31. Oktober 2025
“Schöner als ein Endspiel – Dieses Spiel wird Essen nie vergessen”
90 Minuten Traumfußball gegen die Puskas Elf.

Rot-Weiss Essen führte in den 1950er Jahren internationale Freundschaftsspiele gegen Spitzenmannschaften aus aller Welt durch. Diese wurden zum Teil mit Kombinationsteams durchgeführt, um eine gleiche Anzahl an Nationalspielern in beiden Mannschaften zu stellen.
Zuschauer entern das Stadion
Ein Highlight im wahrsten Sinne des Wortes erlebten die Essener Fans bei der Flutlichtpartie einer kombinierten Mannschaft RWE/Fortuna Düsseldorf gegen Honved Budapest am 7. November 1956. Natürlich war bei den Ungarn noch die Niederlage vom Berner Weltmeisterschaftsfinale 1954 im Hinterkopf, für die sich der mit sieben Nationalspielern angetretene Armeesportklub revanchieren wollte.
Die Begegnung entwickelte sich laut der Fachzeitung Fußballsport 90„(…) zu einem Freundschaftsspiel unter Flutlicht, das die Formen eines Länderspiels annahm, nicht nur im Sturm auf Karten und Plätze, sondern noch mehr in der Klasse der Leistungen. (…) Irgendwie lag über dem lichterfüllten von Menschenleibern eingerahmten Essener Spielfeld das 3:2 von Bern. Man fühlte sich um zwei Jahre zurückversetzt. Unter den Augen von Bundestrainer Sepp Herberger spielten die ungarischen Weltklassefußballer Puskas, Kocsis und Bozsik zum ersten Mal in Deutschland. Sie bezauberten im Stadion Rot-Weiss über 40.000 Zuschauer – ein 100.000 Menschen fassendes Stadion wäre gerade groß genug gewesen, alle Interessenten zu verkraften. Über Mauern wurde geklettert und jeder versuchte, irgendwie ins Stadion zu gelangen. Die verwegensten Fans kletterten bis hoch in die neuen Flutlichttürme, um dieses einmalige Fußballerlebnis zu erleben. Herzlicher Beifall und ein brausendes „Hipp, Hipp, Hurra“ empfing die ungarische Mannschaft.“

Die Überfüllung des Stadions führte zu kuriosen Szenen. So kam es zu einer Spielunterbrechung, da der Ball in den Stadiontunnel geflogen war und kein Zuschauer seinen Platz preisgeben wollte, um das Spielgerät zu holen Essens Kapitän Heinz Wewers ließ sich schließlich von den Besuchern über die Menschenmenge hinwegheben, um den Ball zu holen.

Torflut an der Hafenstraße
Das Spiel selbst wurde zu einem einzigartigen Erlebnis. Neuzugang Dan Ekner, der von Atletico Madrid an die Hafenstraße gewechselt war, gelang in der 7. Minute mit einem fulminanten Schuss aus 20 Metern das Führungstor. Der Spielberichterstatter war voll des Lobes über die Leistung des Schwedens, der ansonsten in Essen weit hinter den Erwartungen zurückblieb: „Wie er den Ball regierte und das Spiel dirigierte, war eine Augenweide.“ Von Seiten der Düsseldorfer verdiente sich der Düsseldorfer Stürmer Neuschäfer zwischen der 37. und 41. Minute die Bestnote. Ihm gelang ein lupenreiner Hattrick zum 4:2 Zwischenstand, den Weltmeisterschaftsidol Helmut Rahn mit zwei kurz hintereinander geschossenen Abseitstoren bis zur Pause leider nicht weiter ausbauen konnte. Dafür bekamen die Ungarn noch einen Handelfmeter zugesprochen. Essens Nationaltorwart Herkenrath wehrte den Schuss von Vizeweltmeister Puskas zwar ab, im Nachschuss konnte Kotacz aber zum 4:3 Halbzeitstand verkürzen. Nach dem Wechsel ging der Torreigen weiter und beide Mannschaften trennten sich schließlich leistungsgerecht 5:5. Am Ende des Spiels stürmten die begeisterten Zuschauer den Rasen und bejubelten beide Teams. Nur mit Mühe konnten sich die ungarischen Spieler einen Weg durch die Menschenmenge bahnen. Vielen ungarischen Spielern traten angesichts der Welle von Sympathie die Tränen in die Augen. „Schöner als ein Endspiel! – Puskas, Kocsis und Bozsik verzauberten 45.000 in Essen. – Zehn Tore, eines schöne als das andere. – Dieses Spiel wird Essen nie vergessen. – Puskas Elf bietet 90 Minuten Traumfußball.“, lauteten nach dem 5:5 die Schlagzeilen der Presse. Im nächsten Jahr liegt das legendärste internationale RWE-Spiel 70 Jahre zurück.
Ein Beitrag unseres ehrenamtlichen Vereinshistorikers Georg Schrepper.

