13. Februar 2026

Vor 40 Jahren – Abstiegstrauma überwunden: Nach zwei Anläufen zurück in die 2. Bundesliga

In der Rückrunde blicken wir auf besondere RWE-Ereignisse vor 60, 50, 40, 30, 20 und 10 Jahren zurück.

Vor 40 Jahren – Abstiegstrauma überwunden: Nach zwei Anläufen zurück in die 2. Bundesliga – Rot-Weiss Essen
Übergabe der Meisterschale an den Nordrheinmeister am 4. Mai 1986. Kapitän Dirk Pusch mit der Schale. (Fotos: Archiv Schrepper)

Das letzte Spiel einer völlig verkorksten Zweitliga-Saison 1983/84 fand ausgerechnet auf Schalke statt. Um den Klassenerhalt zu schaffen, hätte RWE gewinnen müssen, verlor aber mit 0:5. Trotz der klaren Niederlage legten die Vereinsverantwortlichen erfolgreich Protest ein, weil die Schalker Fans kurz vor Schluss das Spielfeld gestürmt hatten, um den direkten blau-weißen Wiederaufstieg in die Bundesliga zu feiern. Es kam tatsächlich zu einem Wiederholungsspiel, das mit 2:3 für RWE nur knapp verloren ging, den endgültigen ersten Abstieg aus dem Profifußball aber besiegelte.

Amateuroberliga Nordrhein – Wiederaufstieg im ersten Versuch gescheitert

Seit 1948 hatte Rot-Weiss Essen immer erst- oder zweitklassig gespielt. Problemlos war 1981 auch die Qualifikation für die neue eingleisige 2. Bundesliga gelungen. Die sofortige Rückkehr in den Profibereich war nach dem Abstieg 1984 also das erklärte Ziel. Seit 1978 gab es die Amateuroberliga Nordrhein als eine von acht dritten Ligen bundesweit. Die Oberligameister, in der Oberliga Nord auch der Vizemeister, qualifizierten sich für die Aufstiegsrunde zur eingleisigen 2. Bundesliga.

Für RWE sollte der Schritt ins Amateurlager laut des damaligen Präsidenten Rolf Neuhaus mit einem Neuanfang verbunden sein: „Abgestiegen ist nicht der Verein, sondern die erste Mannschaft. Wir sollten den Abstieg als Regenerierung verstehen und auf unsere gute Jugend- und Amateurabteilung bauen. Jetzt gilt es, die Ärmel hochzukrempeln und die Weichen für den sofortigen Wiederaufstieg zu stellen.“

Mit dem neuen Trainer Dieter Tartemann und 14 neuen Spielern sollte das gelingen. Vor Saisonbeginn wurde RWE zum Favoritenkreis für den Meistertitel in der Oberliga Nordrhein gezählt. Nicht dazugerechnet wurde der alte Lokalrivale ETB Schwarz-Weiß, der jedoch alle Experten überraschen sollte. Am Ende der Hinrunde führte der ETB die Tabelle mit vier Punkten Vorsprung an, dahinter vier Mannschaften punktgleich: RWE, 1. FC Bocholt, Viktoria Köln und Wuppertaler SV. Erst der Heimsieg gegen die Schwarz-Weißen am Ostermontag 1985 vor der Rekordkulisse von 30.000 Zuschauern brachte die endgültige Vorentscheidung. RWE wurde schließlich mit 54:14 Punkten und 96:37 Toren Meister der Oberliga Nordrhein, kam in der Aufstiegsrunde aber nur auf den dritten Platz. Das bedeutete ein weiteres Jahr Amateurfußball.

Amateur-Oberliga Nordrhein 1985/86 – der Aufstieg gelingt

In der Saison 1985/86 gelang wiederum der Gewinn der Meisterschaft, dieses Mal äußerst knapp vor dem BVL Remscheid mit 52:12 Punkten und 91:36 Tore. Einen Ausrutscher hatte es ausgerechnet im Heimspiel gegen den Lokalrivalen ETB Schwarz-Weiß Essen gegeben. Der Kicker berichtete unter dem Titel „RWE: Pleite auf der ganzen Linie“ darüber, dass die Rot-Weissen vor nur 8.000 Zuschauern am Karnevalssamstag mit 0:1 ihre erste Heimniederlage seit drei Jahren einstecken mussten.

In der Aufstiegsrunde zur Zweiten Liga war RWE dafür diesmal erfolgreicher – trotz zweier dicker Patzer. Es ging gegen den FC St. Pauli, SC Charlottenburg, VfB Oldenburg und ACS Schöppingen. Zu den vier Heimspielen kamen immerhin 66.000 Zuschauer. Sie sahen vier Heimsiege. Gegen VfB Oldenburg gewann das Team von der Hafenstraße zuhause 1:0, verlor aber auswärts 0:5. Gegen ASC Schöppingen gewann man 5:0 und gewann auch auswärts 5:1. Gegen SC Charlottenburg gewann RWE an der Hafenstraße 3:2, spielte auswärts aber nur 0:0. Die Entscheidung um den Aufstieg fiel in den Spielen gegen den FC St. Pauli. Das Heimspiel wurde 2:1 gewonnen, während es am Millerntor eine heftige 0:3 Niederlage gab. Dennoch reichte der zweite Tabellenplatz in der Aufstiegsrunde, um mit 16:12 Toren und 11:5 Punkten den Wiederaufstieg in den Bundesligaunterbau zu feiern.

Ein Beitrag unseres ehrenamtlichen Vereinshistorikers Georg Schrepper.

Vor 40 Jahren – Abstiegstrauma überwunden: Nach zwei Anläufen zurück in die 2. Bundesliga – Rot-Weiss Essen
Jubel in der Mannschaftskabine über den Aufstieg in die Zweite Liga 1986.
Vor 40 Jahren – Abstiegstrauma überwunden: Nach zwei Anläufen zurück in die 2. Bundesliga – Rot-Weiss Essen