13. September 2021

Kevin Holzweiler: „Fühlt sich nicht nach Regionalliga an“

Flügelflitzer war schon dreimal Meister der vierten Spielklasse.

Kevin Holzweiler: "Fühlt sich nicht nach Regionalliga an" – Rot-Weiss Essen
Holzweiler: „Ich wollte schon immer für einen Traditionsverein spielen.“ (Fotos: Endberg)

Kevin Holzweiler hat während seiner Karriere schon das geschafft, was er sich jetzt auch mit seinem neuen Verein Rot-Weiss Essen vorgenommen hat: Mit der U23 von Borussia Mönchengladbach und mit dem FC Viktoria Köln wurde der 26-jährige Offensivspieler schon dreimal Meister in der Regionalliga West. Nach zwei vergeblichen Anläufen mit der „Fohlen“ und der Viktoria gelang „Holz“ im dritten Versuch über die (inzwischen zumindest für den Westen abgeschafften) Aufstiegsspiele 2019 der Sprung in die 3. Liga. Von dort wechselte er jetzt an die Hafenstraße. Im Interview spricht Holzweiler über seine Vergangenheit und die Stimmung im Stadion Essen.

Kevin Holzweiler, gegen den VfB Homberg waren 9.000 Zuschauer im Stadion. Wie ist es für Dich, endlich wieder vor Zuschauern spielen zu dürfen?
Das ist definitiv etwas Besonderes. Das hat man ja schon in den ersten beiden Heimspielen gespürt. Die Stimmung an der Hafenstraße war schon als Teil der gegnerischen Mannschaft immer ein Erlebnis. Diese Atmosphäre jetzt sogar als Spieler von RWE zu erleben, pusht einen noch mehr, zumal wir für lange Zeit auf die Fans verzichten mussten.

Wegen einer Augenverletzung musstest du zwischenzeitlich aussetzen. Wie geht es Dir jetzt?
Mir geht es zum Glück wieder richtig gut. Die Verletzung war in der ersten Halbzeit der Auftaktpartie beim Bonner SC passiert. Ich bin dem Ball hinterhergerannt, als mein Gegenspieler seine Hand nach hinten gestreckt und dabei mit einem Finger mein Auge getroffen hat. Ich habe direkt verschwommen gesehen und wusste, dass es für mich nicht mehr weitergeht. Durch die schlechtere Sicht bekam ich auch Kopfschmerzen. Beim Augenarzt wurde dann festgestellt, dass meine Hornhaut angekratzt war. Ich bekam eine Salbe und Tropfen für das Auge. Leichte Läufe konnte ich in dieser Phase ebenso absolvieren wie Training für den Oberkörper. An einen Einsatz im Spiel war damit aber nicht zu denken.

Du warst in der zurückliegenden Saison noch in der 3. Liga am Ball. Warum bist Du zurück in die Regionalliga West gewechselt?
Ich wollte schon immer für einen Traditionsverein spielen. Aus den Duellen mit der U23 von Borussia Mönchengladbach wusste ich, wie geil die Stimmung an der Hafenstraße ist. Das hatte ich sonst in meiner Karriere noch nicht erlebt. Beim FC Viktoria Köln war das Umfeld zwar größer als in Gladbach, aber immer noch familiär. Dazu hatte ich bei RWE gute Gespräche mit den Verantwortlichen. Das Niveau in der Trainingswoche ist sehr hoch. Alles in allem fühlt es sich nicht nach Regionalliga an.

Kevin Holzweiler: "Fühlt sich nicht nach Regionalliga an" – Rot-Weiss Essen
Genießt die zahlreichen Zuschauer in Essen: Kevin Holzweiler (2. v. l.).

Du kommst aus Jülich, warst bislang ausschließlich im Fußball-Westen am Ball. Bist Du ein heimatverbundener Mensch?
Ich kann mir in der Tat gar nicht so recht vorstellen, in einem ganz anderen Teil Deutschlands zu spielen. Der Kontakt zur Familie und zu meinen Freunden ist mir sehr wichtig. Meine Eltern schauen sich jedes Spiel von mir an. Es ist schön, ihren Rückhalt – und den meines zwei Jahren älteren Bruders Patrick – zu spüren.

