16. September 2025
Koschinat: „Ein anderer Gradmesser für uns“
RWE-Cheftrainer vor Heimspiel gegen seinen Ex-Klub VfL Osnabrück.

Die erste Englische Woche der Saison in der 3. Liga hält für Rot-Weiss Essen einen Heimspiel-Doppelpack parat. Bevor am kommenden Samstag, 20. September, ab 14 Uhr der FC Hansa Rostock im Stadion an der Hafenstraße zu Gast ist, geht es an diesem Mittwoch (17. September) ab 19 Uhr unter Flutlicht gegen den VfL Osnabrück, den früheren Verein von RWE-Trainer Uwe Koschinat.
Mit dem 3:1-Auswärtserfolg beim SSV Jahn Regensburg verbesserten die Rot-Weissen ihre Ausgangsposition für das Duell mit den punktgleichen Niedersachsen. Das Ziel ist klar: Im dritten Heimspiel der Saison soll der erste Dreier eingefahren werden. Vor dem Flutlichtduell im Stadion an der Hafenstraße nimmt Uwe Koschinat im Interview mit der „kurzen fuffzehn“ wie immer ausführlich Stellung.
Hallo Uwe! Mit dem 3:1 in Regensburg stellte RWE erneut die Auswärtsstärke eindrucksvoll unter Beweis. Wie fällt Dein Fazit nach dem zweiten Saisonsieg aus?
Wir hatten einen unsauberen Einstieg ins Spiel, es gab viele Fehler auf beiden Seiten. Dann haben wir aber zuerst Schwung aufgenommen und sind auch verdient in Führung gegangen. Was wir dann von der 46. bis zur 60. Minute gespielt haben, war bemerkenswert. Der Regensburger Ausgleich fällt dann aus dem Nichts. Umso besser war dann, wie schnell wir wieder zurückgekommen sind und die Partie auf unsere Seite gezogen haben.
Es geht jetzt Schlag auf Schlag weiter. Zunächst gastiert der VfL Osnabrück an diesem Mittwoch an der Hafenstraße. Dort warst Du vor einem Jahr noch Trainer, trifft jetzt aber schon zum dritten Mal mit RWE auf Deinen früheren Verein. Ist es dennoch noch etwas Besonderes?
Es ist von daher nicht alltäglich, weil ich sehr viele bekannte Gesichter wiedersehen werde. Zwar hat sich beim VfL seitdem einiges getan. Im Staff und auch innerhalb der Mannschaft sind aber noch viele Leute aus meiner Zeit dabei. Darauf freue ich mich. Außergewöhnlich ist sicherlich auch, dass nach mir inzwischen schon der dritte Cheftrainer beim VfL im Amt ist. Sonst löst das Aufeinandertreffen bei mir aber nichts mehr aus.
Nicht nur auf der Trainerposition, sondern in der gesamten Sportlichen Leitung gab es erhebliche Veränderungen. Wie bewertest Du das?
Dass der VfL Osnabrück mit Joe Enochs einen absoluten Fachmann für die 3. Liga und noch dazu eine Identifikationsfigur als Direktor Fußball zurückgeholt hat, tut dem Verein mit Sicherheit sehr gut. Wir beide standen uns sehr oft als Trainer gegenüber, sind auch gut befreundet. Joe ist Osnabrücker durch und durch und wird alles tun, um mit seinem Verein langfristig Erfolg zu haben. Mit Timo Schultz hat er einen Trainer mit Bundesliga und Zweitliga-Erfahrung verpflichtet, der ebenfalls gut zum Verein passt.
Genau wie RWE hat auch der VfL Osnabrück nach fünf Spieltagen acht Punkte auf dem Konto. Wie schätzt Du die sportliche Qualität ein?
Durch einige vielversprechende Transfers ist es dem VfL gelungen, eine starke Achse zu bilden. Zuletzt brachte Robin Meißner von Dynamo Dresden auch noch das gesuchte Mittelstürmer-Profil mit. Es stehen zahlreiche sehr gute Drittliga-Spieler im Kader. Dass die Osnabrücker erst drei Gegentore kassiert haben, spricht für eine große Stabilität. Meiner Meinung hat der VfL gute Chancen, um den Aufstieg mitzuspielen und ist für uns mit Sicherheit ein anderer Gradmesser als zuletzt der SSV Jahn Regensburg.
Ist es für RWE ein Vorteil, dass der VfL Osnabrück noch am Sonntag im Einsatz war und damit weniger Regenerationszeit hatte?
