10. November 2023
Duellcheck: Folgt der Fünfte?
Essen empfängt bislang glücklosen Waldhof an der Hafenstraße.

Verkehrte Welt in der 3. Liga – zumindest, wenn man die diesjährige Tabelle mit dem Vorjahr vergleicht. Da fühlte sich der kommende Rot-Weiss Essen-Gegner SV Waldhof Mannheim noch in vorderen Tabellengefilden wohl und fiel kein einziges Mal aus der oberen Hälfte. Gar eiferten die Kurpfälzer lange um den Aufstieg mit, während RWE um den Klassenerhalt bibberte. Jetzt ist alles anders: Mannheim ist durch Umbruch und Defensivdefizite aktuell formschwächstes Drittliga-Team. RWE hingegen will Sonntag (16.30 Uhr) den fünften Sieg in Serie holen – das schafften bislang in der Saison nur Dresden und Regensburg. Klare Verhältnisse also im Stadion an der Hafenstraße? RWE-Coach Christoph Dabrowski: „Wir machen uns vorher keine Gedanken, ob wir nun als Favorit oder Underdog in ein Spiel gehen“, „Mannheim wird intensiv und aggressiv gegen den Ball spielen und auf Umschaltmomente lauern.“ Der Duellcheck zum zweiten Heimspiel binnen acht Tagen!
Die Ausgangslage:
Vier Siege, viermal 2:1, zweimal allerletzte Sekunde: „Herzrasen“ ist ein Wort, dass im rot-weissen Duden gerade aus der alphabetischen Ordnung fällt und ganz am Anfang steht. Erst der emotionale Duisburg-Derbyerfolg durch den Nachspielzeit-Kourouma, vergangene Woche erneut der ellenspäte Arminia-Bielefeld-Ausgleich von Louis Oppie und dann Ron Berlinski, der die Birne für den Führungstreffer hinhält. Bemerkenswert: RWE traf schon zum achten Mal in dieser Saison auf diese Art. Nur Union Berlin erzielte in den deutschen Profiligen gleich viele Kopfballtreffer – bedeutet: auch in der 3. Liga Spitze!

Während der nunmehr vier Spiele andauernden Siegesserie zeigen sich ohnehin unzählige Drittliga-Profis in Paradeform: Marvin Obuz etwa, der zwei Treffer selbst erzielte und zwei weitere vorbereitete. Isaiah Young, der sich stolze 91-Mal in direkte Duelle mit dem Gegner schmiss. Mittelfeldmotor Vinko Sapina, der 271 Ballaktionen verzeichnete und bei 86 Prozent Passquote so ziemlich alles Rollende an den Mann brachte, was nur ging – und auch Leonardo Vonic, der die Kugel elfmal in den letzten vier Spielen Richtung fremdes Gehäuse schoss und damit so viele Torversuche verzeichnet, wie nur zwei seiner Teamkollegen in den ersten zehn (!) Partien. Kurzum kann man es mit Christoph Dabrowskis Worten sagen: „Ich bin mega stolz, wie die gesamte Mannschaft auftritt!“
Die aktuelle Tabelle wird dadurch zum Fall für den Bilderrahmen: dritter Platz nach dem 14. Spieltag! „Momentaufnahme – nicht mehr und nicht weniger“, meint Dabrowski demütig. „Ich bin vor allem froh, dass wir uns schon ein gewisses Polster nach unten erarbeitet haben.“ Nur zum Vergleich: In der Vorsaison benötigten die Rot-Weissen vier Spiele mehr, um den Punkte-Kontostand von 24 zu erreichen. Mit einem Sieg gegen Mannheim würde Rot-Weiss Essen nicht nur die Komfortzone ausbauen, sondern auch seine aktuelle Tabellenposition verteidigen – davor ziehen Jahn Regensburg und Dynamo Dresden mit sieben Punkten Vorsprung von Dannen. Liefe es gegen Mannheim schlecht, stünde gesichert der sechste Platz.
