18. April 2023

Delura: „Von Jupp Heynckes am meisten gelernt“

Ex-Bundesligaprofi Michael Delura ist heiß auf Debüt als neuer U17-Trainer.

Ex-Profi Michael Delura bringt eine Menge Erfahrung mit zu Rot-Weiss Essen und ist in Zukunft für die Geschicke U17 verantwortlich.
Michael Delura bringt eine Menge Erfahrung mit und ist in Zukunft für die Geschicke der rot-weissen U17 verantwortlich. (Foto: Heidelberg) 

Bei der U17 von Rot-Weiss Essen wird eine neue Ära eingeläutet. Ab der kommenden Spielzeit 2023/2024 tritt Michael Delura in die Fußstapfen von Simon Hohenberg, der nach fast fünf Jahren bei der U17 und insgesamt acht Jahren im RWE-Nachwuchs zur U19 aufgerückt ist. Der frühere Bundesliga-Profi Delura (76 Bundesliga-Einsätze für den FC Schalke 04, Hannover 96 und Borussia Mönchengladbach) assistiert derzeit noch Hohenberg in der Sonderspielrunde der U19 und nimmt dann Anfang Juni mit der U17 die Vorbereitung auf die neue Saison in der West-Staffel der B-Junioren-Bundesliga auf.

Hallo Michael! Nach Deiner Zeit als Co-Trainer trittst Du schon bald in die Fußstapfen von Simon Hohenberg und übernimmst als Cheftrainer die U17 in der B-Junioren-Bundesliga. Wie sehr freust Du Dich schon auf das Debüt?
Michael Delura: Ich freue mich sehr, die Jungs in den kommenden Wochen noch besser kennenzulernen. Aktuell sieht es so aus, dass ich mit einem Großteil des bisherigen Teams zusammenarbeiten werde, da wir schon in der abgelaufenen Saison mit zahlreichen Talenten aus der U16 angetreten waren.

Wie weit fortgeschritten sind bereits die Planungen für die Vorbereitung?
Anfang Juni nehme ich mit der U17 die Arbeit auf und wir starten in den ersten Teil der Vorbereitung. Innerhalb von drei Wochen wollen wir den Grundstein für eine gute Saison legen. Dann haben sich die Jungs auch eine Pause während der Sommerferien verdient. Am 3. Juli ist dann offizieller Startschuss für die zweite Phase. Schon zwei Tage danach beziehen wir bis zum 9. Juli ein Trainingslager in Bocholt. Nach einem intensiven Trainingslager nehmen wir an zwei hochklassig besetzten Turnieren teil, wo die Jungs das Erlernte umsetzen sollen. Schließlich geht dann Anfang August auch schon die Bundesliga los. Wir haben als ein vollgepacktes Programm in den kommenden Wochen und Monaten. Mir ist es aber wichtig, dass die Jungs schon frühzeitig möglichst viel Spielpraxis sammeln.

Schon seit Anfang der Saison warst Du Co-Trainer unter Simon Hohenberg. Was konntest Du dir von ihm abschauen?
Sowohl die gemeinsame Zeit mit Simon als auch der tägliche Austausch mit unserem NLZ-Leiter Christian Flüthmann haben mich einen großen Schritt weitergebracht. Vor allem in den alltäglichen Prozessen konnte ich mich in Ruhe entfalten. Zum Beispiel durfte ich bei der Übungsgestaltung viele Aspekte übernehmen und einige auch selbst durchführen. Für die Arbeit als Trainer ist es wichtig, dass ich meine Erfahrungen mache und mich weiterentwickeln kann. Mir ist es aber vor allem wichtig, dass ich stets authentisch bleibe und dabei auch meine Idee von Offensivfußball durchsetze.

Delura: "Von Jupp Heynckes am meisten gelernt" – Rot-Weiss Essen
NLZ-Leiter Christian Flüthmann (l.) und der neue U19-Trainer Simon Hohenberg (m.) haben Delura in seiner Entwicklung weitergeholfen. (Foto: RWE)

In Deiner Vita stehen schon Tätigkeiten für den FC Viktoria Berlin und den DFB. Wann hast Du die Entscheidung getroffen, an der Seitenlinie stehen zu wollen?
Ich habe schon frühzeitig gemerkt, dass ich mich auch als Trainer ganz wohl fühlen könnte. Von daher freue ich mich sehr darüber, dass ich bei der U17 von RWE die Möglichkeit erhalte, mich jetzt auch in der Rolle als Cheftrainer zu beweisen. Mein erstes Jahr in Essen habe ich auch dazu genutzt, den Verein besser kennenzulernen.

