21. November 2025

Tobias Kraulich: „Besondere Bühne für unser Spiel“

26-jähriger Innenverteidiger vor Heimspiel gegen FC Energie Cottbus im Interview.

Tobias Kraulich: "Besondere Bühne für unser Spiel" – Rot-Weiss Essen
Tobias Kraulich will mit RWE den fünften Heimsieg in Folge. (Foto: RWE)

Mit dem FC Energie Cottbus wartet am 15. Spieltag eines der torgefährlichsten Teams in der 3. Liga zum Spitzenspiel auf Rot-Weiss Essen. Die 30 Treffer der Lausitzer werden vor dem Spieltag ligaweit nur vom SC Verl (31) übertroffen. Auf entsprechend intensive Duelle muss sich die RWE-Defensive um Tobias Kraulich gegen den punktgleichen Tabellenzweiten einstellen.

Nach vier Startelfeinsätzen zu Saisonbeginn und einer zwischenzeitlichen Geduldsprobe ist der 26-Jährige nun seit dem 10. Spieltag aus dem RWE-Team nicht mehr wegzudenken. Im Interview mit der „kurzen fuffzehn“ spricht Kraulich über das Top-Spiel am Sonntagabend an der Hafenstraße.

Hallo Tobias! Nach der Länderspielpause geht es nun im Spitzenduell mit dem FC Energie Cottbus erstmals wieder um Punkte. Ist die Vorfreude dadurch noch größer?

Tobias Kraulich: Wir freuen uns ohnehin schon, wenn wir vor heimischer Kulisse an der Hafenstraße spielen. Beim Blick auf die Tabelle geht kaum noch mehr. Ab dem Start der Trainingswoche lag der volle Fokus auf dem Spitzenspiel. Die Länderspielpause war aber auch wichtig, um mental abzuschalten und den Fußball mal hintenanzustellen. Ich hatte mit Lucas Brumme, dem ehemaligen RWE-Torhüter Hendrik Bonmann und Marvin Rittmüller vom TSV 1860 München, der ein alter Schulfreund von mir ist, einen Kurz-Trip unternommen.

Während der Liga-Unterbrechung hattet Ihr ein Testspiel gegen den niederländischen Zweitligisten VVV-Venlo. Wie hast Du die Partie erlebt?

Es war ein sehr intensives Spiel auf einem hohen athletischen Niveau. In der ersten Halbzeit waren wir sehr dominant. Eigentlich darf es uns nicht passieren, dass wir nicht mit einer Führung in die Pause gehen. Unsere Überlegenheit konnten wir dann aber im zweiten Durchgang noch ummünzen.

In der Meisterschaft stehen für Euch 26 Zähler aus 14 Begegnungen zu Buche. Wie ordnest Du die Ausbeute ein?

Zu Beginn war unsere Saison noch ein wenig eine Achterbahnfahrt. Mittlerweile haben wir uns eingependelt. Wir wirken stabiler und können mit Rückschlägen gut umgehen. Wir sind immer noch früh in der Saison, aber derzeit voll im Soll. In den Spielen könnten wir noch über einen längeren Spielraum unsere Leistung abrufen, damit wir nicht mehr so unter Druck geraten wie beispielsweise in der zweiten Halbzeit gegen den 1. FC Schweinfurt. Es ist aber gut, dass wir noch weiteres Potenzial nach oben besitzen.

Ihr seid bisher nur in zwei Partien ohne Gegentreffer geblieben. Beschäftigt Dich das als Innenverteidiger?

