19. Dezember 2025

Fußballpapst in Rot-Weiss – Als Pelé an der Hafenstraße spielte

Serie: Ein ausgezeichneter Botschafter für den deutschen Fußball.

Fußballpapst in Rot-Weiss - Als Pelé an der Hafenstraße spielte – Rot-Weiss Essen
Pelé (am Ball) verzauberte die Hafenstraße. (Foto: Archiv Schrepper)

Seit 1949 bestritt Rot-Weiss Essen Freundschaftsspiele gegen internationale Vereins- und Nationalmannschaften. Ermöglicht wurden diese Begegnungen durch die Kontakte von Georg Melches, aber auch durch die vor allem in den 1950er Jahren üblichen Gastspielreisen europäischer und südamerikanischer Teams. Da das Stadion an der Hafenstraße eine größere Zuschauerkapazität bot als die Glückauf-Kampfbahn in Gelsenkirchen, kam es im Rahmen einer solchen Gastspielreise 1963 an der Hafenstraße zu einer ganz besonderen Begegnung mit dem späteren Ehrenmitglied von RWE, Edson Arantes do Nascimento, genannt Pelé.

Der FIFA-Weltfußballer des 20. Jahrhunderts spielte am Pfingstsonntag 1963 mit dem amtierenden Weltpokalsieger FC Santos und weiteren Spielern der brasilianischen Weltmeistermannschaft gegen Schalke 04 in Essen-Bergeborbeck und gewann mit 2:1.

Warum ausgerechnet an der dortigen Hafenstraße?

Der Schalker Kassierer hatte sich trotz der 30.000 Dollar Antrittsprämie der Südamerikaner – was damals rund 120.000 DM entsprach – eine dicke Einnahme erhofft. Daher fand das Spiel nicht in der Gelsenkirchener Glückauf-Kampfbahn, sondern im Stadion an der Hafenstraße statt. Hier konnte mit Zusatztribünen und Sondergenehmigungen der Polizei das Fassungsvermögen des Stadions auf 47.918 Sitz- und Stehplätze erweitert werden. Bei gestaffelten Eintrittspreisen von 6,50-DM bis 26,- DM sollte das Spiel ein finanzieller Knüller werden.

Doch es fanden nur 12.000-15.000 Zuschauer den Weg ins Stadion und ließen den sportlichen Leckerbissen zu einem finanziellen Desaster für Schalke werden. Die Königsblauen mussten tief in die eigene Tasche greifen, um die hohe Antrittsprämie und Hotelkosten der brasilianischen Fußballer zahlen zu können. Mit bis zu 70.000 DM wurde der finanzielle Schaden für Schalke 04 beziffert. RWE, mit 20% an den Einnahmen nach Abzug der Aufwendungen für die Stadionkosten beteiligt, blieb ein magerer Überschuss von 1907,26 DM, von dem die Hälfte zur Verrechnung einer Darlehnsschuld an die Essener Stadtkasse überwiesen wurde.

Brasilianische Spielweise

Erklärungsversuche gab es viele. „Nicht nur Deutschland, ganz Europa ist eben von `Brasilien-Müdigkeit´ befallen“, hieß es in einem Pressebericht. Der Weltpokalsieger hatte auf seiner Tournee zu oft Sommerfußball gespielt und die Zuschauer einige Male bitter enttäuscht. Dafür waren viele nicht mehr bereit, die für damalige Verhältnisse saftigen Eintrittspreise zu bezahlen. Dennoch waren sich die Kommentatoren einig: Dieses Spiel hätte mehr Zuschauer verdient. In den Berichterstattungen wurde vor allem die vollkommene Beherrschung des Balles hervorgehoben.

„Wenn diese brasilianischen Stürmer den Ball streichelten, dann sah man das Naturgefühl für das Leder, die vollkommene Beherrschung des Balles in jeder Situation (….). Auf engstem Raum spielten sie sich noch das Leder blitzschnell zu. So schnell, dass keiner der Schalker Spieler eingreifen konnte. Da kamen die Pässe kurz und gestochen, dann wieder lang und wie an der Schnur gezogen, an der Abwehr vorbei oder durch sie hindurch, ganz wie man wollte.“ Superstar Pelé schoss in der 36. Minute nach einem solchen Zuspiel über 20m das 1:0 für den FC Santos, sein Nationalmannschaftskollege Coutinho erhöhte in der 70. Minute im Nachschuss zum 2:0. In der Schlussphase gelang dem Schalker Gerhardt nach einer Ecke noch der Anschlusstreffer zum 2:1.

Ein sportliches Zusammentreffen mit RWE gab es wenige Jahre später auch noch und zwar im Aktuellen Sportstudio. Hier gewann Willi „Ente“ Lippens mit 2:1 beim Torwandschießen das Duell gegen die brasilianische Fußballlegende Pelé.

Ein Beitrag unseres ehrenamtlichen Vereinshistorikers Georg Schrepper.

Fußballpapst in Rot-Weiss - Als Pelé an der Hafenstraße spielte – Rot-Weiss Essen