Als was für einen Trainertypen siehst Du Dich und welchen Fußball willst Du von Deiner Mannschaft sehen?
Im Endeffekt spielen wir alle Fußball, um Tore zu schießen. Von daher soll auch die Grundausrichtung eher offensiv sein. Letztlich wird das Erfolgsrezept eine gute Mischung aus Defensivarbeit und Umschaltspiel sein. Wichtig wird sein, dass wir stets mutig sind und uns in keinem Spiel verstecken. Es ist aber auch klar, dass wir gegen die großen Nachwuchsleistungszentren der Junioren-Bundesliga wie Borussia Dortmund oder Schalke 04 nicht nur Ballbesitz-Fußball spielen können.

Du blickst auf eine erfolgreiche Profikarriere zurück. Wie sehr helfen Dir die Erfahrungen aus Deiner eigenen aktiven Laufbahn bei der Arbeit mit den Nachwuchstalenten?
Der Fußball hat sich in den letzten Jahren stark verändert. Ich habe diese Entwicklung zum Teil mitgemacht und weiß, dass es jetzt viel schneller und auch athletischer zugeht. Ein Ziel ist es, den Talenten auf dem Platz eine Handlungsschnelligkeit mitzugeben. Bei den B-Junioren zählt aber nicht nur das Talent auf dem Platz. Vielmehr ist auch eine gewisse Eigenmotivation entscheidend. Auch da spreche ich aus eigener Erfahrung. Über viele Jahre galt ich nicht als Top-Talent. Durch meinen Ehrgeiz und harte Arbeit an mir selbst habe ich den Sprung zum Bundesliga-Profi doch geschafft. Mit meinen Erfahrungen möchte ich den Jungs dabei helfen, den nächsten Schritt zu machen.

Delura: "Von Jupp Heynckes am meisten gelernt" – Rot-Weiss Essen
Delura (l.) im Gespräch mit U17-Spieler Yasin Pirnal (r.). (Foto: Heidelberg)

Was war Dein größter Moment, den Du auch gerne mit Deinen Spielern teilst?
Es gibt Spiele, an die erinnert sich jeder Fußballer auch nach seiner Karriere noch gerne zurück. Dazu gehört zum Beispiel mein allererstes Profi-Spiel für den FC Schalke 04 gegen Eintracht Frankfurt. Meinen ersten Bundesliga-Treffer hatte ich einige Wochen später im Spiel beim 1. FC Köln erzielt. Ein ganz besonderer Moment war auch mein Tor gegen den FC Bayern München, das ich für Gladbach erzielt hatte. Auch die Teilnahme am DFB-Pokal-Finale sowie an der U 20-Weltmeisterschaft, bei der ich unter anderem gegen Lionel Messi gespielt habe, gehörten zu den schönsten Momenten.

Du durftest unter einigen namhaften Trainern wie Ralf Rangnick, Peter Neururer, Jupp Heynckes oder Ewald Lienen auf dem Platz stehen. Von welchem Coach hast Du denn am meisten gelernt?
Ganz klar Jupp Heynckes, zu dem ich auch nach wie vor Kontakt habe. Von ihm persönlich habe ich sehr viel gelernt. Unter anderem auch, dass ich immer Vollgas geben muss, um erfolgreich zu sein. Vor allem mit Blick auf Disziplin nehme ich ihn mir gerne als Vorbild. Von daher dürfen die Jungs gerne „Du“ sagen, sollen mich aber mit „Trainer“ ansprechen, anstatt beim Vornamen. Mit Blick auf meine eigene Laufbahn kann ich sagen, dass ich das Glück hatte, unter Jupp Heynckes trainieren zu dürfen und gemeinsam mit ihm den Schritt in den Seniorenfußball zu gehen.

Unter anderem soll auch der langjährige Schalke-Macher Rudi Assauer viel von Dir gehalten haben. Ist das eine besondere Wertschätzung für Deine Person?
Auf jeden Fall. Ich kann mich noch genau erinnern, wie er damals zu mir in die Kabine gekommen war und mir einen Profivertrag in Aussicht stellte. Zu dem Zeitpunkt hatten wir eine herausragende U17-Spielzeit in der damaligen Regionalliga West – also der heutigen Bundesliga West – hinter uns. Er war ein toller Mensch, bei dem das Handschlag-Prinzip noch einen Wert hatte. Er sagte mir, dass ich ihn von meiner Spielweise an den früheren Schalke-Prof Rene Eijkelkamp erinnern würde. Das ist mir auch über all die Jahre noch in Erinnerung geblieben.

Die U17 von Rot-Weiss Essen konnte in dieser Saison am letzten Spieltag den Klassenverbleib in trockene Tücher bringen Wie sehen Deine Ziele für die kommende Spielzeit aus?
Für uns ist es wichtig, auch in der nächsten Saison den Klassenverbleib zu schaffen. Sicherlich kommt es uns dabei auch entgegen, dass wir in der kommenden Spielzeit wieder eine komplette Hin- und Rückrunde absolvieren werden. Wenn wir unter den besten acht Teams landen und wir die Jungs weiterentwickeln, wäre es sicherlich eine erfolgreiche Spielzeit.

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