28. September 2023
Marvin Obuz: „Fühle mich bei RWE pudelwohl“
21-jähriger Flügelstürmer entwickelt sich an der Hafenstraße auf Anhieb zum Stammspieler.

Er ist der jüngste Stammspieler im Kader: Mit gerade einmal 21 Jahren hat Marvin Obuz in dieser Saison alle sieben bisherigen Drittliga-Spiele für Rot-Weiss Essen bestritten, fünfmal gehörte er dabei zur Startformation von Trainer Christoph Dabrowski. Nach den ersten Schritten in der 2. Bundesliga bei Holstein Kiel (zehn Einsätze) hatte ihn sein Stammverein 1. FC Köln zu Saisonbeginn an RWE verliehen. Vor dem Heimspiel gegen Dynamo Dresden (So., 01. Oktober, 13.30 Uhr, Stadion an der Hafenstraße) nahm sich der langjährige U-Nationalspieler Zeit für ein Interview.
Hallo Marvin! Mit dem Heimspiel gegen Dynamo Dresden geht das zeitlich anspruchsvolle Programm direkt weiter. Was hältst Du grundsätzlich von Englischen Wochen?
Marvin Obuz: Die finde ich super. Für einen Fußballer gibt es eigentlich nichts Besseres: Viele Spiele und nur wenig Training. (lacht) Wenn man die Zwischenzeit jeweils gut nutzt, sich intensiv behandeln lässt und darauf achtet, möglichst viel zu schlafen, kommt man ganz gut durch englische Wochen.
Schon in der vergangenen Saison hatte Dich der 1. FC Köln verliehen. Wie bewertest Du rückblickend Deine Zeit in der 2. Bundesliga bei Holstein Kiel?
Beim Blick von außen könnte man zum Urteil kommen, dass es eher eine verlorene Saison für mich war. Und ich hätte mir natürlich auch mehr Einsatzzeiten gewünscht. Ich konnte dennoch positive Dinge aus der Zeit mitnehmen. Ich habe gelernt, mit Rückschlägen umzugehen, bin dadurch reifer und auch selbstbewusster geworden. Und in Kiel war ich auch zum ersten Mal von zu Hause weg, womit ich gut zurechtkam.
Für die Leihe zu RWE wurde Dein Vertrag in Köln bis 2025 verlängert. Wie gehst Du mit der Erwartungshaltung um?
Das Vertrauen der Verantwortlichen freut mich natürlich. Ich will nun so viel Spielzeit wie möglich sammeln und dabei auch konstant gute Leistungen zeigen. Als gebürtiger Kölner könnte ich mir nichts Schöneres vorstellen, als irgendwann für die FC-Profis aufzulaufen. Ich war schon früh auch als Fan im Stadion. Mit Thomas Kessler, dem Leiter Lizenzbereich beim 1. FC Köln, bin ich regelmäßig im Austausch über meine Fortschritte.
Bereits im Alter von acht Jahren hattest Du Dich dem 1. FC Köln angeschlossen. Kannst Du Dich an die Anfänge noch erinnern?
Ich hatte zunächst für den BC Efferen gespielt, bis ich mich für ein Probetraining beim 1. FC Köln angemeldet hatte. Es gab schnell ein positives Feedback. Schon nach der zweiten Trainingseinheit hatte sich angedeutet, dass der Wechsel klappen könnte. Für mich stand schnell fest, dass ich die Chance auf jeden Fall wahrnehmen will.

War der Gewinn der Deutschen B-Junioren-Meisterschaft bislang der Höhenpunkt Deiner noch jungen Laufbahn?
Vor allem, weil es der erste Titel war, wird der Erfolg für immer in meinem Gedächtnis bleiben. Ich freue mich darüber, dass ich meinen Teil dazu beitragen konnte und während der Endrunde im Halbfinalrückspiel gegen den FC Bayern München auch als Torschütze erfolgreich war. Mein bester Kumpel Vincent Friedsam ist mittlerweile für die Würzburger Kickers am Ball. Auch mit Joshua Schwirten vom FC Erzgebirge Aue bin ich regelmäßig in Kontakt. Mit den anderen Jungs hat man immer mal wieder lose zu tun.
Einer Deiner Mitspieler war damals auch Meiko Sponsel, der in der Vorsaison für RWE am Ball war. Hattet Ihr vor Deinem Wechsel an die Hafenstraße darüber gesprochen?
Klar, ich habe ihn natürlich nach seinen Eindrücken gefragt. Und meine Erwartungen haben sich auf jeden Fall erfüllt. Das Team ist super. Und vor einer solchen Kulisse zu spielen, ist ein tolles Gefühl. Ich fühle mich bei RWE pudelwohl.
Du warst bislang schon 27-mal für deutsche Junioren-Nationalmannschaften am Ball, zuletzt vor fast einem Jahr für die U20. Was ist das für ein Gefühl?
Es war jedes Mal eine riesige Ehre, das DFB-Trikot zu tragen. Ich kann mich beispielsweise noch sehr gut an ein Gruppenspiel bei der U17-Europameisterschaft in Irland erinnern. Gegen Österreich einen Treffer und eine Vorlage beizusteuern, war etwas Besonderes. Leider stand zu dem Zeitpunkt schon fest, dass wir ausgeschieden sind. Mit wieder mehr Spielpraxis habe ich schon die Hoffnung, noch einmal ein U-Länderspiel bestreiten zu dürfen.
Wo siehst Du selbst Deine Stärken?
Ich denke, mich zeichnet eine mutige Spielweise aus. Ich suche immer wieder die Eins-gegen-Eins-Situationen und kann mich mit meinen Tempo-Dribblings auch gut durchsetzen.

Die sechs RWE-Saisontreffer wurden von sechs verschiedenen Torschützen erzielt – eins davon auch von dir. Siehst Du darin einen Vor- oder Nachteil?
Das kann man von zwei Seiten betrachten. Einerseits haben wir natürlich den Anspruch, mehr Treffer zu erzielen. Wir haben auch die Spieler, um uns mehr als einmal in die Torschützenliste einzutragen. Andererseits sind wir durch die verschiedenen Schützen aber auch nicht einfach auszurechnen.
Wie schätzt Du Spitzenreiter Dynamo Dresden ein?
Das Spiel wird ein Highlight. Vor zwei solch leidenschaftlichen Fan-Gruppierungen zu spielen, macht einfach Bock. Wir sollten nicht zu sehr nach dem Gegner schauen oder uns von der Tabellenführung beeinflussen lassen und stattdessen auf unsere Qualitäten vertrauen.
Was wird für Euch besonders wichtig sein?
Jedem ist bewusst, dass wir in Ulm kein gutes Spiel gemacht haben. Wir müssen wieder mit der Bereitschaft und dem Willen auftreten, der uns zuvor ausgezeichnet hatte. In jedem Zweikampf soll spürbar sein, dass wir die Duelle unbedingt für uns gewinnen wollen. Wir werden zeigen, dass wir die richtigen Lehren aus dem Spiel gezogen haben.
