21. Oktober 2023
Wo vorsichtige Sieges-Euphorie auf Aufstiegsambition trifft!
Duellcheck: Rot-Weiss Essen möchte Sonntag gegen den 1. FC Saarbrücken nachlegen.

Rot-Weiss Essen ist zurück in der Spur! Der 2:1-Sieg gegen Borussia Dortmunds U23 beflügelte die Trainingswoche, zum zweiten Mal in dieser Saison soll es nun gelingen, zwei Dreier in Folge zu sammeln (zuletzt 4. und 5. Spieltag). Einfach wird das nicht: Mit dem 1. FC Saarbrücken ist Sonntag, ab 16.30 Uhr, ein Top-Klub im Stadion an der Hafenstraße zu Gast. „Der Kader kann definitiv erneut um den Aufstieg mitspielen“, schätzt Chef-Trainer Christoph Dabrowski die kommende Aufgabe ein. Alle Fakten zur Partie im Duellcheck!
Die Ausgangslage:
Rot-Weiss Essens Berg- und Talfahrt hat am vergangenen Freitag eine stattliche Wendung genommen. Voll beladen mit rekordverdächtigen 10.000 Gästefans, beachtlich ehrgeizigen RWE-Kickern und einem Trainer, der nach der Partie für sein Team nichts als Stolz überhatte („Heute hat man gesehen, dass die Mannschaft absolut intakt ist“), rutsche die Gondel kontrolliert von der Achterbahn-ähnlichen Schlitterfahrt zurück in die Spur. Aber genug mit Wintersport-Metapher – ganz so nah ist der Jahreswechsel noch nicht, auch wenn die Temperaturen unter der Woche anderes vermuten ließen.
Am Ende also ein bemerkenswertes 2:1 bei Borussia Dortmunds U23, bei der die betörende Stimmung „einen Kick“ gab, wie Dabrowski im Vorfeld des Saarbrücken-Spiels verriet. Das Ergebnis ließ RWE auf den zehnten Tabellenplatz und somit auf eine solide Mittelfeldposition vorrücken. Eine Willensleistung: RWE-Akteur Lucas Brumme verlor von 18 Zweikämpfen nur drei, noch stolzer der Wert von Isaiah Young: 33-mal schmiss er sich in Duelle mit dem Gegner – zweitbester Wert aller RWE-Kicker in dieser Saison auf Einzelspiele gesehen. In mehr als der Hälfte aller Zweikämpfe setzte sich der Flügelflitzer auch durch.
Doch nicht nur der 25-Jährige konnte sich beweisen. Das Scheinwerferlicht richtete sich in Dortmund vielmehr auf die beiden jüngsten RWE-Akteure, denen Dabrowski das Vertrauen schenkte. Leonardo Vonic, Aktivposten mit zwei Eins-gegen-Eins-Situation mit BVB-Torhüter Lotka und Mustafa Kourouma – Zweikampf-Quote über 70% – machten die Elf mit durchschnittlich 23,7 Jahren zur jüngsten Startformation der laufenden Drittliga-Saison. Hat sich ausgezahlt, Kourouma dankte mit dem Brustlöser zum 1:0! Der 20-Jährige: „Das Tor war eine Befreiung!“

Bei aller Euphorie, die nach dem Spiel herrschte, galt es unter der Woche, den Blick nach vorn zu richten. Mit Saarbrücken wartet nun ein „sehr anspruchsvoller Gegner“, wie Dabrowsk weiß. Sinne schärfen ist zudem mehr als angebracht: Die Rot-Weissen taten sich in der Vergangenheit nachweislich schwer, in Folgespielen an gute Leistungen anzuknüpfen. Nur einmal in zwei Drittligajahren gewann RWE zwei Spiele in Folge – am 4. und 5. Spieltag dieser Saison gegen Preußen Münster (1:0) und dann den SC Freiburg (2:0). Besonders beschäftigt haben sich die RWE-Profis damit nicht: „Das hat der Trainer nicht thematisiert“, ließ Cedric Harenbrock wissen. Das ist auch nicht nötig, die Mission ist ohnehin klar: „Jeder von uns weiß, wie es uns und die Stimmung pushen würde, wenn wir nochmal gewinnen“, so der 25-Jährige.
