3. November 2023

Breite Brust auf beiden Seiten

Duellcheck: Rot-Weiss Essen und Arminia Bielefeld gehen mit Siegesserien ins NRW-Duell.

Auch am Samstag  will Rot-Weiss Essen wieder jubeln.
Auch am Samstag soll an der Hafenstraße wieder gemeinsam gejubelt werden. (Fotos: Endberg)

In einem ausverkauften Stadion an der Hafenstraße treffen Samstag mit Rot-Weiss Essen und Arminia Bielefeld zwei Teams aufeinander, die aktuell vor Selbstbewusstsein strotzen. Beiden Mannschaften gelang es, jeweils die letzten drei Drittliga-Partien für sich zu entscheiden. Wer seine Serie ausbaut, zeigt sich ab 14.00 Uhr, dann rollt der Ball in Bergeborbeck. Alle Fakten rund um die Partie lesen RWE-Fans im Duellcheck!

Ausgangslage:

„So ein Tor ist etwas ganz Besonderes“, berichtet RWE-Innenverteidiger Mustafa Kourouma der Presse nur Momente nach seinem wohl furiosesten Karrieremoment. Eine butterweiche Felix-Götze-Hereingabe vom linken Strafraumeck macht den Youngster vergangenen Samstag zum Derbyhelden gegen Duisburg: Ausgerechnet mit dem Kopf erzielt Kourouma in Minute 90+3 das 2:1 – schon das siebte Tor auf diese Art, kein anderer Drittliga-Klub als RWE setzte öfter den Haaransatz ein, um Treffer zu landen.

Breite Brust auf beiden Seiten – Rot-Weiss Essen
Ekstase pur nach dem Last-Minute-Derbytor in Duisburg.

Der Innenverteidiger katapultiert sich und die Teamkollegen damit an fünfte Tabellenposition. Nie war Essen in seiner Drittliga-Historie bessergestellt, zudem gelangen erstmals drei Ligasiege in Serie. Was für die Punktestatistik gut, allerdings kardiologisch für alle Beteiligten teils alarmierend sein mag: Kein anderer Klub traf in der Nachspielzeit „90+“ häufiger – drei Hütten sind es mittlerweile schon in den Zusatzminuten. Auf die ersten drei deutschen Fußball-Ligen gesehen knackt diese Momentaufnahme gar nur der FC St. Pauli (5).

Die Paradeform bestätigte derweil auch ein durchrotiertes RWE-Team am Dienstagabend gegen den SV Straelen. Ungefährdet führten Ron Berlinski, Torben Müsel, Nils Kaiser und Moussa Doumbouya einen 4:0-Sieg gegen den Niederrhein-Oberligisten herbei.

Breite Brust auf beiden Seiten – Rot-Weiss Essen
Am Dienstagabend im Niederrheinpokal stand Björn Rother (m.) auf dem Platz, auch für Samstag ist der Mittelfeldmann wieder eine Option.

Von einem anderen – zugegeben ob der Ausgangslage furioserem – Pokalsieg des damaligen Regional- gegen den Bundesligisten Bielefeld (0:1 im September 2020) möchte Chef-Trainer Christoph Dabrowski, zwischen 2001 und 2003 selbst Armine, derweil nichts mehr wissen: „Das ist drei Jahre her und somit ein Muster ohne Wert. Samstag sehen wir ein Liga-, kein Pokalspiel und die Konstellation ist ganz anders.“

Wo damals also nur eine geringe Außenseiterchance da war, stehen sich nun zwei Ligakonkurrenten gegenüber. Auch wenn Dabrowski weiß: „Bielefeld ist ein Schwergewicht der 3. Liga, ein gefühlter Zweitligist mit individueller Qualität im Kader.“ Einschüchtern lässt er sich davon nicht: „Arminia ist bisher unter den Erwartungen geblieben. Und wir wollen uns nicht kleiner machen, als wir sind.“ Das Ziel also: „Gemeinsam mit den Fans den vierten Sieg in Folge holen!“ Würde das gelingen, wäre theoretisch – sollte Aue (Fr., 19.00 Uhr gegen Verl) nicht gewinnen und Ulm (So., 16.30 Uhr gegen Münster) verlieren – der Sprung bis auf den dritten Tabellenplatz möglich. Läuft’s schlecht, findet sich Rot-Weiss Essen Montag an zehnter Stelle wieder.

Für seine Siegesmission darf Coach Dabrowski erstmals seit vier Wochen wieder auf Björn Rother zählen. Die Sperre des Mittelfeldmanns aus dem SC Verl-Spiel ist abgelaufen. Weiterhin fehlen werden Rot-Weiss Essen die Reha-Patienten Thomas Eisfeld (Teilriss der Symdesmose) und Ekin Celebi (Leisten-OP), die bei einem optimalen Verlauf schon in der kommenden Woche an der Hafenstraße mittrainieren könnten. Fabian Rüth arbeitet derweil derzeit Aufbau-Einheiten ab.

Der Gegner:

Fast wäre Arminia Bielefeld am Dienstagabend ins DFB-Pokal-Achtelfinale eingezogen. Wäre da nicht Hamburgs Pokal-Keeper Matheo Raab gewesen! Nach 120 Minuten stand es auf der Bielefelder „Alm“ 1:1 und das Elfmeterschießen musste über Sieg oder Niederlage entscheiden. Als fünfter Schütze bei der Arminia trat Marius Wörl an und scheiterte am späteren Spieler des Spiels: HSV-Torhüter Raab. 3:4 nach Elfmeterschießen lautete der Endstand und damit war für die Ostwestfalen – wie schon im August für Rot-Weiss Essen (3:4 n. V.) – gegen den Hamburger SV Schluss.