Insgesamt 14 Jahre lang warst Du für Borussia Mönchengladbach am Ball. Wie bist Du damals bei den „Fohlen“ gelandet?
Bei der SpVgg Jackerath-Opherten hatte ich schon mit sieben Jahren bei den älteren Jahrgängen mitgespielt. Mein damaliger Trainer meinte dann, ob ich nicht ein Probetraining bei Borussia Mönchengladbach machen will. Ich habe fünf-, sechsmal mittrainiert, bevor dann mein Wechsel perfekt war.

Hattest Du die Möglichkeit, Dich auch bei den Profis zu zeigen?
Als U19-Spieler durfte ich erstmals bei der ersten Mannschaft mittrainieren. Die erfahrenen Profis wie Martin Stranzl, Roel Brouwers oder auch Tony Jantschke haben sich besonders um uns junge Spieler gekümmert und uns die Eingewöhnung erleichtert. Zu meiner Zeit im Seniorenbereich habe ich quasi komplett bei der Lizenzmannschaft mittrainiert. Unter Lucien Favre und später auch André Schubert konnte ich viel mitnehmen, auch wenn es nicht für einen Einsatz bei den Profis gereicht hat.

Wie schwer war Dir 2016 der Abschied gefallen?
Ich habe in Gladbach viele tolle Menschen kennengelernt und bin auch als Mensch gereift. Um ein zweites Standbein neben dem Fußball zu haben, hatte ich auch eine Ausbildung zum Einzelhandelskaufmann absolviert. Ab 8.00 Uhr hatte ich dann im Lager gearbeitet, bevor ich dann von 10.00 bis 17.00 Uhr im Fanshop im Einsatz war. Danach ging es dann noch zum Training. Das war eine intensive, aber auch gute Zeit. Mit meinem Wechsel zum FC Viktoria Köln wollte ich den nächsten Schritt machen.

Mit der Viktoria bist Du 2019 in die 3. Liga aufgestiegen. Was hatte die Mannschaft vor allem ausgezeichnet?
Wir waren wirklich ein Team, im wahrsten Sinne des Wortes. Auch privat haben wir viel gemeinsam unternommen. Dazu haben wir im Training die richtige Mischung aus Spaß und Ernsthaftigkeit gefunden. Im Eifer des Gefechts konnte man sich auch mal die Meinung geigen. Danach war das aber wieder vergessen.

Kevin Holzweiler: "Fühlt sich nicht nach Regionalliga an" – Rot-Weiss Essen
Als erster Neuzugang bekanntgegeben: Kevin Holzweiler mit Sportdirektor Jörn Nowak (l.). (Foto: RWE)

Bei RWE trägst Du jetzt die „10“, die auch dein ehemaliger Kölner Mitspieler Mike Wunderlich an der Hafenstraße schon getragen hatte. Was bedeutet Dir die Nummer?
Bei mir hat das ein wenig mit Aberglauben zu tun. Mit der „10“ verbinde ich schöne Erfolge in der Jugend. Bei der U23 von Borussia Mönchengladbach und Viktoria Köln hatte ich dann die „19“. Von daher freue ich mich, jetzt wieder die „10“ zu tragen. Es ist allerdings nicht so schlimm, dass ich vor den Spielen feste Abläufe habe und den linken Stutzen zuerst anziehen müsste oder so. (lacht)

Was hast Du Dir für die Zeit an der Hafenstraße vorgenommen?
Ganz klar: Dieses Jahr geht es um den Aufstieg in die 3. Liga. Ich will gesund bleiben und die Mannschaft so gut wie möglich unterstützen. Mit einer bestimmten Marke an Toren oder Vorlagen als Ziel setzte ich mich aber nicht unter Druck. Das wird bestimmt schon klappen, wenn wir als Team erfolgreich sind.

Über Kevin Holzweiler

Geburtsdatum: 16. Oktober 1994
Nationalität: deutsch
Im Verein seit: 2021
Größe: 1,64 Meter
Bisherige Vereine: Viktoria Köln, Borussia Mönchengladbach