Im zweiten Hafenstraßen-Aufgalopp binnen acht Tagen möchte Dabrowski also „mit großartiger Unterstützung der Fans das Heimspiel gewinnen“. Ob der Chef-Trainer sein Team, das unter der Woche den KFC Uerdingen als nächsten Niederrheinpokal-Gegner (5.-7. Dezember) zugelost bekam, wie in drei Spielen zuvor mit gleicher Elf auflaufen lassen wird? „Die Wahrscheinlichkeit könnte hoch sein“, so Dabrowski, der sich aber auch ein Hintertürchen aufhält: „Auch wenn punktuelle Umstellungen nicht auszuschließen sind, wenn es besser zum Gegner passt.“
Definitiv nicht reinrotieren wird Christoph Dabrowski Ekin Celebi und Thomas Eisfeld, die einen Trainingsrückstand aufholen. Fabian Rüth absolviert zudem weiterhin Aufbaueinheiten. Vorsicht walten lassen muss Felix Götze: Wird er erneut verwarnt, quittiert der Deutsche Fußball-Bund das mit einem Spiel Pause in Ingolstadt (Sa., 25. November, 14.00 Uhr, Audi Sportpark) – Götze hat einen Karten-Kontostand von vier.
Der Gegner:
Der SV Waldhof Mannheim, im Vorjahr noch Aufstiegskandidat, kommt nicht in die Spur. Erstmals in vier Drittligajahren steht die „Buwe“ auf einer Abstiegsposition. Ein Zählerschnitt von knapp unter eins bedeutet nach 14 Spieltagen die 17. Tabellenstelle. Der letzte Sieg datiert auf den 30. September zurück und ist somit mehr als einen Monat her: Einem 3:1 gegen den SC Freiburg in den letzten fünf Partien stehen drei Niederlagen und maue zwei Punktgewinne entgegen. Mannheim ist somit formschwächster Drittligist.
Doch was sind die Gründe für das bislang schwache Abschneiden? Zum einen verließen mit Dominik Martinovic (12 Tore, sieben Vorlagen), Alexander Rossipal (zwei Tore, sieben Vorlagen) und Marten Winkler (neun Tore, fünf Vorlagen) drei Eckpfeiler der Vor-Saison die Kurpfalz gen 2. Bundesliga. Nur die Spitze des Umbruch-Eisbergs: Lediglich elf Akteure des aktuell 25 Spieler umfassenden Kaders trugen im Vorjahr das Waldhof-Trikot. SVW-Coach Rüdiger Rehm: „Viele Leistungsträger mussten ersetzt werden!“ Zudem ist der Waldhof das Drittliga-Team mit 26 und somit den zweitmeisten Gegentreffern – obwohl das Torlos-Remis gegen Duisburg zuletzt Besserung gelobte. Rehm: „Wir haben bis auf Standardsituationen nichts Nennenswertes zugelassen!“

Und auch vorne fluppt’s nicht so recht: Der Toreschnitt von 1,63 pro Spiel 2022/23 weicht in dieser Saison einem Wert knapp über eins. Gerade im Sturm veränderte sich der Waldhof: Mit Pascal Sohm blieb nur ein Sturm- oder Flügelspieler des Vorjahres über! Doch Mannheim um Sport-Geschäftsführer Tim Schork (33) versorgte sich in der Transferperiode nicht aus dem untersten Supermarktregal: Jalen Hawkins (22/vom FC Ingolstadt), Jesaja Herrmann (23/vom KV Kortrijk [BEL]) und Kelvin Arase (24/Karlsruher SC) sind nur einige Beispiele der talentierten Mannheimer-Angriffsriege, auf die Rüdiger Rehm zählt.