Nein, das sehe ich nicht so. Es ist richtig, dass die Osnabrücker etwa eineinhalb Tage später gespielt haben als wir. Während sie jedoch ein Heimspiel hatten und jetzt nach Essen keine lange Anreise auf sich nehmen müssen, wird sich das mit Blick auf unsere Reisebelastung zumindest aufheben. Wir waren nach dem Spiel in Regensburg acht Stunden mit dem Bus unterwegs, kamen erst um 5 Uhr morgens wieder in Essen an. Da war es gar nicht so einfach, die Müdigkeit aus den Knochen zu bekommen und bestmöglich zu regenerieren. Dennoch haben wir uns natürlich intensiv auf das Osnabrück-Spiel vorbereitet und wollen jetzt auch an der Hafenstraße den ersten Dreier einfahren.
Tendierst Du dazu, auf allzu viele Veränderungen innerhalb der Mannschaft zu verzichten, oder wirst Du eher die volle Breite des Kaders ausnutzen und während der englischen Woche sehr viel rotieren?
Diese Frage lässt sich so pauschal nicht beantworten. Zum einen waren vor und nach dem Regensburg-Spiel einige Spieler angeschlagen. Deshalb habe ich ganz genau hingeschaut, wer im Vollbesitz seiner Kräfte ist und wer nicht. Gerade bei unseren zahlreichen Alternativen im Kader würde es keinen Sinn machen, Spieler aufzustellen, die nicht bei 100 Prozent sind. Das ist ein wesentlicher Unterschied zur vorherigen Saison. Dennoch ist zum jetzigen Zeitpunkt der Saison auch eine gewisse Kontinuität sehr wichtig.
Im Vergleich zum Aachen-Spiel gab es insgesamt vier Umstellungen. Nicht jeder hatte erwartet, dass in der neuformierten Viererkette Michael Schultz und José-Enrique Rios Alonso zusammen als Innenverteidiger auflaufen würden. Was war der Grund?
Nach insgesamt sechs Gegentreffern in Wiesbaden und gegen Aachen waren für mich zwei wesentliche Punkt ausschlaggebend. Zum einen wollte ich unsere erfahrene Achse mit Kapitän Michael Schultz sowie Klaus Gjasula und Ahmet Arslan, die schon über Monate vorbildlich vorangegangen sind, auf dem Platz haben. Zum anderen standen für mich eine bessere Verteidigungsmentalität und eine gute Ordnung besonders im Fokus. Dafür steht nicht zuletzt Michael Schultz. José-Enrique Rios Alonso hat neben seiner Zweikampf- und Laufstärke sowie seiner Torgefährlichkeit außerdem den Vorteil, dass er in der Abwehr auf sämtlichen Positionen spielen kann. Grundsätzlich können unsere Innenverteidiger aber in jeder möglichen Kombination gut harmonieren. Rios Alonso und Tobias Kraulich haben schon häufiger zusammengespielt. Es kann auch mal von großem Vorteil sein, zwei äußerst kopfballstarke Spieler wie Schultz und Kraulich zusammen auf dem Platz zu haben.
Der neue Mittelstürmer Jannik Mause gab in Regensburg sein Startelf-Debüt. Wie weit ist er schon?
Jannik bringt viel Erfahrung mit und hat schon bewiesen, dass er in der 3. Liga ein Top-Torjäger ist. Daher macht es keinen Sinn, ihn zu verstecken. Es ist jetzt unsere Aufgabe, ihn auf Top-Niveau zu bringen. Das geht am besten durch regelmäßige Einsatzzeiten. Er hat einen hohen Anspruch an sich selbst und macht auch körperlich einen guten Eindruck. Es ist klar, dass ihm noch nicht alles gelungen ist. Aber das ist auch normal.
Mauses Stürmerkollege Jaka Cuber Potocnik kam nach seiner Länderspielreise mit der U21-Nationalmannschaft von Slowenien in Regensburg nicht zum Einsatz. War das den Reisestrapazen geschuldet?
Teils, teils. Zum einen war nicht unbedingt geplant, dass er im Länderspiel über die volle Distanz geht. Er ist dann aber gesund zurückgekehrt und stand dann auch im Kader. Durch den Spielverlauf hat es dann mehr Sinn ergeben, mit Ramien Safi einen klassischen Konterspieler zu bringen. Das hat sich ja auch ausgezahlt. Dennoch ist Jaka sehr nah dran. Wir dürfen nicht vergessen, dass er bislang in jedem Spiel, das er für RWE bestritten hat, ein Tor erzielt hat. Diese Serie kann er sehr gerne fortsetzen.

