22. November 2025
Uwe Koschinat: „Ich kann jeden Spieler bringen“
Der RWE-Cheftrainer vor dem Topspiel gegen den punktgleichen FC Energie Cottbus im „kurze fuffzehn“-Interview.

Nach der Länderspielpause in der 3. Liga will Rot-Weiss Essen an diesem Sonntag, 19:30 Uhr, zum Abschluss des 15. Spieltages im Top-Spiel gegen den FC Energie Cottbus gleich zwei Serien ausbauen. Seit sechs Ligaspielen gab es für das Team von RWE-Trainer Uwe Koschinat keine Niederlage mehr, im heimischen Stadion an der Hafenstraße stehen sogar vier Siege nacheinander zu Buche. „Wir haben uns in eine sehr gute Ausgangslage gebracht, die wir möglichst noch verbessern wollen“, sagt Koschinat: „Die Vorfreude ist riesengroß.“ Vor dem Duell mit den Lausitzern nahm sich der RWE-Cheftrainer wie immer Zeit für ein ausführliches Interview mit der „kurzen fuffzehn“.
Hallo Uwe! Kam die Länderspielpause für RWE zu einem günstigen oder – wegen der zuletzt positiven Ergebnisse – zu einem eher ungünstigen Zeitpunkt?
Uwe Koschinat: Das ist vor dem Cottbus-Spiel schwierig zu beantworten. Zum einen waren wir vor der Pause in einem guten Flow, auch die personelle Situation war positiv. Auf der anderen Seite hatten es sich die Spieler auch einmal verdient, ein paar Tage durchzuatmen. Dazu hatte Klaus Gjasula die nötige Zeit, um seine Krankheit auszukurieren, und wir konnten die Gelegenheit nutzen, Kaito Mizuta mal herauszunehmen. Er ging zuletzt wegen der großen Belastung schon ein wenig auf dem Zahnfleisch. In dieser Woche konnten wir mit Ausnahme von Jaka Cuber Potocnik wieder mit dem gesamten Kader trainieren und uns gut vorbereiten.
Welche Erkenntnisse hat der 2:1-Erfolg im Testspiel beim niederländischen Zweitligisten VVV-Venlo gebracht?
Es war ein unfassbares Tempo im Spiel und eine entsprechend hohe Laufleistung erforderlich. Das kam den Anforderungen für die Drittligapartie schon sehr nah. Die Jungs haben gut gearbeitet und sich am Ende auch durch ein sehenswertes Tor von Kelsey Owusu belohnt. Das wird ihm speziell sehr gut tun. Dazu konnten wir einige Dinge ausprobieren, beispielsweise Lucas Brumme und Jannik Hofmann auf den offensiven Außenpositionen. Das war sehr aufschlussreich und gibt uns für die Zukunft zusätzliche Möglichkeiten.
Ohnehin hast du derzeit trotz des Ausfalls von Jaka Cuber Potocnik auf vielen Positionen die Qual der Wahl. Wie bewertest Du den Konkurrenzkampf?
Zunächst einmal muss ich sagen, dass unser Kader jetzt nicht übermäßig groß ist. Es stehen aktuell 21 Feldspieler für 18 Positionen im Kader zur Verfügung. Das ist eine sehr passende Größenordnung. Es ist aber auch richtig, dass es auf einigen Positionen ein sehr enges Rennen um die Stammplätze gibt. Im Moment bewegen wir uns wirklich auf einem starken Niveau. Ich habe das Gefühl, dass ich jeden Spieler bringen kann, ohne einen erheblichen Leistungsverlust befürchten zu müssen. Das gibt uns als Team natürlich ein gutes Gefühl.
Der FC Energie Cottbus hatte in der Vorsaison als Aufsteiger noch bis zum letzten Spieltag die Chance auf den direkten Durchmarsch in die 2. Bundesliga. Wie überrascht bist Du, dass sich das Team von Trainer Claus-Dieter Wollitz jetzt erneut in der Spitzengruppe der Liga festgesetzt hat?
Vor Saisonbeginn war die Leistungsstärke wegen der erheblichen Veränderungen im Kader schwierig einzuschätzen. Jetzt muss man sagen, dass es dem Verein – nicht zuletzt auch wegen der Kontinuität an der Seitenlinie mit „Pele“ Wollitz – erneut gelungen ist, ein sehr gut funktionierendes Team zusammenzustellen. Dabei stechen mit Spielmacher Tolcay Cigerci und Angreifer Erik Engelhardt zwei Akteure heraus. Cigerci kreiert immer wieder geniale Momente, Engelhardt hat nach anfänglichen Schwierigkeiten inzwischen zu alter Stärke zurückgefunden. Er ist zwar nicht extrem groß, dafür aber bullig und robust, verfügt dazu im Strafraum über eine gute Orientierung. Gegen diese beiden Highlight-Spieler, die oft den Unterschied ausmachen, kommt auf uns viel Arbeit zu. Aber ich bin zuversichtlich, dass wir sie in Griff bekommen werden.
Denkst Du, dass der FC Energie wegen der beiden Niederlagen in der zurückliegenden Saison gegen RWE besonders motiviert sein wird?
Cottbus wird so oder so hochgradig motiviert sein, dafür müssen sie sich gar nicht an die Spiele in der letzten Saison erinnern. Schließlich waren die beiden jüngsten Niederlagen beim TSV 1860 München und gegen den VfL Osnabrück jeweils äußerst ärgerlich. In München sind sie durch einen äußerst fragwürdigen Elfmeter auf die Verliererstraße geraten, das Osnabrück-Spiel hätte vor dem Gegentor auch auf die andere Seite kippen können. Das hat weh getan. Auch deshalb wird „Pele“ Wollitz seine Mannschaft richtig heißmachen.
Wie hast Du das Team auf das Duell eingestellt?
Man hat in den letzten Tagen die riesige Vorfreude gespürt. Wir haben die große Chance, mit einem Sieg in der Tabelle an Energie Cottbus vorbeiziehen. Diese Chance wollen wir nutzen und damit unserem nächsten Ziel näherkommen, uns eine hervorragende Ausgangsposition für das neue Jahr 2026 zu erarbeiten.
Insgesamt stehen noch fünf Ligaspiele vor Weihnachten aus. Welche Zielmarke habt Ihr Euch gesteckt?
Wir wollen die beste Hinrunde der Vereinsgeschichte in der 3. Liga spielen. Dafür müssten wir die Marke von 30 Punkten übertreffen. Dafür sind noch einige Schritte zu gehen. Ein Dreier gegen Cottbus wäre natürlich ein weiterer Meilenstein auf diesem Weg.