Und auch der Trainer ist neu: Rehm kehrte im Sommer nach 22 Jahren und Stationen bei unterschiedlichsten Klubs – darunter als Spieler Aue und Offenbach sowie als Trainer viereinhalb Jahre Wiesbaden wie zuletzt Ingolstadt – zu seiner ersten Profistation ins Carl-Benz-Stadion zurück. Damit trat der 44-Jährige in die Fußstapfen von Ex-RWE-Coach Christian Neidhart (jetzt Kickers Offenbach).
Rehm setzt in dieser Saison bislang vor allem auf ein gewöhnliches 4-2-3-1-System, wagte zwischendurch jedoch unter anderem einige Spieltage, mindestens im Vorwärtsgang auf eine Dreierkette mit zwei variablen Außenbahnspielern umzustellen. Gegen Duisburg probierte es der Fußball-Lehrer zuletzt mit einem offensiv orientieren 4-4-2. Dabrowski erwartet, dass der Waldhof in Essen wieder eher auf „defensive Stabilität setzen“ wird.

Zum etablierten Stamm gehören Innenverteidiger Tim Sechelmann (24), Außenbahnspieler Kelvin Arase (24), Luxemburg-Nationalmannschaftskapitän Laurent Jans (31) sowie Offensiv-Routinier Bentley Baxter Bahn (31), der in den letzten Spielen Innenverteidiger Marcel Seegert (29/seit 2018 beim SVW) als Mannschaftskapitän ersetzte. Letzterer hat besonders hitzige Erinnerungen an das Hinrundenspiel der Vor-Saison: Erst erlaubte er sich ein doppeltes Schubs-Scharmützel während des gegnerischen Torjubels von und mit Angreifer Berlinski, dann lieferte sich Seegert im wahrsten Sinne des Wortes ein Têtê-á-Têtê mit Björn Rother. Beide Aktionen ergaben in der Summe Gelb-Rot.
Nahezu jede mögliche Drittliga-Minute absolvierte auch Fridolin Wagner (26). Der defensive Mittelfeldmann und einstige U19-Nationalspieler passt allerdings derzeit mit einem Innenbandanriss im Knie.
Vorherige 07 Duelle:
- 16. April 2023: RWE – Waldhof Mannheim (0:3)
- 22. Oktober 2022: Waldhof Mannheim – RWE (1:2 / Tore: Berlinski (2))
- 07. Mai 2010: RWE – Waldhof Mannheim (3:1/ Tore: Wunderlich, Szabo, Mainka)
- 20. November 2009: Waldhof Mannheim – RWE (0:2 / Tore: Mölders (2))
- 22. Mai 1997: Waldhof Mannheim – RWE (3:3 / Tore: Vier (3))
- 17. November 1996: RWE – Waldhof Mannheim (2:1 / Tore: Vier, Klein)
- 09. April 1994: Waldhof Mannheim – RWE (2:2 / Tore: Spyrka, Dondera)
Der Schiedsrichter:
Einstiger Bundesliga-Schiri für zwei einstige Bundesligisten! Dr. Dr. Robert Kampka (41, Görlitz) leitet schon sein drittes Spiel an der Hafenstraße. Einen Treffer hat er allerdings noch nicht erleben dürfen: Sowohl die Partie gegen Meppen (09. November 2022) als auch die gegen den VfB Oldenburg (30. April 2023) endete 0:0.
Kampkas Assistenten sind Marcel Gasteier (34, Lahnstein) und Henning Reif (25). Den Vierten Offiziellen gibt Tobias Severins (30, Rheda-Wiedenbrück).
Das Wetter:
Hui, das wird kalt! Bei nur sieben Grad wird die Winterjacke nötig. Neue Kältekleidung nötig? Im Shop vorbeischauen: Wie wäre es mit der Herren- oder Damen-Fleecekleidung?
Übertragung:
MAGENTA SPORT überträgt die Partie ab 16.15 Uhr live. Markus Höhner begleitet die 90 Minuten als Kommentator, durch das Rahmenprogramm führt Moderator Konstantin Klostermann.