Um das Kunststück, zweimal nacheinander zu gewinnen, zum zweiten Mal zu schaffen, kann Coach Christoph Dabrowski wieder auf Felix Götze zurückgreifen. Nach zweiwöchiger Verletzungspause wegen einer Bauchmuskelzerrung ist der Abwehr-Leistungsträger zurück. Auch Andreas Wiegel, der gegen Dortmund mit muskulären Problemen im Oberschenkel passen musste, kickt unlängst wieder im Mannschaftstraining. Es fehlen somit nur noch die Langzeitverletzten Fabian Rüth (Kreuzbandriss), Ekin Celebi (Reha nach Leisten-OP) und Thomas Eisfeld (Aufbautraining nach Teilriss der Symdesmose). Björn Rother muss zwei weitere Spiele seine Rotsperre aus der Verl-Partie absitzen.
Der Gegner:
Mitte September ereignet sich im Spiel zwischen Saarbrücken und Unterhaching eine Szene, die die 3. Liga erstarren lässt. Im Mittelkreis haben FCS-Angreifer Patrick Schmidt und Verteidiger Benedikt Bauer nur Augen für den Ball. Der Hachinger grätscht und es kommt versehentlich zum Pressschlag. Unter Schmerzensschreien bleibt Routinier Schmidt auf dem Rasen liegen, Minuten später wird er von Ärzten und Sanitätern per Trage vom Platz und schließlich direkt ins Krankenhaus verfrachtet. Schien- und Wadenbeinbruch, nur beim Zusehen stellen sich die Nackenhaare auf.
Mal davon ab, dass in solchen Momenten schier nur noch Gesundheit und schnelle Genesung zählen, untermauert der Moment Saarbrückens Verletzungspech. Der 30-jährige Schmidt, aus Ingolstadt gekommen, sollte im Neuzugangs-Duo mit Kai Brünker (aus Magdeburg) einen Sturm zum Fürchten bilden. Bis zum Haching-Spiel klappte das: zusammen sieben Treffer in fünf Spielen; zu diesem Zweitpunkt hatte der FCS die beste Offensive der Liga – zugegebenermaßen allerdings mit neun Gegentreffer auch die schlechteste Defensive. Schmidt ist derweil nicht der einzige langzeitverletzte Angreifer. Sebastian Jacob (30) riss sich in der Saisonvorbereitung zum zweiten Mal in Folge das Kreuzband.

Zu unterschätzen ist die Vorderreihe der Saarländer nichtsdestotrotz keinesfalls, das bewies der FCS, der in knapp zwei Wochen im DFB-Pokal auf Bayern München trifft (01. November, 20.45 Uhr), gegen Arminia Bielefeld. Im Auswärtsspiel fegte Saarbrücken die Ostwestfalen vor wenigen Wochen 6:2 von der Alm. Vor allem Brünker bleibt dabei Dreh- und Angelpunkt an der Angriffsfront: Sechs Tore zählt der 29-Jährige auf der Haben-Seite. Doch auch Ex-Essener Kasim Rabihic (30/zwischen 2015 und 2017 bei RWE) und Julian Günther-Schmidt (29) setzen Akzente im zuletzt von Coach Rüdiger Ziehl präferierten 4-3-2-System.
Paradebeispiel ist der FCS derweil für die Enge in der 3. Liga. Mit einem Spiel weniger in petto, belegt der FCS derzeit den 12. Tabellenplatz. Würde die Nachholpartie gegen den MSV Duisburg (Absetzung wegen U20-Einsatz von Zebra-Spieler Casper Jander) gewonnen gehen, winkt die 6. Position (Stand Samstagmorgen). Auch wenn Ziehl im Interview vor dem Gastspiel an der Hafenstraße verlauten lässt, dass man „sehr gerne ein paar Punkte mehr“ gesammelt hätte und „die Leistungen insgesamt ausbaufähig“ seien – was wohl besonders auf die 0:2-Niederlage gegen Erzgebirge Aue im letzten Spiel zutrifft –, würde sich Saarbrücken damit in gute Position für den angestrebten Zweitliga-Aufstieg bringen.

