessen. Allerdings geht es auch dem Rest der Liga so, dass kaum ein Team bislang Sieg an Sieg reihen kann.
Wie sehr nervt es Dich, dass in dieser Saison noch keine zwei Dreier in Folge gelungen sind?
Es gehört in der 3. Liga dazu, dass jedes Spiel schwere Arbeit ist und dass es auch immer wieder Rückschläge geben kann. Mich stimmt positiv, dass wir uns in einer guten Ausgangslage befinden, obwohl wir es bislang noch nicht geschafft haben, dauerhaft unser volles Leistungsvermögen auf den Platz zu bringen. Daran arbeiten wir hart. Fakt ist, dass wir noch eine Menge Luft nach oben haben und uns weiter steigern können.
Obwohl sich Michael Schultz nach seiner Bauchmuskelzerrung wieder fit gemeldet hatte, musste der Kapitän in Duisburg auf der Bank Platz nehmen. Was hat den Ausschlag gegeben?
Eines vorweg: Schulle hattes es vor seiner Verletzung wirklich gut gemacht, damit hatte es absolut nichts zu tun. Es war vielmehr so, dass Tobias Kraulich als sein Vertreter absolut überzeugt hatte. Auch und gerade in Duisburg hat er das Vertrauen mit einer sehr guten Balance aus Verteidigungsmentalität und starkem Aufbauspiel erneut eindrucksvoll gerechtfertigt. Unter anderem auf dieser Position haben wir einen Konkurrenzkampf auf einem sehr hohen Niveau: Ich kann mit meiner Entscheidung, wen ich aufstelle, deshalb nur richtig liegen. Es wird auf jeden Fall ein sehr guter Innenverteidiger sein.
Stichwort Konkurrenzkampf: Im zentralen Mittelfeld erhielten diesmal Klaus Gjasula und Torben Müsel den Vorzug. Was sprach für diese bislang seltene Formation?
Dass ich in diesem besonderen Derby einen erfahrenen Spieler wie Klaus Gjasula bringen würde, stand für mich nach dem Ablauf seiner Rotsperre außer Frage. Für Torben Müsel sprach, dass er in den beiden vorherigen Partien einen sehr stabilen Eindruck gemacht hatte und ein sehr ballsicherer Spieler ist, der auch unter Druck in der Regel die richtigen Entscheidungen trifft. Hinzu kam, dass Tom Moustier unter der Woche eine Trainingseinheit wegen leichter Beschwerden am Mittelfuß abbrechen musste. Er war dann aber rechtzeitig wieder fit und wurde dann ja auch noch eingewechselt. Ich bin als Trainer sehr froh, dass ich auf solche Alternativen zurückgreifen kann.
Ebenso wie Defensivspieler Luca Bazzoli gehörte auch Angreifer Jannik Mause in Duisburg nicht zum Aufgebot. Was war der Grund?
Nach seiner Verletzungspause wegen muskulärer Probleme hatte Jannik vor dem Duisburg-Spiel nur zwei Trainingseinheiten mit der Mannschaft absolviert. Weil Ramien Safi im Sturmzentrum gespielt hat, waren mit Marek Janssen und Jaka Cuber Potocnik außerdem ohnehin schon zwei weitere Mittelstürmer im Aufgebot.
Für Linksverteidiger Lucas Brumme reichte es verletzungsbedingt ebenfalls nicht für einen Einsatz. Wird er gegen den 1. FC Schweinfurt 05 zur Verfügung stehen?
Da wir erneut erst am Sonntag spielen, ist die Hoffnung da. Lucas hat ab Mitte der Woche wieder am Training teilgenommen. Das müsste reichen, wenn keine erneuten Beschwerden aufgetreten sind. Allerdings muss ich auch sagen, dass es Franci Bouebari als sein Vertreter gut gemacht hat. Nachdem ihm gleich zu Beginn der Partie ein Fehler unterlaufen war, hat er sich gefangen und sein Herz in beide Hände genommen. Er hat bewiesen, dass wir uns auf ihn zu 100 Prozent verlassen können.
Der 1. FC Schweinfurt 05 hat elf von zwölf Saisonspielen verloren. Richtest Du Dich auf ein Geduldspiel gegen einen tiefstehenden Gegner ein?
Bisher sind die Schweinfurter bei allen Misserfolgen nicht so aufgetreten, sondern haben stets einen eher spielerischen und durchaus mutigen Ansatz gewählt. Ob sich das jetzt ändert, werden wir sehen. Wir sind auf jeden Fall gut vorbereitet.
Wie wird die Marschroute aussehen?
Wir sind gut beraten, wenn wir uns am Unterhaching-Spiel während der letzten Rückrunde orientieren. Da kam ebenfalls der vermeintlich schon abgeschlagene Tabellenletzte an die Hafenstraße und hat einen Punkt mitgenommen. Das soll uns diesmal nicht passieren. Wir werden den Gegner maximal ernst nehmen. Das wird alles andere als ein lockeres Ding.
Mit dem ausgeliehenen Ekin Celebi und Manuel Wintzheimer stehen zwei Spieler im Schweinfurter Kader. Wie bewertest Du ihre Entwicklung?
Ekin wurde ausgeliehen, damit er endlich konstant Spielzeit sammelt. Das funktioniert gut, obwohl sein Start mit einer Rotsperre denkbar unglücklich war. Seitdem ist er aber unumstrittener Stammspieler. Manuel hat zuletzt nicht so viel Spielzeit bekommen. Ich kann mir aber gut vorstellen, dass mein Kollege ihn in Essen von Beginn an bringen wird. Schließlich dürfte er dann maximal motiviert sein. Über welche Qualitäten er verfügt, wissen wir. Er war nicht von ungefähr auch schon in der Bundesliga und der 2. Bundesliga am Ball.