Breite Brust auf beiden Seiten – Rot-Weiss Essen
Hütete schon das Tor in der 1. DFB-Pokal-Runde gegen Rot-Weiss Essen: Matheo Raab.

Duell mit einem Zweitligisten – heutzutage für Bielefeld nur eine Erinnerung: 2022 spielten die Arminen noch in Deutschlands höchster Spielklasse. Dann folgte eine sportliche Talfahrt. Im ersten Jahr nach dem Bundesliga-Aufstieg gelang den Bielefeldern mit Rang 15 noch knapp der Klassenverbleib. Im Sommer 2022 musste der DSC jedoch den Gang in die 2. Bundesliga antreten. Und damit noch nicht genug: Auch dort fand sich die Arminia schnell im Abstiegskampf wieder. Wie schon zuvor Nachbar SC Paderborn 07 (2015 bis 2017) wurden auch die Bielefelder – langjähriger Arbeitgeber vom RWE-Vorstandsvorsitzenden Marcus Uhlig – bis in die 3. Liga durchgereicht.

Michael Mutzel sollte fortan als Sport-Geschäftsführer und somit Nachfolger von Samir Arabi die Talfahrt stoppen. Mit seiner Sportdirektoren-Expertise aus Fürth und Hamburg stand der 44-Jährige direkt vor der Aufgabe, einen komplett neuen Kader zusammenzustellen. Bei der Trainerfrage entschied sich Ex-Profi Mutzel noch dazu gegen eine Vertragsverlängerung mit Uwe Koschinat. Stattdessen wurde Michel Kniat von Ligakonkurrent SC Verl verpflichtet.

Breite Brust auf beiden Seiten – Rot-Weiss Essen
Das letzte Mal stand „Mitch“ Kniat (r.) noch im Dienste des SC Verl an der Seitenlinie im Stadion an der Hafenstraße.

Von insgesamt 25 Zugängen kamen neben dem von Borussia Mönchengladbach ausgeliehenen Stammtorhüter Jonas Kersken, der in der U19 für Rot-Weiss Essen am Ball war, auch Außenverteidiger Christopher Lannert (TSV 1860 München), die Mittelfeldspieler Sam Schreck (FC Erzgebirge Aue) und Nassim Boujellab (FC Schalke 04) sowie Flügelstürmer Aygün Yildirim (SSV Jahn Regensburg) bislang in jedem Meisterschaftsspiel zum Einsatz. Die große Konstante ist und bleibt jedoch Stürmer und Mannschaftskapitän Fabian Klos, der seit 2011 das Trikot der Ostwestfalen trägt.

Doch genug der sportlichen Misere und der Transferpolitik! Nach Startschwierigkeiten in der 3. Liga kommen die Bielefelder mit einer breiten Brust aus zuletzt drei gewonnenen Partien ins Stadion an der Hafenstraße. Mannheim (3:1), Duisburg (1:0) und Ingolstadt (4:0) wurden allesamt geschlagen. Zwei Spieler, die großen Anteil an diesen Erfolgen hatten, waren Merveille Biankadi und Klos. Biankadi trumpfte in diesen Partien mit einem Treffer und zwei Torvorlagen auf. Kapitän Klos netzte in den vergangenen vier Spielen dreimal. Auch er hatte Startschwierigkeiten in dieser Liga, so musste der 35-Jährige acht Drittliga-Duelle abwarten, bis ihm sein erstes Saisontor gelang.

In Essen kann Kniat nun beinahe aus den Vollen schöpfen. Nur Noah Joel Sarenren Bazee fällt mit einem im Pokalspiel zugezogenen Kreuzbandriss aus.

Letzte 07 Duelle:

  • 14. September 2020: RWE – Bielefeld 1:0 (Tor: Engelmann)
  • 20. August 2016: RWE – Bielefeld 6:7 n. E. (Tore: Malura, Baier)
  • 11. März 1995: Bielefeld – RWE 4:0
  • 20. August 1994: RWE – Bielefeld 1:0 (Tor: Grein)
  • 28. Februar 1988: RWE – Bielefeld 1:1 (Tor: Regenbogen)
  • 07. August 1987: Bielefeld – RWE 0:0
  • 11. April 1987: RWE – Bielefeld 2:0 (Tor: Stichler, Regenbogen)
Breite Brust auf beiden Seiten – Rot-Weiss Essen
Als einer von drei Spielern im RWE-Kader stand Sandro Plechaty (re.) beim letzten Aufeinandertreffen gegen Bielefeld auf dem Feld.

Der Schiedsrichter:

Die Spielleitung übernimmt Felix Bickel. Für den 27-jährigen Wolfsburger ist es das zweite Spiel mit RWE-Beteiligung. In der Saison 2022/23 pfiff er die Partie zwischen RWE und dem FC Ingolstadt (1:1).

Bei der Spielführung helfen Bickel die Assistenten Marco Scharf (32, Cuxhaven) und Martin Wilke (26, Merzhausen) sowie als vierter Offizieller Dominik Jolk (34, Köln).

Das Wetter:

Packt die Regenjacken ein! Es wird Regen bei einer Temperatur von 10 Grad erwartet.

Übertragung:

MAGENTA SPORT überträgt die Partie ab 13.45 Uhr live. Den Kommentator gibt Christian Straßburger, Tobi Schäfer moderiert durch die Sendung.

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