5. Oktober 2023
Ron Berlinski: „Habe besonderen Weg hinter mir“
29-jähriger Angreifer schaffte beim RWE-Gegner SC Verl Sprung in den Profifußball.

DJK TuS Hordel, RSV Meinerzhagen, SC Verl und seit Sommer 2022 Rot-Weiss Essen: Für Angreifer Ron Berlinski ging es in den zurückliegenden Jahren steil nach oben, genauer gesagt von der Westfalenliga bis in den Profifußball. Mittlerweile bestreitet der lauf- und kampfstarke Stürmer bereits seine dritte Spielzeit in der 3. Liga. Vor dem Wiedersehen mit seinem früheren Verein SC Verl nahm sich der 29-jährige Angreifer Zeit für ein Interview.
Hallo Ron! Zum Abschluss der „Englischen Woche“ ist der SC Verl im Stadion an der Hafenstraße zu Gast. Es ist ein besonderes Spiel für Dich, oder?
Ron Berlinski: Auf jeden Fall. Ich hatte mich schon in der abgelaufenen Saison sehr auf die Wiedersehen gefreut, das ist in diesem Jahr nicht anders. Ich habe dem SC Verl viel zu verdanken. Der Verein hatte mir die Chance gegeben, mich im Profifußball zu beweisen. Ich hatte eine gute Zeit in Verl.
Vor etwas mehr als vier Jahren hast Du noch in der Westfalenliga gespielt. Mal ehrlich: Musst Du Dich ab und zu noch kneifen, dass Du jetzt schon deine dritte in der 3. Liga Saison spielst?
Wenn mir jemand vor einigen Jahren gesagt hätte, dass ich mich im Profifußball etablieren würde, hätte ich ihn wahrscheinlich für wahnsinnig erklärt. (lacht) Es ist ein Privileg, dass ich mein Hobby zum Beruf machen konnte. Vor allem, wenn ich mit meiner Familie oder mit Freunden über meine Spiele spreche, dann wird mir das noch einmal richtig bewusst. Ich habe einen besonderen Weg hinter mir.
Was war Deine erste Reaktion, als der SC Verl im Sommer 2021 Interesse an Dir gezeigt hatte?
Ich kann mich noch gut daran erinnern, ich wollte das sofort machen. Mit 26 Jahren als Oberliga-Spieler ein Angebot aus der 3. Liga von einem aufstrebenden Verein wie dem SC Verl zu bekommen, war eine Chance, die ich mir nicht entgehen lassen wollte.

Was waren für Dich in der 3. Liga die größten Umstellungen?
Eindeutig das Tempo. Die Spieler denken in den Spielsituationen häufig schon drei, vier Schritte im Voraus. Es hat bestimmt drei Monate gedauert, bis ich mich daran gewöhnt hatte. Durch die höhere Qualität bei den Mannschaftskollegen bin auch ich als Spieler besser geworden. Neu war für mich außerdem, dass ich plötzlich jeden Tag mit dem Team auf dem Trainingsplatz stand. Ich hatte teilweise Muskelkater an Stellen, mit denen ich nicht gerechnet hatte. (lacht)
Gab es für Dich denn vorher nie die Möglichkeit, den Weg in Richtung Profifußball einzuschlagen?
Bis zur C-Jugend war ich für den VfL Bochum am Ball, anschließend ging es für mich sportlich dort nicht weiter. Aber auch bei meinen unterklassigen Stationen bei der SG Wattenscheid 09, beim DSC Wanne-Eickel und bei der DJK TuS Hordel hatte der Fußball immer eine große Bedeutung für mich. Dass ich meinen Job für den Sport aufgeben würde, hatte sich aber nicht wirklich angedeutet.
Was würdest Du jetzt beruflich machen, wenn sich für Dich nicht die Tür zur 3. Liga geöffnet hätte?
Ich war Mechatroniker für Nutzfahrzeuge. Bis zu meiner Ausbildung hatte ich tatsächlich nicht ganz so viel mit Autos zu tun. (lacht) Mir hat es aber gefallen, als Team in der Werkstatt zu arbeiten. Ich mag den ehrlichen, manchmal auch rauen Umgang und den Schweiß, das Blut und die Tränen, die man in die Arbeit steckt. Ich habe keine Bedenken, nach meiner aktiven Karriere erneut in der Automobil-Branche zu arbeiten.
Ist es manchmal vielleicht sogar von Vorteil, dass Du Dich über verschiedene Ligen nach oben arbeiten musstest?
Es hat auf jeden Fall meine intensive Spielweise geprägt. Ich würde auch sagen, dass man meine wilde und manchmal auch verrückte Art nicht oft findet. Ich mag es, Unruhe in der Defensive des Gegners zu stiften. Und es hilft natürlich auch dem Team, wenn wir dadurch schon früh in der Nähe des Strafraums den Ball gewinnen. Dass ich bis zum letzten Moment alles aus mir heraushole, passt sehr gut zu einem Malocher-Verein wie RWE. Es freut mich sehr, dass die Fans das ebenfalls honorieren und komplett hinter mir stehen.

Mit Vinko Sapina ist ein ehemaliger Mitspieler von Dir in diesem Sommer ebenfalls vom SC Verl zu RWE gewechselt. Hattet Ihr im Vorfeld Kontakt?
Nicht wegen des Wechsels. Ich hätte da auch gar nicht ein Zünglein an der Waage sein wollen. Aber ich freue mich natürlich, dass Vinko nun auch bei RWE ist. Er ist einer der besten Spieler, mit denen ich bislang zu tun hatte. Schon jetzt hat er eine tragende Rolle bei uns eingenommen und das wird garantiert auch so bleiben.
Wie ist Dein Eindruck vom aktuellen Team des SC Verl?
Der Saisonstart war eher unglücklich. Der SC Verl hat – wie jedes Jahr – eine spielstarke Mannschaft. Das Team setzt auf einen guten und geordneten Spielaufbau und legt die dafür notwendige Risikobereitschaft an den Tag. Das wird für uns auf jeden Fall ein hartes Stück Arbeit.
Was wird für Euch besonders wichtig sein?
Wir dürfen den SC Verl vor allem nicht in einen Flow kommen lassen. Wir müssen vom ersten Moment an eine selbstbewusste Körpersprache an den Tag legen und den Gegner immer wieder beschäftigen. Wenn wir unseren Plan zu 100 Prozent umsetzen können, dann bin ich guter Dinge. Wir wollen an die Effektivität anknüpfen, die wir im Heimspiel gegen Dynamo Dresden an den Tag gelegt haben.