Bei wem es jetzt nach den Worten „Saarbrücken“ und „Aufstieg“ in der Dachstube wegen jüngster Vergangenheit klingelt, der irrt nicht: Wäre das Spiel Osnabrück gegen Dortmund II Ende Mai früher abgepfiffen gewesen, gäbe es die Paarung am Sonntag womöglich nicht. Nur weil der VfL im Fernduell in der Nachspielzeit einen Blitzdoppelpack hinlegte und schließlich doch noch siegte, wurde Saarbrücken vom Relegationsplatz verdrängt. Zwischenzeitlich stand das Team aus dem Ludwigspark am letzten Spieltag gar auf einem Aufstiegsplatz. „Zugegeben: Das war schon zunächst sehr hart“, meint Trainer Ziehl, der im Gegensatz zu Jan Zimmermann, Trainer des vorherigen RWE-Gegners BVB U23, auf einen festen und gleichbleibenden Spielerstamm in seinem System setzt. Der Plan jedenfalls blieb trotz des Dämpfers im Saisonfinale 2022/23 gleich: Mit viel Physis und Zweikampfstärke auftrumpfen. „Wir müssen uns auf viele Flankenversuche einstellen und auch bei Abprallern hellwach sein“, kennt RWE-Verteidiger Mustafa Kourouma das Rezept, die Saarbrücker zu knacken.
Ohne das Nachholspiel jedenfalls sind es für den FCS gerade acht Punkte auf den zweiten Platz und gar elf Zähler zur Tabellenführung. In einer Sache sind die Saarbrücker jedoch einsame Liga-Spitze: Stolze fünfmal gingen saarländische Akteure nach Platzverweisen früher duschen: viermal Gelb-Rot, einmal Glattrot. So kommt es, dass neben den Verletzten Jacob, Schmidt und Neudecker (Adduktorenverletzung) auch Rechtsverteidiger Calogero Rizzuto (2. Gelb-Rote Karte der Saison gegen Aue) und Patrick Sontheimer (verlängerte Gelb-Rot-Sperre wegen Unsportlichkeit) an der Hafenstraße fehlen.
Die letzten 07 Duelle:
- 18. März 2023: Saarbrücken – RWE (3:0)
- 19. September 2022: RWE – Saarbrücken (1:0 / Tor: Götze)
- 16. März 2010: Saarbrücken – RWE (1:1 / Tor: Chitsulo)
- 23. August 2009: RWE – Saarbrücken (1/2 / Tor: Stachnik)
- 08. April 2005: Saarbrücken – RWE (0:0)
- 31. Oktober 2004: RWE – Saarbrücken (2:0 / Tore: Kioyo, Teixeira)
- 11. März 2000: Saarbrücken – RWE (2:1 / Tor: Skok)
Der Schiedsrichter:
Schiedsrichter der Partie ist Assad Nouhoum. Der 29-Jährige aus Fürstenfeldbruck bei München pfeift seit der Saison 2022/23 in der 3. Liga. An zwei seiner bislang zwölf Einsätze war RWE beteiligt: der 2:1-Auswärtssieg bei Waldhof Mannheim und die 1:3-Heimniederlage gegen Wehen Wiesbaden.
An den Seitenlinien assistieren Nouhoum Simon Schreiner und Felix Wagner (22). Vierter Offizieller ist, wie schon in der vergangenen Woche, ein Regionalliga-West-Schiedsrichter: Der 28-jährige Leonidas Exuzidis pfiff in diesem Fußballjahr schon das Aufeinandertreffen zwischen RWE und Viktoria Köln (0:0).
Das Wetter:
So manch einer würde es in Anlehnung an Rahn-Kumpel Walter „Fritz sein Wetter“ nennen: 10 Grad, hohe Regenwahrscheinlichkeit.
Übertragung:
Das Duell zwischen RWE und dem 1. FC Saarbrücken wird ab 16.15 Uhr live auf MAGENTA SPORT übertragen. Christian Straßburger kommentiert, Thomas Wagner moderiert.