Ich kassiere schon ungerne Gegentore. Solange wir dann aber mindestens einen Treffer mehr erzielen, kann ich damit gut umgehen. Wir agieren in den Spielen auch defensiv nicht so schlecht, wie es die Anzahl an Gegentoren vermuten lassen würde. Beim 1:6 in Mannheim waren etwa viele noch unglücklich abgefälschte Schüsse dabei. Außerdem bekamen wir schon neun Elfmeter gegen uns gepfiffen. Wenn wir uns in diesen Situationen zukünftig besser anstellen und uns an unsere Prinzipien halten, werden wir schon bald häufiger zu Null spielen. Das würde mich auch für Jakob Golz freuen. Bei Spielen ohne Gegentor gibt es außerdem immer Zitronenkuchen. (lacht)

Nach dem Saisonstart standest Du in einigen Partien nicht mehr in der Startelf. Wie bist Du mit der für Dich ungewohnten Situation umgegangen?

Das war quasi ein Spiegelbild der vergangenen Saison, als ich ebenfalls nach dem 4. Spieltag aus der Startelf gerutscht war. Ich habe – trotz des gewissen Anspruchs, am liebsten immer spielen zu wollen – die Situation angenommen. Fußball ist schließlich ein Teamsport. Ich wollte die Zeit bestmöglich nutzen, um bereit zu sein, wenn ich wieder gebraucht werde. Es kann schließlich auch sehr schnell gehen. Ich habe in dieser Zeit beispielsweise viel im athletischen Bereich an mir gearbeitet.

Wie würdest Du selbst Deine Stärken beschreiben?

Ich habe sehr gerne den Ball am Fuß. Der Spielaufbau ist mein Steckenpferd. Auch eine gewisse Torgefahr zeichnet mich aus. In den zurückliegenden Monaten habe ich mit unserem Trainer außerdem intensiv daran gearbeitet, die Defensivaspekte weiter zu verbessern. Ich bin schließlich immer noch Innenverteidiger.

In der vergangenen Saison habt Ihr überwiegend mit einer Dreierkette gespielt. Zuletzt habt Ihr vermehrt in einer Viererkette verteidigt. Inwiefern unterscheiden sich dabei Deine Aufgaben?

Gar nicht allzu sehr, denn im Mittelpunkt stehen weiterhin unsere Prinzipien. In einer Dreierkette ist es aber schon so, dass man durch die beiden Nebenleute mehr abgesichert ist und sich somit mehr ins Offensivspiel einschalten kann. Auf der anderen Seite ist durch unsere breitere Anordnung der Passweg für Diagonalbälle weiter. Zuletzt hat es mit der Viererkette sehr gut gepasst. Genauso waren wir in der vergangenen Saison aber auch mit einer Dreierkette sehr erfolgreich. Es ist gut, dass wir da so flexibel sind.

Welche Bedeutung hat das nun anstehende Spitzenspiel?

Das Ergebnis wird nicht die restliche Saison entscheiden. Wir freuen uns aber sehr auf das Duell. Wir konnten zuletzt vier Heimspiele in Folge gewinnen und wollen das auch zum fünften Mal schaffen. Durch die späte Anstoßzeit werden bestimmt auch Fans von anderen Vereinen einen Blick auf die Partie werfen. Dass wir dadurch eine besondere Bühne für unser Spiel bekommen, ehrt uns.

Wie schätzt Du den FC Energie Cottbus ein?

Man kann nur den Hut davor ziehen, dass das Team auch nach dem Umbruch weiterhin zur Spitzengruppe gehört. Mit Spielern wie Tolcay Cigerci und Erik Engelhardt sowie schon 30 erzielten Toren gehört die Offensive zu einer der besten der Liga. Die 22 Gegentore sind aber ein Zeichen, dass es für uns Lücken und Möglichkeiten geben wird.

Worauf wird es für Euch vor allem ankommen?

Die Gier in der Arbeit gegen den Ball, die uns zuletzt ausgezeichnet hat, müssen wir wieder abrufen. Wir müssen mit Selbstvertrauen auftreten, ohne nervös zu werden. Wenn wir unsere Qualitäten auf den Platz bekommen, bin ich sehr positiv gestimmt.

Tobias Kraulich: "Besondere Bühne für unser Spiel" – Rot-Weiss Essen
Tobias Kraulich: "Besondere Bühne für unser Spiel" – Rot-Weiss Essen